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Zahl der antisemitischen Angriffe in Berlin steigt

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Zahl der antisemitischen Übergriffe steigt um 34 Prozent.

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dpa

Menschen werden wegen ihrer Kippa angegriffen, Mahnmale beschmiert, auf Kundgebungen werden antisemitische Parolen gebrüllt: Im vergangenen Jahr gab es in Berlin 401 antisemitische Übergriffe und Anfeindungen. Das sind 34 Prozent mehr als im Vorjahr. Das geht aus einer Statistik der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (Rias) hervor.

Die meisten Fälle waren der Statistik zufolge Bedrohungen und Beleidigungen (210 Fälle). So wird auf Facebook immer wieder antisemitisch gepöbelt. Die Polizei führt deshalb mehrere Verfahren. Eine Frau aus Friedenau, die sich für die Verlegung von Stolpersteinen einsetzt, wurde mit den Worten „beschämender Abschaum“ und „dreckige Judenfreundin“ beschimpft. Zudem wurde ihr mit Gewalt gedroht. Ein Mitglied der Jüdischen Gemeinde wurde in seinem Auto am Großen Stern von einem anderen Autofahrer bedroht und beschimpft. Er habe ausnahmsweise seine Kippa nicht mit einem Basecap verdeckt, schilderte er. Dies tue er sonst, um Anfeindungen zu vermeiden.

Mindestens 31 Personen wurden laut Rias durch 19 Angriffe verletzt oder waren von diesen unmittelbar betroffen. Von den 31 Angegriffenen waren 13 entweder durch das Tragen religiöser oder traditioneller Kleidung oder Schmuck mit jüdischer Symbolik als Jüdin oder Jude erkennbar oder der jüdische Hintergrund der angegriffenen Personen war den Tätern bekannt. Wie etwa während der Maccabi Games im vergangenen Sommer, als am S-Bahnhof Sonnenallee zwei Männer, die Kippa trugen, mit einem Stein beworfen wurden.

„Auch wenn die Zahl von 401 Vorkommnissen erschreckend hoch ist, gehen wir immer von einer großen Dunkelziffer nicht bekannt gewordener Fälle aus“, sagte Rias-Koordinator Benjamin Steinitz.

Das American Jewish Committee (AJC) zeigte sich besorgt, wegen der großen Zahl judenfeindlicher Hasspropaganda und der Übergriffe in der Hauptstadt. „Immer mehr Juden berichten uns, dass sie sich seltener oder gar nicht mehr als Juden in der Öffentlichkeit zu erkennen geben“, sagte Deidre Berger, Direktorin des AJC Berlin Ramer Institute for German-Jewish Relations. „Denn wir erleben seit einigen Jahren eine Radikalisierung antisemitischer Täter. Die Hemmschwelle zur Gewaltandrohung und -anwendung sinkt dabei stetig.“


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