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Berliner Zeitung | Drogen im Görlitzer Park: Nach der Razzia ist vor der Razzia
06. November 2013
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Drogen im Görlitzer Park: Nach der Razzia ist vor der Razzia

Polizisten führen am Mittwoch einen mutmaßlichen Raufgifthändler im Görlitzer Park ab.

Polizisten führen am Mittwoch einen mutmaßlichen Raufgifthändler im Görlitzer Park ab.

Foto:

ABIX

Der Görlitzer Park hat zwei Vorteile. Er ist von einer Mauer umgeben, und die Eingänge lassen sich gut von Polizisten abriegeln. Außerdem ist er so schön, dass viele Anwohner ihn gern wieder hätten. Doch sie klagen über Belästigungen durch zahlreiche Drogendealer und trauen sich nicht mehr in den Park.

Am Mittwoch machten Polizisten der 12. Einsatzhundertschaft Jagd auf die Rauschgifthändler. Beamte in Zivil, darunter türkisch- und arabischstämmige Polizisten, observierten die Händler zunächst und bezogen dann unauffällig Posten in der Nähe der Parkeingänge. Um 14.40 Uhr zogen sich die Fahnder Polizei-Westen über und kamen durch die Eingänge. Die meisten Verdächtigen versuchten wegzurennen. Sie wurden vorläufig festgenommen und zum Ausgang Görlitzer Ufer am Landwehrkanal geführt.

Dort hatte die Polizei ihr „Bearbeitungswesen“ eingerichtet, wie sie es nennt. Die Festgenommenen mussten dort anstehen und wurden nacheinander befragt. Die Beamten kontrollierten deren Ausweise, soweit sie welche dabei hatten. Viele der Festgenommenen waren nach Angaben von Beamten afrikanische Flüchtlinge, die offenbar mit Drogengeschäften ihr Einkommen bestreiten. Auch eine Dixi-Toilette hatten die Polizisten aufgestellt. „Damit die Rechte der Leute gewahrt werden können, falls sie mal austreten müssen“, wie ein Fahnder begründete.

Acht sollen zum Haftrichter

Bei einigen der Überprüften wurden Drogen gefunden. Die Verdächtigen bekamen Anzeigen und Platzverweise für 24 Stunden. Die vorläufige Bilanz der Razzia: 45 Personen wurden kontrolliert. Nach Angaben eines leitenden Ermittlers konnten seine Kollegen acht Rauschgifthändler beweissicher ermitteln. Jetzt werde geprüft, ob sie zum Erlass eines Haftbefehls einem Richter vorgeführt werden. Die Polizei sprach von einem "erfolgreichen Einsatz".

Mit Hunden suchten Polizisten die Büsche nach Drogenverstecken ab. Mit ihren Schnuppernasen spürten die Tiere Tüten mit Kokain und Marihuana auf.

Die Befragung der Festgenommenen am Görlitzer Ufer war noch nicht abgeschlossen und Drogenhunde durchschnüffelten noch die Büsche – da waren die ersten Dealer schon wieder da und boten ihre Drogen zum Kauf an.

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