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Antisemitischer Vorfall in Berlin: Hakenkreuz in Auto von jüdischer Familie geritzt

JFDA

Weil der Besitzer dieses Autos Jude ist, ritzten Unbekannte ein Hakenkreuz in den Lack.

Berlin -

Als der 40-jährige Familienvater am Montagmorgen seine Wohnung in Charlottenburg verließ und sein Auto sah, erstarrte er. In den Lack der Kühlerhaube hatte jemand ein Hakenkreuz eingeritzt. Offenbar wurden der oder die Täter gestört, denn sie wollten offenbar noch ein zweites größeres Nazi-Symbol einritzen. Nach Angaben einer Polizeisprecherin hat der für die Aufklärung politisch motivierter Straftaten zuständige Staatsschutz die Ermittlungen übernommen. Die Werkstatt sagte dem Fahrzeughalter, er müsse mit Kosten von rund 1500 Euro rechnen.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Polizei wegen antisemitischer Attacken ermittelt, die gegen die Familie gerichtet sind. So hatten im Februar 2010 Jugendliche und Kinder mit türkischem und arabischem Migrationshintergrund die Kinder der jüdischen Familie auf der Straße nachgestellt. Sie bewarfen sie mit Schneebällen und kleinen Steinen. Schließlich warfen sie Schneebälle, die mit Schmutz und Steinen vermischt waren, in die zum Teil geöffneten Fenster der Wohnung. Die Polizei hatte danach mit den Eltern der jungen Täter gesprochen. Die entschuldigten sich bei der Familie.

Nicht mehr mit Kippa auf die Straße

Doch es ging weiter. „Als ich an einer Gruppe von Leuten vorbeikam, sagte jemand: „Pfui, hier stinkt es nach Juden“, erinnert sich der Familienvater. Während des Gaza-Krieges im Sommer wurde der 40-Jährige, der aus Sicherheitsgründen anonym bleiben möchte, nach eigenen Angaben durch eine Gruppe junger Männer verbal angefeindet. „Sie riefen mir sinngemäß zu: „Hitler, Hitler, … Jude, … Israel“.

Die Familie, die am Donnerstag und Freitag eigentlich Rosh Hashana, das Jüdische Neujahrsfest feiern wollte, fragt sich inzwischen, ob es ihr überhaupt noch möglich ist, weiter in ihrer Gegend zu leben. „Es geht ja nicht um mich, es geht um meine Kinder“, sagt der Vater. „Mein Sohn fragt mich, ’Papa, was soll das? Was ist passiert?’ Meine Kinder haben inzwischen Angst. Vor ein paar Jahren sind wir noch mit Kippa oder Davidstern auf der Straße gelaufen. Das machen wir jetzt nicht mehr.“

Die Berliner Polizei registrierte in den vergangenen Monaten verstärkt antisemitisch motivierte Straftaten. Unter anderem wurden am 14. und 15. September judenfeindliche Schmierereien im Großen Tiergarten entdeckt. Beschmiert wurde auch das Mahnmal für die von den Nationalsozialisten deportierten Juden in der Levetzowstraße. Kurz zuvor hatte am Brandenburger Tor eine Kundgebung mit mehreren Tausend Teilnehmern stattgefunden, auf der Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Berlins Regierender Bürgermeister (SPD) dafür warben, wachsam gegen Antisemitismus zu sein.

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