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Berliner Zeitung | Prügelei in der Rathenau-Schule: 14-Jähriger auf Schulhof niedergestochen
18. October 2013
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Prügelei in der Rathenau-Schule: 14-Jähriger auf Schulhof niedergestochen

Polizisten untersuchen den Tatort der Messerstecherei.

Polizisten untersuchen den Tatort der Messerstecherei.

Foto:

ABIX

Berlin -

Bei einer Prügelei auf einem Schulhof ist ein 14-Jähriger durch einen Messerstich verletzt worden. Der Gewaltvorfall ereignete sich am Freitagvormittag am Walther-Rathenau-Gymnasium an der Herbertstraße im gutbürgerlichen Stadtteil Grunewald.

Ein 14- und ein 15-Jähriger hatten sich am Ende er ersten großen Pause auf dem Schulhof geprügelt. Dabei zog der 15-Jährige ein Messer und stach zu. Der Jüngere erlitt nach Angaben der Feuerwehr einen Stich in den Oberbauch. Ein Rettungswagen brachte den Schüler unter Begleitung eines Notarztes ins Virchow-Klinikum in Wedding. Lebensgefahr soll dem Vernehmen nach nicht bestehen. Der Angreifer erlitt eine Platzwunde am Kopf. Er wurde ins Martin-Luther-Krankenhaus gebracht.

Schulleiterin versucht Eltern zu beruhigen

Die Polizei konnte zum Hintergrund des brutalen Streits zwischen den beiden Neuntklässlern keine Angaben machen. Die Schule informierte die Polizei und den Notarzt. „Wir sind bestürzt und verstört“, sagte Schulleiterin Solveig Knobelsdorf. In einem Brief an die Eltern versucht sie zu beruhigen: In der kommenden Woche werde man den Vorfall auswerten. „Innerhalb der Schule werden wir Maßnahmen festlegen.“ Und sie schreibt: „Ich bitte Sie darum, auch auf Ihre Kinder einzuwirken Vermutungen zu unterlassen, damit keine Gerüchte entstehen.“ Die gibt es schon. Bei dem Streit soll es um ein Mädchen gegangen sein, was einer der beiden Beteiligten bestreitet.

Ein Mädchen, das nach der Tat einen Schock erlitten hatte, kam ebenfalls ins Krankenhaus. Ob es sich um das Mädchen handelte, deretwegen die beiden Jungs so in Rage geraten waren, blieb unklar. Nach dem Vorfall kamen besorgte Eltern, um ihre Kinder abzuholen. Die Gegend rund um das Gymnasium ist von Stadtvillen geprägt, die meisten Gymnasiasten kommen aus gut situierten Familien.

Der 15-jährige Messerstecher gab in einer ersten Vernehmung an, die Tatwaffe in einem Gebüsch gefunden zu haben. Die beiden Neuntklässler waren an dem Gymnasium als Problemfälle bekannt. Zumindest wegen eines Schülers gab es bereits sogenannte Schulhilfekonferenzen.

An der Schule fanden Anti-Gewalt-Trainings statt, es gibt Schüler, die als Streitschlichter und Konfliktlotsen wirkten. Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) empfiehlt allen Schulen, die Einrichtung von Krisenteams und Konfliktlotsen. Das sind Schüler, die in Streitfällen vermitteln und deeskalieren sollen: „Krisenteams und Konfliktlotsen können in angespannten Situationen, die zu eskalieren drohen, schnell reagieren und zur Entschärfung beitragen“, sagte Scheeres.

Immer wieder wird das Messer eingesetzt

An Berliner Schulen gibt es immer wieder Gewaltvorfälle, bei denen Messer eingesetzt werden. Im September 2012 wurde ein 15-Jähriger an einer Sekundarschule in Hohenschönhausen mit einem Messer schwer verletzt. Die Täter waren in diesem Fall aber schulfremde Jugendliche. Im Februar dieses Jahres wurde ein 15-Jähriger auf einem Schulhof in Kreuzberg beraubt und mit einem Messer am Oberschenkel verletzt.

Für das Schuljahr 2011/12 listet der Gewaltpräventionsbericht der Bildungsverwaltung 1 836 Gewaltvorfälle auf. Das ist gegenüber dem Vorjahr ein Anstieg um 25 Prozent.

Ein Viertel aller Gewaltmeldungen beinhaltet Übergriffe auf Lehrer. Das sind meist Bedrohungen, in gut jedem zehnten Fall kam es aber auch zu schwerer körperlicher Gewalt. Gleichzeitig ging die Anzahl der gemeldeten Fälle von schwerer körperlicher Gewalt – also Taten mit Waffen – um elf Prozent zurück. An Sekundarschulen gibt es pro Jahr statistisch vier Gewaltmeldungen pro Schule, an Förderzentren sind es drei und an Grundschulen zwei pro Schule. An Gymnasien gibt es die wenigsten Vorfälle.

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