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Prenzlauer Berg: Gut erhaltene Wohnungen werden abgerissen

Abriss erlaubt: An der Straßburger Straße entsteht ein Neubaublock.

Abriss erlaubt: An der Straßburger Straße entsteht ein Neubaublock.

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berliner zeitung/markus wächter

Es sieht aus, als wäre ein Haus explodiert, doch es ist ein ganz legaler Abriss. In der Straßburger Straße in Prenzlauer Berg werden jetzt die ersten von zwanzig gut erhaltenen Wohnungen abgetragen. Der Eigentümer der Wohnanlage, Rainer Bahr, will einen Neubau mit bis zu 150 Wohnungen und Dachgeschossaufbauten errichten. Auch eine Tiefgarage entsteht, dafür wurden 40 Bäume gefällt.

Mit den meisten Mietern der Abriss-Wohnungen hat sich Bahr gütlich geeinigt, sie zogen aus, es gab auch Kündigungen.

Die Anlage mit 110 Wohnungen wurde in den 60er-Jahren als Genossenschaftsanlage errichtet. Nach der Wende wechselten die Eigentümer mehrfach, 2010 kaufte Bahr das Areal.

Gegen seine Baupläne gab es jahrelangen Protest, Bezirkspolitiker verwehrten die Baugenehmigung. Bahr klagte vergangenes Jahr dagegen, ein Richter gewährte einen Anspruch auf Entschädigung in Millionenhöhe. Das wollte der Bezirk verhindern.

Ein gerichtlich bestätigter Vertrag zwischen dem Bezirk Pankow und dem Investor regelt nun das Bauverfahren und den Schutz der Mieter. Bahr darf abreißen, sein Bauantrag wird bis Mai genehmigt. Im Gegenzug verpflichtet sich der Investor, sieben Jahre auf modernisierungsbedingte Mieterhöhungen zu verzichten.

Viele Bewohner sind heute über 70 Jahre alt, sie wohnen bei einer Durchschnittsmiete von 4,37 Euro pro Quadratmeter noch sehr günstig. Bahr garantiert ihnen ein lebenslanges Wohnrecht.