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Prenzlauer Berg: Berlin hat jetzt einen Lesbenfriedhof

Ewige Ruhe: Auf dem Lesbenfriedhof ist Platz für 80 Gräber .

Ewige Ruhe: Auf dem Lesbenfriedhof ist Platz für 80 Gräber .

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AP/Markus Schreiber

Für sie gilt die gleichgeschlechtliche Liebe bis in den Tod. Erstmals entsteht in Berlin ein Friedhof, auf dem nur Frauen bestattet werden, die Frauen geliebt haben. Der Lesbenfriedhof befindet sich auf dem Friedhof Georgen-Parochial I an der Greifswalder Straße 229 in Prenzlauer Berg, nicht weit vom Alexanderplatz. Auf der 400 Quadratmeter großen Friedhofsfläche ist Platz für 80 Urnen oder Erdbestattungen. „Der Friedhof ist wild und großzügig, wir haben viel Platz, ihn zu gestalten“, sagt Usah Zachau von der Arbeitsgruppe Lesbenfriedhof in der Frauenwohnstiftung Sappho aus Hannover.

Die Stiftung sorgt sich darum, dass Vermögen, welches Lesben sich während ihres Lebens erarbeitet haben, auch für Lesben erhalten bleiben. Erbfolge weiblich, heißt das Motto. Vier Jahre lang haben die Frauen einen geeigneten Platz für ihr Projekt gesucht. Auf dem evangelischen Friedhof Georgen-Parochial I hatten sie Erfolg. „Die Friedhofsverwaltung hat uns sehr unterstützt“, sagt Usah Zachau. Die Sappho Stiftung übernahm die Trägerschaft und schloss einen Vertrag mit der Friedhofsverwaltung.

Die neuen Nutzer haben das einst verwilderte Gelände für 15.000 Euro neu gestaltet. Am kommenden Sonntag wird der Lesbenfriedhof eingeweiht. „Es ist eine schöne Vorstellung, den Ort der Bestattung schon zu Lebzeiten zu kennen“, sagt Usah Zachau.

Die evangelische Kirche hat mit dem Lesbenfriedhof kein Problem. „Unsere Friedhöfe stehen allen offen, die unsere Friedhofsordnung anerkennen“, sagt Volker Jastrzembski, Sprecher der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz. Die Kirche wolle auch die Bestattungskultur neu beleben.

Das muss sie auch tun. Denn in Berlin gibt es längst mehr Friedhofsflächen als gebraucht werden. Die Sterberate ist drastisch zurückgegangen, die Begräbniskultur hat sich drastisch geändert. Mehr als 70 Prozent aller Berliner wählen heutzutage eine platzsparende Feuerbestattung, das Urnengrab ist 2,9 Quadratmeter groß. Der verbleibende Rest wählt eine Erdbestattung mit 12,6 Quadratmetern Grabfläche. Manche Friedhöfe werden inzwischen komplett geschlossen und Teilflächen verkauft.

In der Nähe des heutigen Lesbenfriedhofs plante die Kirche im Jahr 2007 eine Randfläche an einen Investor zu verkaufen, der dort Wohnungen bauen wollte. Anwohner protestierten. Heute befindet sich dort der Leisepark.



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