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Zweites Bekennerschreiben nach Autozerstörung am Gleisdreieck: Linksextreme drohen mit weiterer Gewalt

Randale in der Flottwellstraße. Dieser Mercedes Benz ist nicht mehr zu retten.

Randale in der Flottwellstraße. Dieser Mercedes Benz ist nicht mehr zu retten.

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dpa/Jörg Carstensen

Wenige Monate vor dem 1. Mai und rund ein halbes Jahr vor der Abgeordnetenhauswahl könnte die Gewalt linksextremer Gruppen in Berlin weiter eskalieren. Nach den Zerstörungsaktionen vom Wochenende wird in einem Bekennerschreiben auf der Plattform Indymedia.org weitere Gewalt angekündigt. Man unterstütze Aufrufe, „jeden Angriff auf Projekte in Berlin“ mit Sachschaden von einer Million Euro zu vergelten, hieß es.

Die Autoren, die sich rechtfertigten ihre Brandanschläge auf Autos in einer Straße am Schöneberger Gleisdreieck-Park als Rache für die Polizeieinsätze in Friedrichshain. Die Polizei ordnete das Bekennerschreiben am Montag als „authentisch“ ein.

Bei der Zerstörungswelle am Wochenende waren in Neukölln und in Schöneberg über 30 Autos angezündet oder demoliert worden. Anwohner berichteten von bis zu 40 großteils vermummten Tätern. Im Bekennerschreiben begründen diese nun auch ihre Zielauswahl, das Neubauviertel Flottwellstraße. Diese halten sie offenbar für ein Beispiel des „Problems der Wohnraumverknappung für einkommenschwache Schichten".

Polizei weist Kritik zurück

Polizeisprecher Stefan Redlich wies Vorwürfe zurück, die Kollegen seien zu spät an den Einsatzorten gewesen. In Schöneberg sei der erste Alarm in der Nacht zu Samstag um 1.15 Uhr eingegangen, der erste Streifenwagen traf um 1.19 Uhr ein, sagt er. In Neukölln gab es am Samstagabend um 23.11 Uhr Alarm. Um 23.16 Uhr sei das erste Polizeiauto dort gewesen. Die Polizisten seien aber mit Steinen beworfen worden und hätten sich zurückziehen müssen. Die jeweils größeren Gruppen von Tätern seien auf Fahrrädern geflohen. Bisher seien keine Verdächtigen festgenommen worden.

Der von den Bekennern verwendete Name "Kommando Klaus Jürgen Rattay" ist wohl programmatisch gewählt. Rattay gehörte zu Beginn der 1980er Jahre zur West-Berliner Hausbesetzerszene. 1981 wurde er während einer Demonstration gegen Innensenator Heinrich Lummer von einem BVG-Bus erfasst und starb. (dpa/BLZ)