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Schüsse vor Flüchtlingsunterkunft: Die meisten Angriffe auf Berliner Flüchtlingsheime ereignen sich in Marzahn

Die Flüchtlingsunterkunft am Glambecker Ring in Berlin-Marzahn.

Die Flüchtlingsunterkunft am Glambecker Ring in Berlin-Marzahn.

Foto:

Gerd Engelsmann

Böller, Schüsse und Beschimpfungen: Immer wieder werden in Berlin Flüchtlinge bedroht. So soll ein Unbekannter vor einer Flüchtlingsunterkunft in Marzahn mehrmals in die Luft geschossen haben. Laut Polizei ereignete sich dieser Vorfall in der Nacht zum Sonnabend gegen 23:05 Uhr.

Nach Angaben eines Bewohners des Flüchtlingsheims am Glambecker Ring fuhr ein Auto auf der Straße in Richtung Blumberger Damm. Der Beifahrer soll sich aus dem Fenster gelehnt, mehrmals in die Luft geschossen und dabei „Allahu Akbar“ („Gott ist groß“) gerufen haben. Polizisten suchten die Umgebung vergeblich nach dem Fahrzeug ab.

Islamistischer oder fremdenfeindlicher Hintergrund?

Dort, wo nach Aussage des Bewohners die Schüsse gefallen waren, fanden die Beamten auf der Fahrbahn vier Patronenhülsen einer Schreckschusswaffe. Sie wurden sichergestellt und werden auf Spuren untersucht. Die Beamten leiteten ein Ermittlungsverfahren wegen eines Verstoßes gegen das Waffengesetz ein. Die Polizei ermittelt in alle Richtungen. So ist noch unklar, ob es sich bei den Tätern um Islamisten handeln könnte oder ob sie ein fremdenfeindliches Motiv hatten.

Eine Beschreibung der Täter oder des Fahrzeugs konnte der Heimbewohner nicht liefern. „Es gab zwischen den Beamten und ihm Sprachprobleme“, sagte eine Polizeisprecherin. „Es müssen noch weitere Vernehmungen mit ihm geführt werden.“

Bereits am Freitag wurde offenbar auf eine Flüchtlingsunterkunft in der Neuköllner Karl-Marx-Straße geschossen. Dabei wurde ein Fenster beschädigt. Ermittlungen ergaben, dass ein Projektil eines Luftdruckgewehrs den Schaden verursacht haben könnte. Gefunden wurde es bislang nicht.

Die meisten Straftaten im Osten

Nachdem in der Nacht zum Freitag ein Unbekannter eine scharfe Handgranate auf das Gelände einer Flüchtlingsunterkunft in Villingen-Schwenningen (Baden-Württemberg) geworfen hatte, wurden bundesweit die Sicherheitsvorkehrungen für Flüchtlingsheime überprüft, so auch in Berlin. „Die Lage wird jederzeit bewertet und entsprechend angepasst“, sagte eine Polizeisprecherin am Sonntag. „Zu einzelnen Maßnahmen machen wir keine Angaben. Bewacht werden Flüchtlingsheime vor allem durch private Wachunternehmen.

Je nach aktueller Gefährdung postieren sich auch Polizisten in der Umgebung eines Heimes – wie etwa bei einigen Einrichtungen in Marzahn-Hellersdorf. Dort ist auch ein Schwerpunkt der Angriffe auf Flüchtlingsheime. Laut Verfassungsschutz wurden von Januar 2014 bis Oktober vergangenen Jahres 79 Straftaten gegen geplante oder bestehende Flüchtlingsunterkünfte verübt.

64 der Taten geschahen in den östlichen Bezirken. Die mit Abstand meisten Taten ereigneten sich in Marzahn-Hellersdorf, wo fünf verschiedene Flüchtlingsunterkünfte von insgesamt 29 Straftaten betroffen waren, darunter das Heim am Glambecker Ring. So wurde dort Anfang September ein Bengalo geworfen.

Auch weit außerhalb der Heime gibt es Attacken. In der Nacht zum Sonntag wurden zwei Syrer am S-Bahnhof Lichterfelde-Ost von Betrunkenen bedroht. Fahrgäste informierten den Zugführer und die Polizei, die die beiden 45- und 48-jährigen Männer aus dem brandenburgischen Jüterbog und Niedergörsdorf festnahm.


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