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Clanstrukturen kamen mit Flüchtlingswelle in den Achtzigerjahren

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Viele Flüchtlinge kamen aus der Stadt Mardin in der Türkei.

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imago/ZUMA Press

Das Problem mit den Parallelgesellschaften begann in den 80er-Jahren. Damals wanderten knapp 20.000 „libanesische Kurden“ in die Bundesrepublik ein. Die meisten von ihnen waren sogenannte Mhallamiye-Kurden, eine arabisch sprechende Minderheit, die ursprünglich  aus der Provinz Mardin in Südost-Anatolien stammte.

In den 20er-, 30er- und 40er- Jahren des vorigen Jahrhunderts flohen viele Familien vor der kemalistischen Verfolgung  in den Libanon.  Die meisten  erhielten keine libanesische Staatsangehörigkeit. In den 60er- und 70er- Jahren kamen noch einmal Kurden aus dem Norden Syriens in den Libanon.  All diese Gruppen bekamen  Fremdenpässe, in denen unter Staatsangehörigkeit „ungeklärt“ vermerkt war. Mit ihnen konnte aus-, aber nicht mehr eingereist werden.

Abschiebungen nicht möglich

Diesen Status übernahmen die deutschen Behörden, die die libanesisch-kurdische wie auch die palästinensische  auch heute noch als „ungeklärte Staatsangehörigkeit“ beziehungsweise als „staatenlos“ behandeln. Abschiebungen waren nicht möglich. Denn die noch zur Ausreise benutzten Papiere waren ungültig geworden. Andere hatten ihre Dokumente vernichtet, und die libanesischen Behörden stellten ihnen keine neuen  aus. Und so fanden auch Mhallamiye-Kurden direkt den Weg von Ostanatolien nach Deutschland, die ihre Papiere wegwarfen und sich als Bürgerkriegsflüchtlinge aus dem Libanon ausgaben.

Polizisten fanden an den Flughäfen Frankfurt/Main und zu DDR-Zeiten in Schönefeld in den Papierkörben Zehntausende türkische Pässe, die von den Inhabern weggeworfen wurden.  Weil sie arabisch sprachen, fiel deutschen Behörden der Schwindel nicht auf. Auch damals schon hatte der damalige Bundesgrenzschutz Hinweise darauf, dass die Eingereisten ihre Anweisungen, wie sie sich zu verhalten hatten, von Schleusern bekamen, die von ihnen bezahlt wurden. Im Rahmen der sogenannten Altfallregelungen erhielten einige inzwischen die deutsche Staatsbürgerschaft. Andere leben hier seit vielen Jahren nur mit Duldung und dürfen nur mit Ausnahmeregelungen arbeiten.

„Ihre patriarchalischen Familienstrukturen behielten viele Kurden aus dem Libanon bei“, sagt der Berliner Islamwissenschaftler Ralph Ghadban über Mhallamiye-Kurden. Tief verwurzelt sei ein Stammesdenken, nach dem alles außerhalb der Sippe Feindesland sei. Die Clans lebten häufig in geschlossenen Strukturen. Die deutsche Gesellschaft blieb ihnen fremd. Kriminalität ermögliche es, Reichtümer auch ohne Ausbildung anzusammeln.