blz_logo12,9

Müggelsee: „Reichsbürger“ quält seinen Hund

Die Polizei wurde zum Müggelsee gerufen. Ein Mann quälte dort seinen Hund.

Die Polizei wurde zum Müggelsee gerufen. Ein Mann quälte dort seinen Hund.

Foto:

BLZ

Berlin -

Immer öfter bekommen die Behörden Probleme mit den sogenannten Reichsbürgern. Die Gruppierung aus Verschwörungstheoretikern und Nazis erkennt die Behörden nicht an, weil sie die Bundesrepublik für ein illegales Konstrukt hält. Die Behörden halten einige von ihnen für verrückt und gefährlich. Gegen einen 39-jährigen Angehörigen dieser Szene ermittelt seit Mittwochabend die Polizei, unter anderem wegen Volksverhetzung, Beleidigung und Tierquälerei.

Nach Informationen der Berliner Zeitung hatten besorgte Restaurantgäste die Polizei gegen 18.30 Uhr zu einem Lokal am Müggelseedamm in Rahnsdorf gerufen. Der 39-jährige polizeibekannte Andreas L. schlug seinen Hund, einen Husky, und tauchte ihn immer wieder mit dem Kopf ins Wasser des Müggelsees.

Als besorgte Passanten den Mann aus Schöneiche ansprachen, beleidigte er diese wüst, drohte ihnen Schläge und sexuelle Gewalt an. Außerdem bezeichnete er Auschwitz als Lüge.

Auch die eintreffenden Beamten des Abschnitts 66 konnten den Mann zunächst kaum bändigen. Immer wieder beschimpfte er die Gäste und den Besitzer des Lokals. Die Berliner Polizei bezeichnete er als „GmbH“.

"Ich bin auch Bulle"

Weil der Mann seinen Hund immer weiter misshandelte, forderten die Polizisten die Tierrettung des Bezirksamtes Lichtenberg an. Als die Beamten auf die Tierfänger warteten, zeigte der Mann ihnen einen Pullover mit der Aufschrift „DPHW Deutsche Polizei“. Die Abkürzung steht für Deutsches Polizeihilfswerk. „Ich bin auch Bulle“, sagte er den Beamten. Er bezeichnete sich selbst als "ostdeutscher Leiter“ der fiktiven Gruppierung DPHW. Sie steht der rechtsradikalen Reichsbürgerbewegung nahe. Die Organisation wird vom Verfassungsschutz Brandenburg beobachtet. Und auch in Berlin beobachten Verfassungsschützer inzwischen das Treiben solcher Gruppen.

Uniformierte Mitglieder des DPHW hatten im November vergangenen Jahres in Sachsen einen Gerichtsvollzieher gewaltsam „festgenommen“. An der Aktion waren auch Brandenburger Reichsbürger beteiligt.

Als die Tierretter eintrafen und den Hund begutachteten, schrie der Mann lauthals und betitelte seinen Husky als „Verräter“. Der Hund wurde schwer verletzt in die Tierklinik Düppel gebracht.
Der "Reichsbürger" und selbsternannte Polizist raste mit seinem Jeep davon – ohne Hund aber mit zahlreichen Anzeigen am Hals, zuvor wurden seine Personalien aufgenommen, die Polizei ließ ihn aber ziehen.

Fahndung nach Ausbrecher

Unterdessen fahndet die Polizei weiter nach dem aus der Psychiatrie entflohenen Daniel S. Wie berichtet, ist der 39-Jährige aus der geschlossenen Abteilung des Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik entflohen. Gegen den 39-Jährigen, der in Neukölln massenhaft Sprengstoff und gefährliche Chemikalien gehortet hatte, sollte am Dienstag der Prozess beginnen. Es war ihm gelungen, aus dem verschlossenen Trakt zu gelangen. Wie er die Schlösser öffnen konnte oder ob er zwei Nachschlüsse benutzte, ist nach Aussage einer Sprecherin der Senatsgesundheitsverwaltung angeblich noch immer ungeklärt.

Daniel S., der von sich behauptet, kein Nazi zu sein, hatte sein Chemikalienlager an der Neuköllnischen Allee als exterritoriales Gebiet angesehen. Am Zaun seines Geländes hatte er Schilder "Republik Freies Deutschland Hoheitsgebiet" angebracht. Deutschlandweit soll es mehrere hundert Gesinnungsgenossen von Daniel S. geben, die eine „Republik Freies Deutschland“ ausgerufen haben. Die Polizeirazzia im Januar bei ihm bezeichnete er als völkerrechtswidrig.

Folgen Sie unserem Kriminalreporter Andreas Kopietz auf Twitter.