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Chemikalienfund in Neukölln: Pyrotechniker löst Großeinsatz aus

Razzia am Morgen. Auf dem Gelände einer Firma in Neukölln lagerten hunderte von Fässern mit Chemikalien und Pyrotechnik. Der Firmeneigner sagte, er habe seid 15 Jahren keine Steuern auf das Geschäft gezahlt.

Razzia am Morgen. Auf dem Gelände einer Firma in Neukölln lagerten hunderte von Fässern mit Chemikalien und Pyrotechnik. Der Firmeneigner sagte, er habe seid 15 Jahren keine Steuern auf das Geschäft gezahlt.

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Thomas Schröder

Berlin -

Eine Steuerprüfung ist am Mittwoch in Neukölln zu einem Großeinsatz von Polizei und Feuerwehr ausgeartet. Die Steuerfahndung hatte die Polizei um Amtshilfe gebeten, in der Neuköllnischen Allee ein Gewerbeobjekt zu durchsuchen. Der 33-Jährige Daniel S. betreibt dort einen Technikhandel für Feuerwerk, Chemie und Sprengungen. Seit 15 Jahren zahlte er keine Steuern, weil er sich als „Reichsbürger“ bezeichnet.

„Reichsbürger“ sind eine Sekte aus Verschwörungstheoretikern, Esoterikern und Nazis. Sie propagieren, die Bundesrepublik sei kein rechtmäßiger Staat, und ignorieren amtliche Bescheide. Dem Finanzamt drohte Daniel S. per Brief, Vollstreckungshandlungen „mit allen verfügbaren“ Mitteln zu verhindern und die Beteiligten „dauerhaft aus dem Verkehr“ zu ziehen. Das Amt zog die Polizei hinzu.

Die stellte fest, dass Daniel S. in einem Kriegsbunker auf dem Gelände große Mengen Pyrotechnik lagert. Davor völlig vermüllten Areal davor fanden die Beamten zahlreiche Fässer mit Chemikalien. Nach Angaben von Ermittlern sind diese geeignet, um damit Sprengsätze zu bauen. Die Polizei rief die Feuerwehr.

„Reichsbürger“ sind der Polizei nicht unbekannt. In den vergangenen Monaten hatten anonyme Personen, die sich so bezeichneten, Drohbriefe unter anderem an die Sehitlik-Moschee in Neukölln und die Türkische Gemeinde versandt.

Gegen die Razzia will Daniel S., der auf dem Grundstück autark lebt und seinen Strom aus einem Generator bezieht, klagen – allerdings vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag, weil die BRD sein Grundstück annektiert habe. Das, so S., sei nämlich exterritorial.