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Preisgünstige Wohnungen gibt es in Berlin nicht mehr

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Am geringsten ist die Wohnfläche pro Person mit 34,7 Quadratmeter in Neukölln.

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imago/IPON

In Berlin gibt es kaum noch preiswerte Wohnungen. Gerade mal ein Prozent der freien Wohnungen wurden im vergangenen Jahr zu Kaltmieten unter fünf Euro je Quadratmeter angeboten. Der Anteil der Wohnungen im gehobenen Preissegment steigt dagegen weiter an. Das geht aus dem Wohnungsmarktbericht 2015 der Investitionsbank Berlin (IBB) hervor, der am Freitag präsentiert wurde. „Der Druck auf dem Wohnungsmarkt ist unverändert hoch“, sagte Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD).

Wer im vergangenen Jahr eine Wohnung suchte, sollte dafür im Mittel eine Miete von 8,80 Euro je Quadratmeter zahlen. Das entspricht einem Anstieg um 6,7 Prozent gegenüber 2014. Am teuersten waren Wohnungen in Friedrichshain-Kreuzberg, Mitte und Charlottenburg-Wilmersdorf. Immer noch überdurchschnittlich viel Miete verlangten die Vermieter auch für Wohnungen in den beiden gutbürgerlichen Bezirken Pankow und Steglitz-Zehlendorf. Am günstigsten waren Wohnungen in Marzahn-Hellersdorf und in Spandau.

„Potential für Konflikte“

Das Problem: Auch in Wohngebieten, in denen es viele Arme gibt, steigen die Angebotsmieten stark an, zum Beispiel im nördlichen Kreuzberg oder in Teilen Neuköllns. „Da ist Potential für Konflikte“, warnt der Verfasser des Wohnungsmarktberichts, Arnt von Bodelschwingh. Solange die Menschen eine Wohnung haben, sei es kein Problem, doch wenn sie umziehen müssten, würden sie „mit Sicherheit Schwierigkeiten“ haben. Denn preiswerte Wohnungen gebe es nicht genug.

Etwa ein Drittel aller Mietangebote lag im vergangenen Jahr bei zehn Euro pro Quadratmeter und mehr. Die Zahl der Angebote in diesem Marktsegment ist mit Ausnahme von Marzahn-Hellersdorf in allen Bezirken gestiegen. Besonders stark fiel der Anstieg in Friedrichshain-Kreuzberg aus, wo 67 Prozent der Wohnungen zehn Euro je Quadratmeter oder mehr kosten sollten.

Der Anteil der Mietangebote im Preissegment unter sieben Euro je Quadratmeter hat sich 2015  weiter stark verringert. Nur in Marzahn-Hellersdorf lagen 2015 noch knapp drei Viertel aller Mietangebote unterhalb der Preisschwelle von sieben Euro. In Friedrichshain-Kreuzberg wurden unterhalb von sieben Euro nur noch vier Prozent der Wohnungen angeboten. Wohnungen zu Mieten unterhalb von fünf Euro je Quadratmeter sind generell kaum noch zu finden. In den Bezirken Friedrichshain-Kreuzberg, Pankow, Steglitz-Zehlendorf, Treptow-Köpenick und Lichtenberg gab es 2015 kein einziges Angebot in dieser Preisklasse.

Die Berliner reagieren auf die steigenden Mieten so, dass sich immer mehr Menschen den Wohnraum mit anderen teilen. Wohngemeinschaften bilden sich, Zimmer werden untervermietet, Kinder ziehen später aus der Wohnung aus.  „Wir haben da eine Trendumkehr“, sagt Arnt von Bodelschwingh. „Das ist ein Zeichen  für Zusammenrücken.“ Während im Jahr 2009 noch 1,78 Personen pro Wohnung gezählt wurden, waren es im Jahr 2014 schon 1,88 Personen. Zugleich sinkt der Wohnflächenverbrauch. Während im Jahr 2009 pro Einwohner eine Wohnfläche von 39,6 Quadratmetern zur Verfügung stand, waren es im Jahr 2014 nur noch 38,8 Quadratmeter. Am geringsten ist die Wohnfläche pro Person mit 34,7 Quadratmeter in Neukölln, am höchsten mit 44 Quadratmetern in Steglitz-Zehlendorf.

Zu wenig gebaut

Der Druck auf den Wohnungsmarkt nimmt zu, insbesondere durch den starken Zuzug in die Stadt. Allein zwischen 2012 und 2014  wuchs Berlin  um rund 144 000 Menschen. Dabei sind die Flüchtlinge noch gar nicht eingerechnet.  Die überwiegende Zahl der Zuzügler kommt aus dem Ausland, gefolgt von Menschen aus den alten Bundesländern. Aus den neuen Ländern kommen nur wenig Menschen in die Hauptstadt. In der Zeit, in der Berlin um  144 000 Menschen wuchs, wurden gerade mal  20 800 Wohnungen gebaut.

Seit einigen Jahren steigt die Zahl der  Menschen, die Berlin an das Umland verliert. Waren es 2010 noch rund 4 000 Menschen, die unterm Strich von Berlin in den Speckgürtel zogen, so waren es 2014 schon mehr als 9 000. Kein Wunder: Sowohl das Bauland als auch die Mieten sind im Umland günstiger.

Die Grünen kritisierten am Freitag, dem Senat gelinge es nicht, „die voranschreitende soziale Spaltung der Stadt zu stoppen“. Die Preisspanne zwischen den Bezirken gehe immer weiter auseinander. „Zwar wird immer mehr gebaut, der Neubau geht aber oft am Bedarf vorbei“, so die Abgeordneten Andreas Otto und Katrin Schmidberger.



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