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Berliner Zeitung | Trauer am Ernst-Reuter-Platz: „Du warst und bist mein Ein und Alles“
21. January 2016
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Trauer am Ernst-Reuter-Platz: „Du warst und bist mein Ein und Alles“

Im U-Bahnhof Ernst-Reuter-Platz hängen Fotos des Opfers.

Im U-Bahnhof Ernst-Reuter-Platz hängen Fotos des Opfers.

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Ute Giersch

Nach dem tödlichen Sturz einer 20 Jahre alten Studentin auf dem U-Bahnhof Ernst-Reuter-Platz am Dienstagabend, wird der Täter auf Schizophrenie untersucht. Der 28-Jährige ist, wie berichtet, am Mittwoch in die geschlossene Psychiatrie eingeliefert worden. Auch am Donnerstag schwieg er zu den Tatvorwürfen.

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Opfer war auf der Stelle tot

Der in Deutschland geborene Hamin E. mit iranischen Wurzeln hatte am Dienstagabend eine 20-Jährige vor einen in Richtung Pankow einfahrenden U-Bahn-Zug ohne erkennbaren Anlass gestoßen. Die Philosophie-Studentin, deren Familie aus Schweden und dem Libanon stammt, war sofort tot.

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Amanda, eine lebenslustige Frau mit schwarzen langen Haaren, die fließend Englisch, Schwedisch und Deutsch sprach, war wie viele in ihrem Alter. Amanda war unzufrieden mit ihrem Gewicht, war in einen jungen Mann verliebt, mit dem sie im vergangenen Jahr in Brandenburg den Sommer verbrachte, mit ihm das Championsleague-Finale schaute, und von dem sie sich trennte. Sie reiste gern, zuletzt nach Ägypten.

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„Du warst und bist mein Ein und Alles“, hat die Mutter ihrer toten Tochter am Donnerstag auf ein Plakat geschrieben, das nun im U-Bahnhof hängt. Inzwischen haben Angehörige dort viele Blumen abgelegt und Kerzen aufgestellt.
Polizisten sind nun dabei, die Bilder aus den Überwachungskameras des Bahnhofs auszuwerten. Es hätte jeden treffen können, hieß es am Donnerstag. Der Täter sei zu sehen, wie er Anlauf nimmt und die Frau schubst. Täter und Opfer kannten sich nicht. Zeugen hielten den Täter nach der Tat fest und übergaben ihn der Polizei.

Täter war nicht unter Drogen

Mittlerweile steht fest, dass die Untersuchung seines Blutes keine Spuren von Drogen und Alkohol aufwies. Er soll jedoch in Drogengeschäfte verwickelt gewesen sein, sagen Polizisten. Hamin E. lebte vor allem in Hamburg und Umgebung. Er war erst am Dienstagabend mit einem ICE von der Hansestadt nach Berlin gereist. Im Zug wurde er als Schwarzfahrer erwischt. Er musste deshalb seine Personalien dem Bahnpersonal angeben. In Berlin angekommen fuhr er zunächst in die Obdachlosenunterkunft der Stadtmission in der Franklinstraße in Charlottenburg und bat dort um Aufnahme. Er hatte Pech.

Dort waren die Betten belegt. Der Mann wirkte verwirrt, sagte ein Mitarbeiter. Hamin E. wurde weggeschickt. Ihm wurde aber geraten, in der Unterkunft am Bahnhof Zoo nach einer Übernachtungsmöglichkeit zu fragen. Kurz darauf passierte die Tat.

Der Mann ist den Hamburger Sicherheitsbehörden bekannt. Mit 14 Jahren soll er in der Hansestadt einen Mann niedergestochen haben. Er musste dafür für zwei Jahre und neun Monaten ins Gefängnis. Zuletzt war er wegen Diebstahls und Sachbeschädigung aufgefallen. Er stand unter Betreuung, allerdings nicht am Dienstag. Dazu äußert sich die Hamburger Justiz nicht.

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@KopietzAndreas