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Tipps der Polizei: So können Sie sich vor Einbrechern schützen

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Wedel untersucht Kartons.

Der Widerstand, den die Einbrecher überwinden mussten, war lächerlich gering. Sie brauchten den Schraubenzieher nur einmal anzusetzen, dann war das Badfenster im Parterre offen. In dem Lankwitzer Yoga-Studio durchwühlten sie die Schränke und klauten eine Tafel Schokolade. Sie hatten wohl gedacht, sie würden in eine Wohnung einsteigen. „Das ist schockierend, an so etwas denkt man ja gar nicht“, sagt die drahtige Inhaberin des Gesundheitszentrums. Dass sie tatsächlich nicht daran gedacht hatte, sehen die Kriminaloberkommissare Wedel und Kramp daran, dass neben dem Fenster ein Scherengitter ist, das nicht zugezogen und verschlossen war.

Wedel und Kramp sind in der Polizeidirektion 4 in Steglitz-Zehlendorf und Tempelhof-Schöneberg als Tatort-Trupp unterwegs. Der 41- und der 43-Jährige, die ihren vollen Namen nicht in der Zeitung lesen möchten, sind ein eingespieltes Team, das Einbruchspuren sichert. Sie wechseln sich stets ab: Einer schreibt, der andere beschäftigt sich mit den Spuren. An diesem Tag werden in ihrem Bereich 18 Einbrüche gemeldet.

2015: Fast 12.000 Einbrüche in Berlin angezeigt

Leider hat die Yoga-Studio-Betreiberin schon aufgeräumt. Bleibt nur der Fensterrahmen, an dem Kramp mit einem Pinsel aus besonders feinen Federn vom Marabu Kohlenstaub verteilt in der Hoffnung, Fingerabdrücke zu finden. „Die Täter trugen offenbar Handschuhe“, sagt Kramp. Weil das Fenster so leicht aufging, hinterließen die Einbrecher nur leichte Werkzeugspuren, die sich nicht zur Auswertung eignen. Mit einer Folie sichert Kramp einen Schuhabdruck auf dem Fensterbrett. Wedel und Kramp geben der Studio-Inhaberin die Telefonnummer der Kriminalpolizeilichen Beratungsstelle, die kostenlos vor Ort über bessere Fenster- und Türsicherungen berät.

Im vergangenen Jahr wurden der Berliner Polizei 11.815 Wohnraumeinbrüche angezeigt. Die Aufklärungsquote liegt bei 8,5 Prozent. Die meisten Einbrecher werden gefasst, wenn Nachbarn aufpassen und die Täter auf frischer Tat gestellt werden. Sind sie erst einmal geflüchtet, dann werden sie nur selten ermittelt. Oft sind es Banden, die nur wenige Tage in der Stadt sind. „Deshalb sind wir auf Zeugenaussagen besonders angewiesen“, sagen die beiden Ermittler. „Lieber einmal mehr anrufen, man muss sich nicht schämen, wenn es falscher Alarm war.“

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Kramp sucht Fingerabdrücke.

Foto:

blz/Andreas Kopietz

Die beiden Beamten werden nach Schöneberg gerufen, zu einer Wohnung im 5. Stock. Jemand hat das Zylinderschloss der Tür herausgebrochen. Er hatte eine Schraube in den Profilzylinder gedreht und diesen mit einer Vorrichtung, vergleichbar mit einem Korkenzieher, herausgezogen. „Aber das ist ja total simpel!“ sagt die erstaunte Frau, die von Beruf Bildhauerin ist. Der oder die Täter haben die Wohnung der Künstlerin verwüstet.

Das Sportzeug liegt auf dem Boden, Kartons sind aus der Kommode geräumt, die Schranktür steht offen. Die Frau wollte die Verwüstungen fotografieren. Doch ihre drei Fotoapparate und die Objektive sind weg. „Oh mein Gott!“, sagt sie, die Hände vor dem Gesicht, nachdem sie die Schubladen ihres Schreibtisches aufgezogen hat. Die sind durchwühlt, es fehlt ein kleiner Geldsack aus Leder, in dem immer 50 Euro waren. Auch die Ray-Ban-Brille ist verschwunden. Vielleicht fehlt auch Schmuck, sie weiß es noch nicht.

„Das ist alles so bedrohlich“

Wedel versucht, mit einem Magnetstab und Eisenspänen an den Pappkartons Fingerabdrücke zu finden. Auch an der Schranktür ist nichts. Das abgebrochene Zylinderschloss nimmt er mit. Es soll in der Kriminaltechnik auf Werkzeugspuren untersucht werden. „Ich wohne hier allein“, sagt die Frau. „Das ist alles so bedrohlich.“ Kramp sagt, was er den meisten Opfern zu erklären versucht: „Die Taten werden nicht von langer Hand geplant. Ein Einbruch richtet sich nie gegen Sie persönlich. Die Täter wissen wahrscheinlich gar nicht mal mehr, dass sie vorhin bei Ihnen waren.“

Wedel und Kramp sind, so könnte man es formulieren, die Erst-Tröster, die die Einbruchsopfer ein wenig stabilisieren, nachdem man diesen die Intimsphäre und das Gefühl von Sicherheit genommen hat. Da hilft, dass man den Opfern sagt, was sie als nächstes tun sollen: schnell die Versicherung informieren, der Polizei die Gerätenummern der gestohlenen Kameras schicken, mit dem Vermieter reden, ob man sich die Kosten für ein zusätzliches Stangenschloss an der Tür teilen könnte. Es hilft auch, sich die Kriminalpolizeiliche Beratungsstelle herzubestellen. „Und wenn Sie wieder etwas Verdächtiges hören, rufen Sie uns an“, sagt Kramp zu der Frau. „Wir sind dafür da, es kostet Sie nichts, wir machen es gern.“

Wedel und Kramp fahren zu einem Einfamilienhaus in Lichterfelde. Ein Nachbar rief die Polizei, weil die Terrassentür im Nebenhaus offen stand. Die ganze Familie ist jedoch im Urlaub in Österreich. Das Tatort-Team wird von einer Funkwagenbesatzung erwartet. Die Täter haben die Terrassentür aufgehebelt, die zwar an den Flügeln über sogenannte Pilzkopfzapfen verfügte, welche in Bleche einrasten – aber nur unten, oben und an den Bandseiten. Nicht aber an den Innenseiten. Unter dem Druck des Kuhfußes bog sich die Tür und die Zapfen gaben nach.

Schränke stehen offen, Schlafzimmer durchwühlt

Die Schränke stehen offen, das Schlafzimmer ist durchwühlt. Wedel telefoniert mit den Urlaubern, Kramp trägt Accutrans, eine Silikonmasse auf die Beschädigungen, die durch das Brecheisen verursacht wurden. So nimmt er die Werkzeugspuren ab. Wenn später vielleicht bei einem Täter ein Brecheisen beschlagnahmt wird, können ihm anhand der Spuren eventuell weitere Einbrüche wie dieser angelastet und nachgewiesen werden.

Unterdessen hat Kriminaloberkommissar Wedel einen Schlüsseldienst bestellt. Die Polizisten verschließen die Terrassentür von innen und verlassen das Haus durch die Vordertür. Dafür musste dort das Schloss ausgewechselt werden. Wenn die Urlauber aus Österreich zurück sind, müssen sie sich ihren neuen Hausschlüssel auf dem Polizeiabschnitt 46 abholen.



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