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Anti-Terror-Einsätze in Deutschland: Polizei will Fotos eines mutmaßlichen IS-Terroristen veröffentlichen

Der Alexanderplatz einen Tag nach der Anti-Terror-Razzia.

Der Alexanderplatz einen Tag nach der Anti-Terror-Razzia.

Foto:

REUTERS

Nach einer Razzia gegen eine mutmaßliche islamistische Terrorzelle will die Polizei am Freitag weitere Details bekanntgeben. Die Ermittler wollen unter anderem Fotos von einem der vier Anhänger der Terrormiliz IS veröffentlichen, die im Verdacht stehen, eine schwere staatsgefährdende Gewalttat vorbereitet zu haben. Auf den Fotos sollen auch Waffen zu sehen sein. Sie sollen Hinweise auf die Kampfausbildung eines Verdächtigen in Syrien geben.

„Die Fotos sind ein Grund, warum wir den Hinweis besonders ernst genommen haben“, sagte ein Sprecher der Berliner Polizei am Freitag. Ein Foto belege demnach die militärische Ausbildung eines der Verdächtigen in Syrien. Das Bild sollte am Nachmittag veröffentlicht werden.

Bei den Durchsuchungen am Donnerstag in Berlin, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen waren nach Angaben der Berliner Staatsanwaltschaft keine „gefährlichen Gegenstände“ gefunden worden. Weiter herrscht Unklarheit über die genauen Pläne der drei festgenommenen Personen.

Keine Bestätigung für Anschlagsziele

In Berlin hatten Islamisten offenbar einen Anschlag geplant. Vermutungen, dass das Areal rund um den Bahnhof Alexanderplatz das Ziel sein sollte, bestätigten die Sicherheitsbehörden jedoch nicht. Auch für den Checkpoint Charlie als möglichen Anschlagsort gab es keine Bestätigung. Die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) hatte gedroht, Anschläge in europäischen Hauptstädten zu verüben, hieß es aus Sicherheitskreisen.

Bei Razzien in Berlin, Nordrhein-Westfalen sowie in Niedersachsen wurden zwei Tatverdächtige festgenommen. Auch eine Frau wurde verhaftet. In Algerien war nach ihr wegen eines anderen Delikts gefahndet worden. Zwei weiteren Tatverdächtige, ein 31 Jahre alten Mann aus Berlin sowie dessen 26-Jähriger Bekannter aus Hannover wurden befragt.

450 Polizisten beteiligt

Gegen die Männer, die Mitglieder einer Terrorzelle sein sollen, wird wegen der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdeten Gewalttat ermittelt, sagte Berlins Justizsprecher Martin Steltner. An den bundesweiten Durchsuchungen waren 450 Polizisten beteiligt. Zeitgleich gegen 6 Uhr stürmten Ermittler der Soko „Frost“ in Berlin in vier Wohnungen sowie in zwei Betriebe.

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Ein 49 Jahre alter Mann wurde in einer Drei-Raum-Wohnung in der Waldemarstraße in Kreuzberg verhaftet. Gegen ihn wird wegen Urkundenfälschung ermittelt. Er stamme aus Algerien und habe einen gefälschten französischen Pass. Bei den durchsuchten Betrieben handelt es sich um einen Backshop im S-Bahnhof Alexanderplatz sowie einen Backshop an der Markgrafenstraße in der Nähe vom Checkpoint Charlie. Dort soll jeweils einer der Verdächtigen gearbeitet haben. Die Polizei stellte Handys, Festplatten und schriftliche Unterlagen sicher. Die Fahnder waren mit Spürhunden unterwegs. Waffen und Sprengstoff wurden nicht entdeckt.

Über Balkanroute nach Deutschland

Der Hauptverdächtige, ein 35 Jahre alter Mann wurde in einer Flüchtlingsunterkunft in Attendorf in Nordrhein-Westfalen gefasst. Er soll Mitglied der Terrororganisation IS und von ihr an Waffen ausgebildet worden sein. Als Flüchtling reiste er im Herbst 2015 über die sogenannte Balkanroute nach Deutschland ein. In Bayern wurde er als Flüchtling registriert. Der Hinweis zur Terrorzelle kam vom Bundesamt für Verfassungsschutz Ende vergangenen Jahres. Seitdem waren die Männer observiert worden.

Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) sagte: „Wir haben weiterhin allen Grund, wachsam und vorsichtig zu sein“. Die Aktivitäten der Szene würden sehr intensiv und behördenübergreifend begleitet, sagte Henkel. Er sprach von einer weiterhin hohen Bedrohungslage.

Überwachte haben möglicherweise Verdacht geschöpft

Die Polizei habe sich unter anderem wegen ausbleibender neuer Erkenntnisse bei der Telefonüberwachung der vier algerischen Anhänger der Terrormiliz IS zum Zugriff entschlossen. Nach Informationen aus Sicherheitskreisen ergab die Abhöraktion in den vergangenen Tagen keine weiteren Informationen, die Erkenntnisse im Zusammenhang mit den mutmaßlichen Anschlagsplänen erhärtet hätten.

Möglicherweise hätten die Verdächtigen den Verdacht geschöpft, dass sie überwacht wurden. Zudem hätten die Verdächtigen ständig ihre Kommunikationsmittel gewechselt und unter anderem auch Mobiltelefone weggeworfen. (mit dpa)


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