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Prenzlauer Berg: Der neue Masterplan für die Bötzowbrauerei

Blick in die Zukunft: So soll die Bötzowbrauerei in fünf Jahren aussehen. Der zentrale Platz bleibt erhalten, drei Neubauten werden errichtet. Das Areal mit Biergarten wird öffentlich zugänglich sein.

Blick in die Zukunft: So soll die Bötzowbrauerei in fünf Jahren aussehen. Der zentrale Platz bleibt erhalten, drei Neubauten werden errichtet. Das Areal mit Biergarten wird öffentlich zugänglich sein.

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David Chipperfield Aarchitects

Für diese Idee werden sich die Nachbarn noch bedanken. Während anderswo in Prenzlauer Berg die Investoren in jede noch so kleine Baulücke ein schickes Haus mit Eigentumswohnungen bauen, sollen auf dem 24.000 Quadratmeter großen Gelände an der Prenzlauer Allee möglichst viele freie Flächen erhalten bleiben. Für die Anwohner wird ein Biergarten mit Bäumen gebaut, geplant ist auch ein öffentliches Schwimmbad mit Wellnessbereich. „Wir sind keine Investoren, die schnell bauen und dann gehen. Wir bleiben“, sagt Hans Georg Näder, Chef der Otto Bock Firmengruppe, weltweiter Marktführer für Orthopädie und Prothetik.

Seit 2010 gehört Näder die Bötzowbrauerei. Und der 52-jährige Unternehmer hat im Laufe der vergangenen Jahre schon so einige Ideen für das denkmalgeschützte Areal gehabt, in dem Julius Bötzow einst Bier gebraut hat.

Jetzt steht der Masterplan fest für das historische Areal am Fuße des Prenzlauer Bergs. Entworfen hat ihn der britische Stararchitekt David Chipperfield, der Ende der 90er Jahre in Berlin auch die Gestaltung der Museumsinsel übernommen hatte.

Die Struktur bleibt erhalten

Für sein Projekt Bötzow Berlin 2019 hat sich Chipperfield sehr genau an der früheren Gestaltung der Brauerei orientiert. Bei der Präsentation seines Masterplanes am Mittwoch im früheren Pferdestall (mit 200 Brauereipferden lieferten die Kutscher damals die Bierfässer aus) wird schnell deutlich: Chipperfield respektiert die frühere Struktur des Geländes, es gibt den privaten Betriebsbereich und das öffentliche Gelände. Den zentral gelegenen Platz will er erhalten für Chipperfield gehört er zum Areal.

Einst gab es in der Bötzowbrauerei einen riesigen Biergarten für 6000 Menschen, einen Musikpavillon, einen Ballsaal und eine Kegelbahn.

Im neuen Biergarten, so der Plan, wird Platz sein für etwa 1500 Gäste. Eine amerikanische Brauerei aus Brooklyn stellt dann eigenes Bier her in einem von drei neu gebauten Häusern an der Prenzlauer Allee. Hinzu kommen ein öffentliches Schwimmbad und ein Kunsthaus, in dem der Kunstsammler Näder seine private Sammlung ausstellen wird, bei freiem Eintritt. „Bötzow wird spannend“, sagt Näder. „Und es wird nie ganz fertig sein.“ In den historischen Backsteinbauten der Brauerei errichtet der Geschäftsmann einen zweiten Standort seiner Firma Otto Bock mit Sitz in Duderstedt, Niedersachsen. Im Otto Bock Future Lab in Berlin werden sich ab dem Jahr 2017 künftig etwa 200 Mitarbeiter mit neuen Plänen und Konzepten für Rehabilitationstechnik und Orthopädie beschäftigen.

Etwa 40 Millionen Euro kostet der Umbau der denkmalgeschützten Gewölbe. Chipperfield lobt die Industrie-Architektur, die einfache Bauweise mit ihren klaren Strukturen.

Näder sucht die Nähe zur Kreativszene, schon Ende dieses Jahres zieht das Start-up-Unternehmen Fat Lab in die Brauerei, spezialisiert auf 3-D-Drucke. Weitere junge Unternehmen sollen folgen, Open Innovation Space wird dieser Teil des Bötzow-Projektes heißen. An der Saarbrücker Straße entsteht ein Boutique-Hotel mit Reha-Lofts für Patienten, Näder will sich in Berlin verstärkt dem Medizin-Tourismus widmen, Menschen mit Handicap aus aller Welt helfen. Seine High-Tech-Prothesen tragen auch Sportler bei den Paralympics. In der Bötzowbrauerei lässt Näder künftig hochmoderne Rollstühle in einer Manufaktur produzieren.

Doch diese Pläne seien nur die Spitze des Eisberges, sagt David Chipperfield und meint die riesige unterirdische Fläche von etwa 5000 Quadratmetern. Es sind die Gewölbekeller, in denen einst das Bier kühlte und lagerte. Nun werden daraus Orte für Manufakturen, Design und Kunst. Ein Restaurant-Markt wird eröffnen. Vorbilder sind der Chelsea Market in New York und der Camden Market in London. Ein unterirdischer Club wird eröffnen, vielleicht so wie einst der Techno-Club Deep. In einer Tiefgarage ist Platz für 200 Autos.

Insgesamt rechnet Näder mit Baukosten von etwa 250 Millionen Euro. Ende dieses Jahre beginnt der Umbau in drei Phasen. 2019, so sein Plan, soll alles fertig sein. Es wäre ein geschichtlich bedeutsames Jahr in der Familiengeschichte. Hundert Jahre wäre es dann her, dass Näders Großvater Otto Bock 1919 in Kreuzberg die Firma gründete, die heute 7000 Mitarbeiter in 50 Ländern beschäftigt.

Für den Masterplan Bötzow Berlin 2019 bekamen Näder und Chipperfield am Mittwoch viel Lob. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) sagte, er freue sich, dass ein Familienunternehmen das Areal entwickele, und nicht jemand, der nur die schnelle Rendite im Kopf habe.