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Schlägerei am Berliner Lageso: „Er hat geschrien, da haben sie noch fester gedrückt“

Wartende Flüchtlinge und ein Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes.

Wartende Flüchtlinge und ein Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes.

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AFP

Auf dem Gelände des Landesamts für Gesundheit und Soziales (Lageso) in Moabit ist es erneut zu einer schweren Auseinandersetzung zwischen Sicherheitsleuten und einem Flüchtling gekommen. Der Flüchtling wurde dabei schwer im Gesicht verletzt und musste mit einem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht werden.

Der Vorfall ereignete sich am Montagvormittag vor dem Hauptgebäude des Lageso. Wie ein Polizeisprecher auf Anfrage sagte, soll gegen 10.30 Uhr ein 18-jähriger Flüchtling aus der Warteschlange herausgetreten sein. „Nach ersten Erkenntnissen wollte er offenbar in den Sicherheitsbereich, obwohl er noch nicht an der Reihe war“, sagte der Sprecher.

Zeugen liefern ein anderes Bild

Das Sicherheitspersonal soll den Mann nach Darstellung der Polizei aufgefordert haben zurückzugehen. Der 18-Jährige soll einen 23-Jährigen Wachmann daraufhin mit Faustschlägen gegen den Oberkörper angegriffen haben. Der Bedienstete soll sich dann zur Wehr gesetzt haben, wobei sich der junge Mann nach Polizeiangaben nach einem kurzen Gerangel zu Boden fallen ließ. Die Polizei leitete Ermittlungsverfahren wegen wechselseitiger Körperverletzung ein.

Zeugen, mit denen die Berliner Zeitung sprach, geben eine andere Darstellung des Vorfalls. Demnach habe der Mann, dessen Alter sie auf Anfang 20 schätzten und der vermutlich aus Syrien stammt, in der Schlange auf Einlass gewartet. Er habe auf Arabisch eine Frage gestellt, darauf hätten die Sicherheitsleute ihn aus der Warteschlange gezerrt und auf ihn eingeschlagen. Drei Wachleute in roten Jacken, die offensichtlich zu der bereits in Verruf geratenen Firma Spysec gehörten, seien direkt an den Gewalthandlungen beteiligt gewesen, mehrere andere sollen ihnen zugeschaut haben.

Nachdem die Wachleute dem jungen Mann das Gesicht blutig geschlagen hatten, sollen sie ihn auf ein am Boden liegendes Absperrgitter gedrückt haben. „Er hat geschrien, da haben sie noch fester gedrückt“, sagte eine der Zeuginnen der Berliner Zeitung. Die Wachleute selbst hätten die Polizei per Funk verständigt, daraufhin sei eine Beamtin gekommen. Sie habe den Flüchtling befragt und abgeführt. Ein Rettungswagen der Feuerwehr brachte den Verletzten in ein Krankenhaus.

Auf die Bitte der Berliner Zeitung um eine Stellungnahme reagierte die Firma Spysec bis zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe nicht. Die Firma arbeitet am Lageso als Subunternehmer des Gegenbauer-Konzerns. Dort hieß es am Montag, man könne sich zu dem aktuellen Vorfall nicht äußern. Ein Sprecher sagte jedoch, nach früheren Gewaltvorfällen habe man am Lageso Maßnahmen ergriffen, um Gewalt zu verhindern. Es habe Antiaggressionstrainings gegeben. Man habe aber auch ein Deeskalationsteam geschaffen, das die Mitarbeiter aktiv anspreche. „Sie stehe unter großem Druck und brauchen eine Möglichkeit, über ihre Belastungen zu sprechen“, sagte der Sprecher.

Viele harren nachts weiter aus

Auch eine der Zeuginnen des Gewaltvorfalls am Montag betonte, die Wachleute müssten viel ertragen. „Die freiwilligen Helfer können nach ein paar Stunden wieder gehen, aber die Wachleute stehen da stundenlang, die ganze Woche über.“ Sie verstehe nicht, warum die Mitarbeiter nicht zeitweise an anderen Stellen eingesetzt würden, wo der Druck geringer ist.

Die Lage am Lageso ist trotz mehrerer Verbesserungen noch immer angespannt. Nach wie vor harren Flüchtlinge nachts vor der Behörde aus, um am nächsten Tag einen Termin zu ergattern. Die beheizten Zelte am Eingang des Geländes sollen in Kürze für Wartende geöffnet werden. Zudem sollen künftig drei beheizte Busse zur Verfügung stehen. Zwei der Fahrzeuge sponsert der Sänger Herbert Grönemeyer.



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