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Illegales Rennen auf der Tauentzienstraße: Todesfahrt war nicht das erste Rennen in der Nacht

Ein Mitarbeiter der BSR säubert die Tauentzienstraße in Berlin nach dem illegalen Autorennen.

Ein Mitarbeiter der BSR säubert die Tauentzienstraße in Berlin nach dem illegalen Autorennen.

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dpa

Rund drei Dutzend Fahrradaktivisten haben sich am Dienstagabend auf die Kreuzung Tauentzienstraße/Nürnberger Straße gesetzt und sie zehn Minuten lang blockiert – an der Stelle, an der Sonntagnacht ein Mann bei einem Unfall von Autorasern zu Tode gefahren wurde. Mit ihrer Aktion haben sie gegen die Verkehrspolitik und eine „zu milde Rechtsprechung nach Verkehrsdelikten“ protestiert.

Heinrich Strößenreuther, Sprecher des Volksentscheids Fahrrad, erinnerte daran, dass der Staat die Schwächeren beschützen müsse – und dies seien zumeist Radfahrer oder Fußgänger. Das Unglück wertet er als „tragischen Totschlag und nicht etwa nur als einen Unfall mit Todesfolge“.

Einen Tag nach dem Rennen sind die genauen Umstände des Unfalls noch immer unklar. Die beiden Autofahrer, der 24-jährige Marvin N. und der zwei Jahre ältere Hamdi H., sind am Dienstag noch nicht vernommen worden, heißt es bei der Polizei. Einer der Täter konnte das Krankenhaus bereits am Dienstag verlassen. Der andere liegt noch im DRK-Klinikum Westend und wird von Polizisten bewacht. Es bestehe Fluchtgefahr, so ein Beamter.

Fahrstrecke durch Berlin

Die Polizei ist derzeit dabei, die vielen Zeugenaussagen zu sammeln und auszuwerten. Demnach waren die beiden Täter schon Stunden zuvor in Berlin um die Wette gefahren. Die genauen Fahrstrecken seien noch nicht bekannt, sagen Ermittler. So sollen die beiden Fahrer der hellfarbenen Autos in Steglitz, in Tempelhof sowie in Wilmersdorf gesehen worden sein. Sie sollen am Abend mit großer Geschwindigkeit auch über die Rheinstraße und den Breslauer Platz in Friedenau gerast sein.

Wie berichtet, hatten sich der Fahrer des Mercedes und des Audi in der Nacht zum Montag auf der Tauentzienstraße ein illegales Rennen geliefert. Die Polizei nennt so etwas „Profilierungsfahrten“. Dabei sollen sie Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 200 km/h erreicht und mehrere rote Ampeln missachtet haben. Als ein 68-jähriger in seinem Jeep bei Grün auf die Tauentzienstraße einbog, prallte der Audi, der von Marvin N. gesteuert wurde, mit voller Wucht gegen die Fahrerseite des Jeeps.

Dessen Fahrer Michael M. starb noch am Unfallort. Hamdi H. wich aus, prallte mit dem Mercedes gegen einen Bordstein und die Steinumrandung der Mittelinsel und blieb anschließend auf dem Mittelstreifen liegen. Die Polizei hat gegen Hamdi H., der unter anderem wegen Diebstahls registriert ist und Marvin N. Verfahren wegen fahrlässiger Tötung und schweren Eingriffs in den Straßenverkehr eingeleitet.

Die Tat hat bundesweit Bestürzung ausgelöst. Der verkehrspolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Ulrich Lange, forderte eine bessere Verkehrserziehung in den Schulen und konsequente Ahndung von Raserei. Innensenator Frank Henkel (CDU) erklärte: „Hier musste ein Mensch sterben, weil ein paar Idioten ihr Testosteron nicht im Griff haben.“

Henkel will illegale Autorennen nicht mit mehr Blitzgeräten und Radarfallen bekämpfen, sondern mit schärferen Strafen und PS-Obergrenzen für Führerscheinneulinge. Einer der Täter habe seinen Führerschein erst seit 2014.