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Islamisten in Berlin: Betrüger in Berlin finanzieren Terror der IS

Echt oder unecht? Mit einem Prüfgerät kann man das herausfinden.

Echt oder unecht? Mit einem Prüfgerät kann man das herausfinden.

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Getty Images

Das Geld für islamistische Terrororganisationen wie der Islamische Staat kommt auch aus Berlin. Davon sind Fahnder des Landeskriminalamtes überzeugt. Sie haben Hinweise darauf, dass Sympathisanten dieser Organisationen in der Stadt betrügerisch Konten eröffnet haben. Der Staatsschutz ermittelt bereits in acht Fällen. Das bestätigte Polizeisprecher Thomas Neuendorf der Berliner Zeitung. „Diese betrügerischen Kontoeröffnungen können Personen aus dem islamistischen Spektrum zugeordnet werden“, sagte er auf Anfrage.

Verschiedene Methoden

Die Konten seien unter Verwendung falscher ausländischer Personaldokumente eröffnet worden, so Neuendorf. Die Täter wandten zwei verschiedene Betrugsmaschen an: „So bestand in einigen Fällen von vornherein die Absicht, das Konto zu überziehen“, sagt Neuendorf. Die Täter hätten zunächst mehrfach auf das Konto eingezahlt. Mit dem Dispokredit, der bei regelmäßigen Zahlungseingängen eingeräumt wird, seien sie dann verschwunden.

Masche Zwei: „Die Täter begingen Überweisungsbetrug“, so Neuendorf. Wie der erste Trick ist auch dieser einer, der häufig von Kleinkriminellen begangen wird: Die Islamisten besorgen sich die Kontonummern von Bankkunden, tragen diese in Überweisungsformulare ein, auf die sie eine falsche Unterschrift setzen und die sie dann in den Bankbriefkasten werfen. Das so überwiesene Geld heben sie später ab, um den Verwendungszweck zu verschleiern.

„Es gibt Hinweise, dass es entsprechende Bargeldtransfers in die Türkei gab“, sagte Neuendorf. Diese erfolgten zum Beispiel über Transferunternehmen wie Western Union oder Money Gram. Von der Türkei aus wird das Geld weiter überwiesen.

Die Dunkelziffer der nicht erkannten Fälle von Terrorismus-Finanzierung dürfte um ein Vielfaches höher liegen, vermutet Michael Böhl, Landesvorsitzender des Bundes deutscher Kriminalbeamter. Er sieht eine wachsende Gefahr, dass sich islamistische Terroristen durch Kriminalität in Deutschland finanzieren.

Perfekt gefälschte Pässe aus Osteuropa

„Die Finanziers dieser Organisationen weichen in die kleine und mittlere Kriminalität aus, weil sie damit weniger auffallen“, sagt Böhl. „Hinzu kommt, dass wir nicht das Personal haben, um diese Täter verfolgen zu können. Wenn hundert Kriminelle pro Monat auf diese Weise je 2000 Euro ergaunern, kommt für die Terroristen ganz schön was zusammen.“

Vor allem die Bezirksämter machen es den Tätern leicht. Denn für Kriminelle ist es ein Leichtes, mit einem gefälschten Personaldokument seinen angeblichen Wohnsitz anzumelden und sich im amtlichen Melderegister eintragen zu lassen. Dies ist eine Voraussetzung, um zum Beispiel ein Konto zu eröffnen.

Kriminelle zahlen auf dem Schwarzmarkt bis zu 4000 Euro für ein gutes Dokument. Kriminaltechniker wissen, dass es einige Fälscher in Osteuropa zu höchster Perfektion gebracht haben. Doch ohnehin werden die Ausweise in den Bezirksämtern nur mangelhaft überprüft. „Es ist skandalös, wie dort seit Jahren die Überprüfung vernachlässigt wird“, sagt Michael Böhl. Nicht nur Finanziers des internationalen Terrorismus haben so leichtes Spiel, sondern auch gewöhnliche Kriminelle, die sich mit ge- oder verfälschten Pässen eine falsche Identität verschaffen.

Aufgemalten Schnurrbart nicht bemerkt

Beispielsweise konnte sich laut Böhl ein mit zwei internationalen Haftbefehlen gesuchter Mann erfolgreich mit einem gefälschten Ausweis anmelden. In einem anderen Fall war die Schreibweise eines Geburtsortes falsch (Helsenki). Aufgefallen ist das zunächst nicht.

In einem dritten Fall war auf dem Passbild mit Filzstift ein Schnurrbart nachträglich aufgemalt worden. Auch das wurde übersehen. Mit gefälschten Dokumenten und einem Konto lässt es sich leicht betrügen. Die verschiedenen Methoden haben in den vergangenen Jahren rasant zugenommen. Insgesamt 27.485 Fälle von Waren- und Warenkreditbetrugs registrierte die Polizei 2013. Das sind 2200 Fälle mehr als im Jahr zuvor.

Der Schaden lag bei mehr als 19 Millionen Euro – drei Millionen höher als im Vorjahr. Registriert wurden zudem 4565 Fälle von Kontoeröffnungsbetrug – ein Anstieg von mehr als 500 Fällen. Die Polizei registriert bei diesen Delikten einen hohen Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger, nämlich 73,6 Prozent.

Daten werden ausgelesen

Mehr Sicherheit könnte ein Gerät schaffen, das die Bundesdruckerei seit mehreren Jahren für 200 Euro pro Monat ausleiht oder für 2000 Euro verkauft. Mit dem Gerät kann schnell die Echtheit von Pässen und Ausweisen geprüft werden. Es liest unter anderem die Sicherheitsmerkmale wie Hologramme und Kinegramme aus. Solche Geräte setzt die Bundespolizei an den Flughäfen ein. Doch den Bezirksämtern sei das zu teuer, beklagen Mitarbeiter von Meldeämtern. Lediglich Neukölln erprobt diese Geräte – mit guten Ergebnissen, wie es aus dem Rathaus heißt.

Die Senatsinnenverwaltung ist wegen der mangelhaften Bereitschaft der Bezirke erbost. „Bereits im Oktober 2013 habe ich die Überprüfung von Passdokumenten mit Hilfe aktueller Technik durch die Mitarbeiter in den Bürgerämtern angemahnt“, sagt Innenstaatssekretär Bernd Krömer der Berliner Zeitung. Allerdings könne man die Bezirke nicht zur Nutzung verpflichten, weil die Verwaltung dezentralisiert und die Bezirke ihre Aufgaben eigenverantwortlich wahrnähmen.

Laut Krömer hat das Land Berlin ein großes Interesse, dass gefälschte Pässe erkannt werden. Durch die Aufdeckung könne beispielsweise auch eine hohe Summe an nicht berechtigten Transferleistungen gespart werden. Auch die Gewerkschaft der Polizei fordert die Anschaffung der Geräte. „Den relativ niedrigen Anschaffungskosten stehen hohe gesamtwirtschaftliche Schäden und Kriminalitätszuwachs gegenüber“, sagt die Berliner Landesvorsitzende Kerstin Philipp.