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Internes Warnschreiben an Polizisten: Bundespolizei warnt vor Dschihadisten mit gefälschten syrischen Pässen

Kämpfer der Terrororganisation Islamischer Staat in einem Militärflugzeug (Archivbild).

Kämpfer der Terrororganisation Islamischer Staat in einem Militärflugzeug (Archivbild).

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Raqqa Media Center

Die deutschen Sicherheitsbehörden befürchten, dass islamische Terroristen in großer Zahl mit gefälschten Pässen nach Europa reisen. Insgesamt 3800 Blankopässe haben Mitglieder der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) und dessen Ableger Jabhat al Nusra im Frühjahr in syrischen Städten gestohlen. In einem Warnhinweis, der der Berliner Zeitung vorliegt, informiert das Bundespolizeipräsidium in Potsdam seine Dienststellen über die Gefahr und gibt den Polizisten entsprechende Anweisungen. Demnach wurden im nordsyrischen Rakka 1452 Reisepässe aus der dortigen Passbehörde entwendet.

Pässe wurden für 2500 Dollar an Extremisten verkauft

Im ostsyrischen Dairezzor stahlen Islamisten 2348 Blankodokumente. Laut Interpol-Mitteilung an Griechenland „liegen Hinweise vor, dass einige Pässe für 2500 US-Dollar an andere Extremisten verkauft werden, damit diese Auslandsreisen unter der Nutzung einer falschen Identität durchführen können“.

Die Nummern der gestohlenen Pässe sind den Behörden bekannt und zur Fahndung ausgeschrieben. Die Informationen gab Griechenland bereits im Juni in das Schengeninformationssystem (SIS) ein.

Die Bundespolizisten wurden angewiesen, bei Kontrollen einer Person sowohl Namen als auch Pass im SIS abzufragen. Bei Antreffen einer Person mit in Syrien gestohlenem Pass sei umgehend der Staatsschutz einzubinden. Person und Gepäck sei intensiv zu durchsuchen. „Eigensicherung beachten!“, heißt es im Warnvermerk an die Polizisten; die Behörde hält Inhaber dieser Dokumente für hochgefährlich.

Innenministerium hat keine Erkenntnisse zur Infiltration

Wegen der Visum-Pflicht reicht ein syrischer Pass allein nicht für die Einreise nach Deutschland. Während Pässe an Flughäfen mit Lesegeräten gescannt werden, was ein Durchkommen erschwert, besteht laut Ermittlern die Gefahr, dass Inhaber solcher Dokumente auf dem Landweg über die Grenze kommen und bei gewöhnlichen Polizeikontrollen nicht auffallen.

Der Islamische Staat hatte im Internet erklärt, seine Kämpfer schleusten sich als Flüchtlinge getarnt in Europa ein. Unter den vielen Flüchtlingen könnten Personen aus dem Bereich der Allgemeinkriminalität oder Mitglieder militanter Gruppen oder Einzelpersonen extremistischer Gesinnung sein, sagte eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums am Mittwoch.

Bislang hat das Ministerium keine belastbaren Erkenntnisse, dass Einzelkämpfer oder dschihadistische Gruppen die Flüchtlingsströme zur zielgerichteten Infiltration genutzt haben. Es müsse jedoch angesichts des immensen Zustroms und der unvollständigen Erkenntnisse und Hintergründe zu irregulär einreisenden Personen berücksichtigt werden, dass das Lage- und Erkenntnisbild unvollständig sei und Lücken aufweise, sagte die Sprecherin.

Bodo Pfalzgraf vom Bundesvorstand der Deutschen Polizeigewerkschaft äußerte sich beunruhigt. Mit echten Pässen reisende Terroristen seien quasi unsichtbar, sagte er der Berliner Zeitung. Er fordert unter anderem rasche Weiterbildung der Mitarbeiter in Dokumentenerkennung.

Nach diesen Passnummern fahnden die Behörden:

1452 Blankopässe wurden aus der Passbehörde in Rakka entwendet.

Sie haben folgende Seriennummern: 007773549 bis 007775000

Aus Dairezzor verschwanden 348 Pässe mit den Nummern 006875653 bis 006876000

Sowie insgesamt eintausend Reisepässe mit den Nummern 006910001 bis 006911000

Und weitere eintausend Pässe mit den Nummern 006951001 bis 006952000

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