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Geplanter Anschlag in Berlin: Islamisten sprachen am Telefon über Terrorziele in Berlin

Mit mehreren Razzien ist die Polizei am Donnerstag bundesweit gegen islamistische Terroristen vorgegangen. Offenbar planten sie einen Anschlag am Alexanderplatz in Berlin.

Mit mehreren Razzien ist die Polizei am Donnerstag bundesweit gegen islamistische Terroristen vorgegangen. Offenbar planten sie einen Anschlag am Alexanderplatz in Berlin.

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dpa

Islamisten haben offenbar einen Anschlag in Berlin geplant. Mit Razzien der Polizei und Staatsanwaltschaft in drei Bundesländern ist das am Donnerstagmorgen verhindert worden. Bei den Durchsuchungen in Berlin, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen wurden zwei Männer und eine Frau verhaftet. Nach zwei Männern werde noch gefahndet, hieß es.

In abgehörten Telefonaten hatten sie sich über mögliche Anschlagsziele in Berlin unterhalten. So berieten die Männer nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur darüber, ob etwa der Checkpoint Charlie im Stadtzentrum ein lohnenswertes Angriffsziel sein könnte.

Sicherheitskreise: Anschlagsplanungen waren im Frühstadium

Der in Berlin festgenommene 49-jährige Algerier habe außerdem in zwei Backshops gearbeitet - einer lag demnach nahe des früheren deutsch-deutschen Grenzübergangs Checkpoint Charlie, der zweite im S-Bahnhof Alexanderplatz.

Aus Sicherheitskreisen kam die Information, ein mögliches Ziel des Anschlags sei offenbar der Alexanderplatz gewesen. Die Polizei wollte diese Information nicht bestätigen. Ausgekundschaftet worden seien konkrete Anschlagsziele noch nicht, hieß es. Demnach wurden die Anschlagspläne bereits im Frühstadium durchkreuzt.

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Am Donnerstagmorgen durchsuchten mehrere Hundert Polizisten in Berlin insgesamt vier Wohnungen. Die Ermittlungen richteten sich gegen vier Personen aus der Dschihadisten-Szene - wegen des Verdachts der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat.

„Den Ermittlungen liegt der Vorwurf zugrunde, dass die vier Männer möglicherweise an der Planung von Gewalttaten in Deutschland beteiligt sind und Kontakte zur Terrorgruppierung 'IS' haben“, hieß es bei der Berliner Polizei. Bei den Wohnungsdurchsuchungen wurden Computer, Mobiltelefone und Aufzeichnungen sichergestellt.

Festnahme in Kreuzberg

Einer der Männer wurde in einem mehrgeschossigen Wohnhaus in der Waldemarstraße in Kreuzberg festgenommen. Dem 49-Jährigen wird zweifache Urkundenfälschung vorgeworfen. Der gebürtige Algerier soll mit französischem Pass unterwegs gewesen sein.

Ein weiterer Verdächtiger, der in die Anschlagspläne verwickelt sein soll, ein 35-jähriger Algerier, wurde am Donnerstag im nordrhein-westfälischen Attendorn festgenommen. Deutschlandweit waren nach Polizeiangaben 450 Beamten im Einsatz. Das Berliner Landeskriminalamt leitete die Aktion der zeitgleichen Durchsuchungen.

Bei den Ermittlungen hatte sich nach dpa-Informationen ein Bezug der Verdächtigen ins Bürgerkriegsland Syrien ergeben. Ob die Männer Kampferfahrungen haben, war unklar. Der festgenommene Algerier hielt sich demnach in einem Erstaufnahmeauflager für Flüchtlinge in Attendorn im Kreis Olpe auf.

Er wird wegen Zugehörigkeit zur Dschihadisten-Miliz „Islamischer Staat“ (IS) auch von den algerischen Behörden gesucht und soll in Syrien militärisch ausgebildet worden sein. Der IS hatte bereits vor Wochen Anschläge in europäischen Hauptstädten angekündigt.

Seit Wochen im Visier der Ermittler

Gegen die Männer wird bereits seit mehreren Wochen ermittelt. Die Erkenntnisse hätten sich um den Jahreswechsel herum verdichtet. Demnach wollte die Gruppe in Berlin zusammenkommen, um Attentate vorzubereiten. Wie weit die Pläne bereits fortgeschritten waren, war zunächst offen.

Nach den Informationen erhielt die Polizei den ersten Hinweis auf den Hauptverdächtigen in NRW vom Bundesamt für Verfassungsschutz. Bei den weiteren Ermittlungen seien Kontakte des Mannes zu Islamisten in Berlin und Hannover festgestellt worden. Dort wurde am Donnerstagmorgen ein Flüchtlingsheim durchsucht.

Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) erklärte, die Bedrohungslage durch militante Islamisten bleibe hoch. „Wir haben weiterhin allen Grund, wachsam und vorsichtig zu sein.“ Ein konsequentes Vorgehen gegen die Islamistenszene sei geboten - vor allem, wenn es um mögliche IS-Bezüge geht.

Konkrete Hinweise auf geplante Anschläge gegen Großveranstaltungen wie die Berlinale oder Karnevalsumzüge in Deutschland gab es bei den Behörden nicht. „Wir haben derzeit keine Hinweise, dass Anschläge in NRW - auch nicht im Zusammenhang mit Karneval - geplant worden sind“, sagte ein Sprecher des nordrhein-westfälischen Innenministeriums in Düsseldorf. (mit dpa)