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JVA Plötzensee: Mit Buttermesser auf Justizbeamtin eingestochen

Die Justizvollzugsanstalt in Berlin-Plötzensee.

Die Justizvollzugsanstalt in Berlin-Plötzensee.

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dpa

Auf der Anklagebank sitzt an diesem Mittwoch ein bulliger Typ, seine Haare sind  kurz geschoren, den Hinterkopf ziert ein kurzer Zopf.  Marco P. ist aus dem Maßregelvollzug, einer Klinik für psychisch kranke Straftäter, vorgeführt worden. Dorthin ist er nach einer Messerattacke auf eine Justizbedienstete eingewiesen worden.

Marco P. wird versuchter Mord vorgeworfen. Am 14. August 2015 soll der 42-Jährige in der Haftanstalt  Plötzensee während eines Hofgangs eine 49-jährige Wärterin unvermittelt niedergeschlagen und dann mit einem Buttermesser auf das Gesicht und den Rücken der Frau eingestochen haben. Die Frau überlebte die Attacke  schwer verletzt. Drei Mitgefangene konnten den Angreifer überwältigen.  P. soll zum Tatzeitpunkt schuldunfähig gewesen sein. Die Staatsanwaltschaft strebt die Unterbringung in der Psychiatrie an.

Eklatantes Versagen der Behörden

Eigentlich sollte an Mittwoch   die Anklage verlesen werden. Doch dazu kam es nicht. Eine Ersatzschöffin musste eine nichterschienene Laienrichterin ersetzen. Nun prüfen die beiden Anwälte des Angeklagten, ob die Gerichtsbesetzung in Ordnung ist. Der Prozess ist dafür bis 2. März unterbrochen.  Jörg Geimecke, einer der Anwälte, kündigte an, dass sich sein Mandant dann zu der Tat einlassen werde.

Laut Geimecke ist die Tat durch ein eklatantes Versagen der Vollstreckungsbehörde erst möglich geworden. Die Anstaltsleitung habe gewusst, dass mit Marco P. etwas nicht stimme. Mitgefangenen und die Gefangenenvertreten  hätten auf den Mann aufmerksam gemacht. P. habe keinerlei Erinnerung an die Tat.  Nach Angaben der Justizverwaltung wurden im vorigen Jahr 24 Justizbedienstete in Berliner Gefängnissen angegriffen und verletzt.  Das waren sieben Vorfälle mehr als noch im Jahr zuvor.

Marco P. saß offenbar wegen kleinerer Delikte in Haft. Er musste sich jedoch schon einmal wegen eines Kapitaldelikts vor Gericht verantworten. 2002 hatte er in Reinickendorf einen ihm völlig fremden Mann mit Messerstichen getötet. Im Prozess gab er damals an, sich an nichts erinnern zu können. Er habe sich am Tatabend bewusst betrunken, um seinen Frust über sein eigenes Leben zu vergessen. Wegen Tötung im Vollrausch wurde er damals zu drei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt.