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Rassistische Gewalt in Berlin: SEK nimmt mutmaßliche U-Bahnschläger fest

SEK-Polizisten in Berlin (Archivbild).

SEK-Polizisten in Berlin (Archivbild).

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AFP

Mit äußerster Brutalität hatte die Gruppe meist libanesisch stämmiger Täter zwei mongolisch Männer mongolischer Herkunft attackiert. Das Motiv: Rassismus und Fremdenfeindlichkeit.

Am 9. Mai, gegen 2 Uhr, waren die beiden 24- und 25-jährigen Opfer bereits in der Station Alexanderplatz in der U-Bahnlinie 2 von einer neunköpfigen Gruppe angepöbelt und rassistisch beschimpft worden. Fünf aus der Gruppe taten sich dabei besonders hervor. Nach Informationen der Berliner Zeitung beleidigten sie die Opfer als „Scheiß Chinesen“. Inzwischen übernahm der für die Verfolgung politisch und rassistisch motivierter Straftaten zuständige Polizeiliche Staatsschutz die Ermittlungen.

Während der Fahrt in der U?2 bedrängten die Täter die Opfer, schubsten und beleidigten sie. Am U-Bahnhof Klosterstraße drängte die Personengruppe den 24- und den 25-Jährigen aus der U-Bahn und schlug und trat auf beide ein.

Täter sind der Polizei bereits wegen anderer Delikte bekannt

„Schließlich stach einer der Täter dem durch die Angriffe bereits erheblich geschwächten 25-Jährigen mit einem Messer in den Bauch“, sagte ein Polizeisprecher. Ein weiterer Täter stieß den lebensgefährlich Verletzten ins Gleisbett. Dessen Freund sprang hinterher und bewarf die Angreifer mit Schottersteinen, die daraufhin flüchteten. Er zog seinen Freund zurück auf den Bahnsteig. Die Ärzte im Krankenhaus konnten sein Leben nur durch zwei Not-Operationen retten.

Die Polizei wertete die qualitativ sehr hochwertigen Videoaufzeichnungen aus der U-Bahn aus. Die Beamten der „Operativen Gruppe Jugendgewalt“ der für Mitte zuständigen Polizeidirektion 3 und der für den Südwesten zuständigen Direktion 4 konnten die Täter identifizieren. Sie sind den Ermittlern bereits wegen anderer Straftaten bekannt. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft erließ ein Richter Haftbefehle wegen gefährlicher Körperverletzung gegen vier Verdächtige.

Zwei Haftbefehle wurden am Donnerstag vollstreckt: in Schöneberg gegen einen 18-jährigen Georgier und in Tempelhof gegen einen 19-Jährigen Deutschen libanesischer Herkunft. Zwei weitere libanesischstämmige Männer im Alter von 18 und 20 Jahren wurden bei der Razzia nicht angetroffen. Nach ihnen wird gefahndet. Die Polizei prüft, ob sie einen richterlichen Beschluss erwirken kann, um Namen und Fotos der Verdächtigen veröffentlichen zu können. Der fremdenfeindlichen Gewalttat beschuldigt ist auch ein 14-jähriger Kosovo-Albaner, der jedoch nicht per Haftbefehl gesucht wird.

„Wer andere niedersticht und ins Gleisbett prügelt, kann nicht mit Nachsicht rechnen“, erklärte Innensenator Frank Henkel (CDU). „Bei dieser Tat erschüttert die brutale Vorgehensweise, aber auch der mögliche rassistische Hintergrund.“ Solche Verbrechen müssten hart bestraft werden, so der Senator. Unklar blieb, warum den Tätern angesichts der Messerstiche und des Stoßes ins Gleisbett nur gefährliche Körperverletzung und nicht ein versuchtes Tötungsdelikt vorgeworfen wird.

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