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Berlin-Marzahn: Was wir über die angebliche Vergewaltigung einer 13-Jährigen wissen

Russische Fernsehsender berichten über die Empörung.

Russische Fernsehsender berichten über die Empörung.

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BLZ

Eine 13-Jährige aus Marzahn soll in der vergangenen Woche von Arabern entführt und vergewaltigt worden sein. Wie berichtet, macht dieses Gerücht in sozialen Netzwerken die Runde und wird von russischen Medien verbreitet, die sogar den Klarnamen des Kindes nennen.

Was ist Hetze?

Doch was stimmt und was ist ausländerfeindliche Hetze? Bisher steht nur fest: Ein 13-jähriges Mädchen aus Mahlsdorf, das aus einer deutsch-russischen Familie stammt, wurde am Montag vergangener Woche als vermisst gemeldet. Die Familie hängte Suchplakate aus, die Freiwillige Feuerwehr in Falkenberg half bei der Suche. Am Dienstag tauchte das Mädchen wieder auf. Zu Hause erzählte das Kind, es sei von arabischen Männern entführt und vergewaltigt worden.

Diese Darstellung kursierte später im Internet. Auf einer NPD-Veranstaltung „gegen sexuelle Gewalt“ am Marzahner Einkaufszentrum Eastgate sprach am Sonnabend eine Rednerin, die sich als Cousine des Mädchens bezeichnete. Sie sagte, die Polizei habe das Opfer unter Druck gesetzt und seine Aussagen ignoriert, um den Fall unter den Teppich zu kehren. Das Kind sei von den Ermittlern ausgelacht worden. Stundenlang sei es allein verhört worden.

Wegen der Herkunft der Familie des Kindes machten vor allem die russischen Medien den Fall zum Top-Thema und sehen den Fall als Folge der „uneingeschränkten Toleranz“: der Erste Kanal, TV Zvezda oder auch Ren-TV, Rossija 1 und Sputnik News, die von einer spontanen Demonstration von russischen Immigranten am S-Bahnhof Mahlsdorf berichteten.

Keine Auskunft

Die Polizei gibt mit Verweis auf die Persönlichkeitsrechte des Kindes und der Familie nur spärliche Informationen – was die Spekulationen in rechten Netzwerken noch mehr anheizt. „Nach derzeitigem Ermittlungsstand gab es weder eine Entführung noch eine Vergewaltigung“, sagte eine Polizeisprecherin am Sonntag. Dabei blieb es auch am Montag. Was das Mädchen wirklich erlebte, sagt die Polizei nicht. Nähere Angaben werde sie zum Schutz des Kindes nicht machen.

Und so häuften sich am Montag auf der Facebook-Seite der Polizei Verweise auf russisches Fernsehen, Vorwürfe von Vertuschung und fremdenfeindliche Einträge, so dass die Polizei am Nachmittag an einen sensiblen Umgang mit dem Thema in den sozialen Netzwerken zu appellierte. Einem Nutzer, der der Polizei unterstellte, das Kind unter Druck gesetzt zu haben, drohte das Social-Media-Team der Behörde mit strafrechtlichen Konsequenzen: „Sie behaupten (...) die Polizeibeamten hätten eine Straftat begangen, indem sie verbotene Vernehmungsmethoden verwendet hätten. Wir werden diese Äußerung nicht kommentarlos hinnehmen.“

Nach Sexualdelikten lässt das Landeskriminalamt die tatsächlichen und mutmaßlichen Opfer stets rechtsmedizinisch untersuchen. Das Ergebnis des aktuellen Gutachtens ist nicht bekannt.

Nach Angaben der Zeitung B.Z. soll das Mädchen zuerst die Entführungsversion berichtet haben und seine Aussagen später bei der Vernehmung durch die Polizei verändert haben. Angeblich sei sie mit den Männern freiwillig mitgegangen. Die Familie behauptet, das Kind habe seine Aussage auf Druck der Polizisten verändert.

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