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Berliner Zeitung | Grausiger Fund in Neuköllner Babyklappe: Spürhund soll die Mutter des toten Babys finden
04. January 2016
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Grausiger Fund in Neuköllner Babyklappe: Spürhund soll die Mutter des toten Babys finden

Trotz eiskalter Minusgrade suchten Beamte der Mordkommission am Samstag mit einem Mantrailerhund nach einer Fährte, die den Fall um das tote Neugeborene aus dem Krankenhaus Neukölln aufgeklärt.

Trotz eiskalter Minusgrade suchten Beamte der Mordkommission am Samstag mit einem Mantrailerhund nach einer Fährte, die den Fall um das tote Neugeborene aus dem Krankenhaus Neukölln aufgeklärt.

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ABIX

Die Berliner Polizei setzt am Montag ihre Suche mit einem Personenspürhund fort. Wie berichtet, hatte jemand am Silvestertag, gegen 1.55 Uhr ein totes Baby im Krankenhaus Neukölln abgelegt. Eine Krankenschwester entdeckte das nicht fachgerecht abgenabelte und unbekleidete Mädchen in der Babyklappe, die sich an einem ruhigen Nebeneingang am Juchaczweg befindet. Ein Arzt versuchte vergeblich, das Kind wiederzubeleben.

Die Ermittlungen der 8. Mordkommission konzentrieren sich nach Angaben der Polizei auf ein verdächtiges Auto, das Zeugen zu diesem Zeitpunkt in der Nähe des Ablageortes beobachtet hatten. Inzwischen ergab die Obduktion, dass das 56 Zentimeter große Mädchen voll entwickelt und lebensfähig war. Es wog etwa 3.400 Gramm. "Die Untersuchungen zur Todesursache sind noch nicht abgeschlossen", sagte eine Polizeisprecherin am Montag.

Spur führte zur Autobahn

Bereits am Sonnabend verfolgten die Ermittler mit einem sogenannten Mantrailer-Hund eine Spur, um die Mutter oder die Person zu finden, die das Kind in die Babyklappe gelegt hat. Der Hund folgte einer Spur zur Autobahn A 113. Gegen 16 Uhr erreichten die vierbeinige Spürnase schließlich die Abfahrt Kaiserdamm an der A 100. Immer wieder musste die Autobahnpolizei dafür die Fahrbahnen der A 113 und A 100 sperren.

Die Polizei schließt nicht aus, dass die Mutter aus Brandenburg stammt. Die 8. Mordkommission des Landeskriminalamtes bittet deshalb nicht nur Berliner sondern auch Brandenburger um Mithilfe und fragt: Wer hat in der Nacht vom 30. zum 31. Dezember im Bereich des Krankenhauses Neukölln Verdächtiges beobachtet? Wer kennt eine Frau, die schwanger war und nun kein Baby hat? Welche Frau war ab dem 30. Dezember wegen möglicher Beschwerden, die auf eine nicht fachgerechte Geburt hindeuten, in ärztlicher Behandlung?

Hinweise an die Telefonnummer 030/4664-911 888 oder an jede andere Polizeidienststelle.

Hilfe für verzweifelte Mütter

Verzweifelten Müttern ungewollter Babys kann durchaus geholfen werden. Nach Angaben der Senatsverwaltung für Gesundheit gibt es an fünf Standorten in Berlin Babyklappen. Dort können Mütter nach der Geburt ihr Baby anonym abgeben. Dieses Angebot soll die Mütter vor Verzweiflungstaten schützen und ist für den extremen Notfall gedacht. Zum Schutz von Mutter und Kind gibt es auch die Möglichkeit einer medizinisch betreuten anonymen Geburt.

Babyklappen gibt es im Krankenhaus Neukölln und auch im Waldkrankenhaus Spandau, an der Stadtrandstraße 555. Auch das Tempelhofer St. Joseph Krankenhaus an der Gontermannstraße 41 verfügt laut Senatsverwaltung über eine solche Klappe, ebenso wie das Vivantes Klinikum Hellersdorf, Münsterberger Weg (Haus 9) und das Krankenhaus Waldfriede, in Zehlendorf, Argentinische Allee 40.

In Berlin bieten Krankenhäuser zudem die Möglichkeit, im Notfall anonym zu entbinden. Unter der Telefonnummer 0800-456 07 89 erfahren Mütter jederzeit kostenlos, in welchem Krankenhaus in der Nähe eine anonyme Entbindung möglich ist. Bei einer anonymen Geburt werden die Daten der Mutter nirgendwo erfasst.