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S-Bahn-Anschlag: „Berlin verkommt zum Übungsplatz für den G20-Gipfel“

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Brandanschläge legen in Berlin und anderen Bundesländern den Zugverkehr lahm. Das BKA ermittelt.

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dpa

Die Stelle, an der die Täter die schwere Betonabdeckung der Kabelschächte entfernten und die Starkstromkabel für die Signaltechnik in Brand setzten, sie war gut gewählt. Sie liegt an einer der zentralen Adern der Berliner S-Bahn und nur drei Meter vom Bahnsteig 3 des Bahnhofs Treptower Park entfernt – versteckt hinter einer riesigen Werbewand. Um 3.20 Uhr brannten die Kabel.

Das Feuer sorgte dafür, dass die Signale auf Rot sprangen. Das bedeutete Chaos im morgendlichen Berufsverkehr. Der Verkehr auf fünf Linien war betroffen.

„Der Anschlag war ein ungeheuerlicher Angriff auf die S-Bahn und deren Fahrgäste“, sagt Jens Wieseke, der Sprecher des Berliner Fahrgastverbandes (IGEB). Er habe zudem die Falschen getroffen und mit Politik nichts zu tun. Wieseke nennt die Täter „wirre Dummköpfe, die vor einen Richter gehören“.

Neben der Berliner S-Bahn waren in der Nacht zu Montag noch zwölf weitere Bahnstrecken in ganz Deutschland Ziel von Anschlägen. Wie die Bundespolizei mitteilte, konnten zwei Attacken verhindert werden. Wie die Deutsche Bahn mitteilte, waren die Zugverbindungen in Berlin, zwischen Hamburg und Lübeck, Köln und Dortmund, und im Raum Leipzig/Dresden betroffen.

„Heute Morgen haben wir die Kabelstränge entlang mehrerer Hauptstrecken der Bahn in Brand gesetzt“

Die Polizei geht davon aus, dass Linksextremisten hinter den Anschlägen stecken und die Taten im Zusammenhang mit dem bevorstehenden G20-Gipfel in Hamburg stehen. Am 7. und 8. Juli treffen sich die Staats- und Regierungschefs führender Industrie- und Schwellenländer sowie Vertreter der EU in der Hansestadt. Erwartet werden auch US-Präsident Donald Trump und Russlands Staatschef Wladimir Putin.

Auf einen Zusammenhang mit diesem Treffen deutet ein mutmaßliches Bekennerschreiben hin, das auf der Internetplattform „linksunten.indymedia.org“ veröffentlicht wurde. „Heute Morgen haben wir die Kabelstränge entlang mehrerer Hauptstrecken der Bahn in Brand gesetzt“, heißt es darin.

„Wir greifen ein in eines der zentralen Nervensysteme des Kapitalismus: mehrere Zehntausend Kilometer Bahnstrecke.“ Nach Angaben der Berliner Polizei werde geprüft, ob das Schreiben authentisch ist.

Der Brand war von einer Aufsichtskraft bemerkt worden

Die Berliner S-Bahn wird täglich von rund 1,2 Millionen Fahrgästen genutzt. Jeder dritte davon ist auf dem Ring unterwegs. Der Ort des Brandanschlags ist ein neuralgischer Punkt. Hier fahren die Züge aus dem Südosten der Stadt in die City. Dort verkehrt auch die Ringbahn.

Der Brand nahe des zur Sonnenallee führenden Gleises war von einer Aufsichtskraft bemerkt worden. Die Täter waren vermutlich über die Böschung zu dem nicht abgesperrten Kabelschacht gelangt.

Sie hatten auf einer Länge von zehn Metern die Betonplatten, die auf dem Schacht lagen, entfernt und Brandsätze hineingeworfen. Da eine dieser Platten, die den Schacht abdecken, etwa einen Zentner wiegt, gehen die Ermittler von mehreren Tätern aus.

Der Zugverkehr zwischen Treptower Park und Schöneweide war noch unterbrochen

Nach Angaben der Berliner Feuerwehr handelt es sich bei den Stromkabeln um 800-Volt-Leitungen. Erst gegen 5 Uhr am Morgen war das Feuer unter Kontrolle. Dann übernahmen Sprengstoffexperten des Berliner Landeskriminalamtes die Spurensicherung.

Im morgendlichen Berufsverkehr mussten die Fahrgäste zunächst auf den Schienenersatzverkehr umsteigen. Gegen 8 Uhr fuhr die Ringbahn schließlich wieder. Nur der Zugverkehr zwischen Treptower Park und Schöneweide war noch unterbrochen.

Seit Tagen machen Linksextremisten im Internet wegen des anstehenden G20-Gipfels mobil. Sie kündigten im Netz weitere Aktionen an. In diesem Zusammenhang ist auch das Aufflammen der Gewalt in der Rigaer Straße in Friedrichshain am vergangenen Wochenende zu sehen.

Das BKA hat die Ermittlungen übernommen

„Wir beobachten ein Ansteigen der Gewalt in Zusammenhang mit dem G-20-Gipfel“, sagt Innensenator Andreas Geisel (SPD) am Montag im Innenausschuss. Er nennt die Täter „brutale Gangster“. Und Tom Schreiber, der Verfassungsschutz-Experte der SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus, erklärt: „Berlin verkommt gerade zum Übungsplatz für den G20-Gipfel.“

Mittlerweile hat das Bundeskriminalamt die Ermittlungen zu den Brandanschlägen auf die Bahnanlagen übernommen.