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Berliner Zeitung | Premiere von „Coming in“: Hauptsache Liebe!
21. October 2014
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Premiere von „Coming in“: Hauptsache Liebe!

„Gut, also wenn wir an den Spitzen was wegnehmen, fällt das doch gleich anders.“ Kostja Ullmann in seiner Rolle als nachdenklicher Friseur Tom Herzner in „Coming in“.

„Gut, also wenn wir an den Spitzen was wegnehmen, fällt das doch gleich anders.“ Kostja Ullmann in seiner Rolle als nachdenklicher Friseur Tom Herzner in „Coming in“.

Foto:

dpa/Summerstorm Entertainment/Warner

Berlin -

Das Armbändchen, mit dem in der Geburtsklinik jede Verwechslung von Babys verhindert werden soll, war noch mit „Konstantin“ beschriftet. Auf die Geburtsurkunde hat es dann aber die russische Koseform geschafft. Kostja Ullmann ist mit seinem Namen zufrieden. Gerade als Kind von Künstlern kann man da ja Pech haben. Sein Vater war Schauspieler, die Mutter Tänzerin. Mit elf Jahren wurde Kostja, der so heißt, weil sein Papa in Tschechows „Die Möwe“ mal den Kostja gespielt hat, gefragt, ob er Lust auf ein Casting hat. „Ich musste einmal glücklich und einmal traurig gucken.


Schon hatte ich die Rolle. Und dachte: Wow, das ist ja leicht!“ Es folgten immer wieder Angebote. „Wenn ich gute Noten hatte, durfte ich in den Ferien drehen. Mit 14 oder 15 habe ich kapiert, dass das ein Beruf ist. Wenn es gut läuft, kann man davon leben.“ Ullmann realisierte, dass die Schauspielerei kein Selbstläufer ist: „Mit 16 habe ich ein Praktikum am Internationalen Kindergarten in Hamburg gemacht, aus dem sich einige Babysitterjobs ergaben. Sollte es mal mit der Schauspielerei nicht mehr laufen, könnte ich eine Ausbildung zum Erzieher machen.“

Lieber Freundschaft als Haareschneiden

Derzeit deutet nichts darauf hin, dass Kostja Ullmann umschulen müsste. Im Gegenteil. Er hat gerade eine der Titelrollen in „Drei Türken und ein Baby“ (als Türke, nicht als Baby!) gespielt, demnächst steht er in der Verfilmung der wahren Geschichte eines fast blinden Mannes vor der Kamera. Und diesen Mittwoch wird ab 19 Uhr im Cinemaxx am Potsdamer Platz die Premiere seines neuesten Films „Coming In“ gefeiert. In dem spielt er einen schwulen Starfriseur, der sich in die von Aylin Tezel dargestellte Kollegin aus einem Neuköllner Kiezfriseurladen verliebt.

Regisseur Marco Kreuzpaintner hat da eine romantische Komödie gedreht, die die teils hysterischen Abgrenzungsbemühungen zwischen schwul und hetero aufs Korn nimmt. Motto: Hauptsache Liebe! Kostja Ullmann gerät ins Schwärmen, wenn er über diese Arbeit spricht: „Das ist eine wunderschöne Liebesgeschichte. Mit einem auf den ersten Blick außergewöhnlichen Liebespaar.“ Weil es sein Ehrgeiz war, die Rolle bis hin zu jeder Handbewegung bei der Arbeit im Friseursalon glaubwürdig zu spielen, absolvierte Kostja Ullmann bei einem der Besten des Fachs, bei Shan Rahimkhan, eine Turbolehre zum Friseur.

Ullmann hantierte danach so geschickt mit der Friseurschere, dass sich eine Maskenbildnerin des Films von ihm die Haare schneiden ließ. Mehrere Freunde fragten ihn auch, ob er ihnen die Haare schneiden mag. Ullmann wollte das nicht annehmen: „Die Freundschaft war mir wichtiger.“ Auch seine Verlobte, die Moderatorin und Schauspielerin Janin Reinhardt, bot Ullmann schon ihr Haupthaar als Übungsgelände an. Er hat sicherheitshalber auch bei ihr abgelehnt. Inzwischen juckt es ihm in den Fingern: „Ich hätte Lust, mal wieder jemandem die Spitzen zu schneiden.“

Mit einer Nebenwirkung dieses Filmprojekts muss Ullmann jetzt klarkommen: „Reichte es mir früher völlig, wenn ich alle zwei Monate zum Friseur ging, will ich mein Haar jetzt möglichst immer perfekt. Ich gehe jeden Monat zum Fachmann. Und würde am liebsten noch häufiger.“ Durch den Einblick in diesen Beruf weiß Ullmann inzwischen auch, dass er für jeden Friseur ein schwieriger Patient ist: „Ich habe nämlich 1 000 Wirbel auf dem Kopf.“

In Hamburg, wo Kostja Ullmann geboren wurde, lebt er heute noch. „Eine Großstadt, und trotzdem hat man seine Ruhe. Ich liebe es, am Hafen zu sitzen und ins Wasser zu gucken. Ich bin viel unterwegs. In Hamburg komme ich zur Ruhe.“ Er muss da außerdem mal was richtigstellen: „Das Wetter in Hamburg ist gar nicht so schlecht, wie alle sagen.“ Zur Schauspielschule kam Kostja Ullmann zufällig. Eigentlich hatte sich seine Schwester beworben und ihn nur als Begleiter zum Vorsprechen mitgenommen. Den Platz an der Schauspielschule bekam er.

Schlechtester Brezelverkäufer

Wenn Kostja Ullmann mal nichts zu tun hat – mehr oder weniger lange Pausen zwischen zwei Filmen gehören zu seinem Beruf – widmet er sich seinen Hobbys. „Ich bin gern auf Reisen, es gibt so viel zu entdecken. Noch nie war ich in Südamerika, was sich demnächst mal ändern lassen müsste.“ Viel dreht sich in seiner drehfreien Zeit auch rund um den Fußball. „Was für einen HSV-Fan nicht immer nur erfreulich ist. Ullmann verbindet mit dem Stadion allerdings auch Erinnerungen an seine größte berufliche Niederlage: „Im HSV-Stadion war ich der schlechteste Brezelverkäufer aller Zeiten. Weil ich mir immer das Spiel angeguckt habe, statt meinem Job nachzugehen.“ Er bereut nichts: „Ich habe tolle Spiele gesehen! Damals hat der HSV noch gut gespielt.“

Eines hat sich für Kostja Ullmann durch den Film im Friseurmilieu übrigens nicht geändert. „Wenn Janin nach Hause kommt und ihr fehlen zehn Zentimeter Haar, dann sehe ich das nicht. Wir Männer sind so!“


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