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Brandanschlag auf Mobilfunkkonzern: Polizei vermutet linksextremistischen Anschlag

Bereits Ende November haben Unbekannte auf einem Vodafone-Funkmast Feuer gelegt. Die Polizei prüft Parallelen zu der Tat vom Freitagmorgen.

Bereits Ende November haben Unbekannte auf einem Vodafone-Funkmast Feuer gelegt. Die Polizei prüft Parallelen zu der Tat vom Freitagmorgen.

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ABIX

Unbekannte haben in der Nacht zu Donnerstag in Adlershof einen Brandanschlag auf einen Vodafone-Knotenpunkt verübt. Der Brandmelder an dem Antennenmast in der Ernst-Augustin-Straße löste gegen vier Uhr Alarm aus. Dort standen in sechs Metern Höhe mehrere Kabelbäume in Flammen. Die Feuerwehr löschte den Brand. Für die Löscharbeiten musste an dem Mast vorübergehend der Strom abgestellt werden.

Anschließend fanden die Polizisten auf dem Mast zwei Brandsätze, von denen einer nicht gezündet hatte. Entschärfer der Kriminaltechnik im Landeskriminalamt konnten ihn am Vormittag unschädlich machen.

Wie bei anderen Anschlägen

Der Polizeiliche Staatsschutz übernahm die Ermittlungen. Er geht von einer politisch motivierten Tat aus. „Das war keine kleine Brandstiftung, da hat jemand einen richtig großen Anschlag versucht“, sagte ein Ermittler. Die Brandsätze bestanden nach Informationen der Berliner Zeitung aus PET-Flaschen, die mit Benzin gefüllt waren. Ähnliche Brandsätze waren im Herbst 2011 an Bahnstrecken in Berlin, darunter am Südkreuz, gefunden worden, was zu Zugausfällen und hohen finanziellen Schäden für die Bahn geführt hatte. Die Polizei schließt nicht aus, dass es sich damals wie heute um die selben Täter handelt. Linksextremistische Gruppen hatten sich 2011 zu den Taten bekannt.

Bei dem Anschlag am Donnerstag hatten sich der oder die Täter genau überlegt, was sie lahmlegen wollten. Der Antennenmast und das danebenliegende Gebäude in der Nähe der S-Bahngleise ist eine Mobilfunk-Vermittlungsstelle. Sie bündelt alle eingehenden Signale der umliegenden Funkzellen und leitet diese weiter. „Zum Glück ereignete sich die Tat zu einer Zeit, in der nicht viel telefoniert wurde“, sagte Vodafone-Sprecher Volker Petendorf. „Die gesamte Kommunikation wurde über einen anderen Knotenpunkt umgeleitet.“ Auf die Kunden habe der Anschlag keine Auswirkungen gehabt.

Angesichts der Parallelen zu früheren Anschlägen setzte die Polizei ein Großaufgebot ein: Spurensicherung, weitere Experten der Kriminaltechnik sowie die Technische Einsatzeinheit der Bereitschaftspolizei waren am Tatort. Am Mittag landete in dessen Nähe ein Hubschrauber der Bundespolizei. Er brachte Mantrailer-Hunde aus Mecklenburg-Vorpommern.

Diese Tiere haben noch empfindlichere Nasen als gewöhnliche Spürhunde und können auch sehr schwache Geruchsspuren von Verdächtigen verfolgen – selbst wenn diese mit Fahrrad oder Auto flüchten. Stundenlang suchten Hundeführer und Beamte einer Einsatzhundertschaft das Areal ab.

S-Bahn-Verkehr unterbrochen

Für die Suche wurde auch der S-Bahnverkehr der Linien S8, S9, S45, S46 und S85 ab 13.58 Uhr vorübergehend unterbrochen. Erst gegen 15 Uhr fuhren die Züge wieder. Tatsächlich konnte Schäferhundmischling „Ben“ am Nachmittag eine verdächtige Fährte aufnehmen.

Der Mantrailer aus Mecklenburg-Vorpommern führte die Beamten zunächst über die Gelände der angrenzenden Fernsehstudios und dann quer durch den nahe liegenden Uni-Campus. Die Spur zog sich zunächst bis nach Johannisthal. Die Hundeführer folgten ihr bis zum Abend immer weiter. Der Täter muss nach Angaben der Polizei auf einem Fahrrad geflüchtet sein.

Gegen 19 Uhr wurde der S-Bahnverkehr erneut für die Spurensuche unterbrochen, denn eine weitere Spur, die die Hunde aufnahmen, führte entlang der Gleise zum S-Bahnhof Grünau, wo sie sich verlor.

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