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Pro und Contra: Lollapalooza im Treptower Park - fünf Gründe dagegen, fünf dafür

Feste feiern: Zum Lollapalooza 2015 kamen 45.000 Menschen.

Feste feiern: Zum Lollapalooza 2015 kamen 45.000 Menschen.

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imago/STAR-MEDIA

Diese Gründe sprechen gegen Lollapalooza im Treptower Park:

  • Naherholung adé

Anders als das Tempelhofer Feld ist der Treptower Park nahezu durchgängig eine Grünanlage und ein Naherholungsgebiet. Von Erholung kann allerdings keine Rede mehr sein, wenn wie geplant 70 Prozent des 88 Hektar großen Parks abgesperrt werden. Dem Berliner Grünanlagengesetz zufolge dürfen die Parkbesucher nicht „unzumutbar gestört werden“ - ganz zu schweigen vom Ruhebedürfnis am Sowjetischen Ehrenmal im Park, einer Gedenkstätte mit Kriegsfriedhof.

„Niemand wird dort auf den Gräbern tanzen“, verspricht Tommy Nick, Sprecher des Lollapalooza. Nur wer kontrolliert das? „Unbestritten ist, dass der Veranstalter zur Durchführung des Festivals verschiedene Auflagen zu erfüllen hat“, heißt es von Seiten des Bezirks. Konkrete Maßnahmen könnten aber noch nicht benannt werden.

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  • Erst renoviert, dann zertrampelt?

Umweltschützer sorgen sich angesichts des Lollapalooza nicht zuletzt um die Tiere und Pflanzen im Treptower Park. Aktuell wird dieser für mehr als 13 Millionen Euro saniert, Wege und Grünanlagen denkmalgerecht wiederhergestellt. Zudem ist der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts angelegt Park ein Gartendenkmal. Jede Nutzung muss so schonend erfolgen, dass die Natur „nicht beschädigt, verschmutzt oder anderweitig beeinträchtigt“ wird.

Erst im vergangenen Jahr hatte der Bezirk aus Sorge darüber verhindert, dass im Treptower Park die Neuauflage der Loveparade endete. Wie er nun angesichts von 45.000 Besuchern gesichert werden soll, ist noch völlig unklar. Zäune halten betrunkene Festivalbesucher erfahrungsgemäß nur selten auf - das zeigte sich schon 2013, als die britische Band The XX das Festival "Night + Day" im Spreepark feierte.

Damals schlugen sich bierselige Konzertgäste ungeachtet des Security-Personals durch die Büsche, um auf das baufällige Riesenrad zu klettern. Schon deshalb erscheint die Vergügungsruine im Plänterwald als Alternativort, wie aktuell durch die SPD in der Diskussion, nur wenig realistisch. Seitdem hat jedenfalls nie wieder ein Musiker das wildromantische Gelände genutzt.

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  • Ärger bei anderen Veranstaltern

Seit 19 Jahren gibt es im Treptower Park das Figurentheater Grashüpfer. Am 10. und 11. September hat das Ensemble anlässlich des Einschulungs-Wochenendes ein Extraprogramm für Familien geplant. Es gibt schon Verträge mit Künstlern. Jetzt weiß man dort nicht, ob die Umgebung ruhig genug sein wird für den Märchenabend. Und ob die Familien überhaupt hinfinden im Lollapalooza-Partytrubel. Am Wochenende davor ist übrigens das alljährliche Puppentheaterfestival geplant - auch hier befürchtet man Einschränkungen, weil für das Lollapalooza überall Zäune aufgebaut werden müssten.

Unverständlich erscheint die Politik des Bezirks auch für einige Partyveranstalter: Die Berliner Clubcommission etwa, die sich für den Erhalt der Clubkultur einsetzt, bemängelte, dass im Gegenzug kleine Open Airs nicht genehmigt würden. Warum ist es möglich, 40.000 Menschen auf der Wiese tanzen zu lassen, aber nicht 50? "Scheinbar haben Reiche mehr Recht auf Stadt", schrieb die CC bei Facebook.

#Lollapalooza im #TreptowerParkWieso kann ein Festival mit 40.000 Besuchern im Park stattfinden, ein #FreeOpenair mit...

Posted by Clubcommission Berlin on Montag, 15. Februar 2016

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  • Noch mehr Partytouristen in Kreuzberg

Sollte das Lollapalooza tatsächlich nach Treptow ziehen, soviel steht schon fest, würde die Puschkinallee gesperrt. Abgesehen davon, dass dadurch ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt beeinträchtigt wäre, droht damit auch eine Verlängerung der Partymeile auf der Schlesischen Straße. Schon jetzt sind die Sauftouristen, die vom U-Bahnhof Schlesisches Tor zum Bermuda-Dreieck rund um das Badeschiff ziehen, für die Kreuzberger Anwohner ein Ärgernis.

Mit dem Menschenstrom zum und vom Lollapalooza, das zeigte sich schon beim Berlin Festival auf dem Arena-Gelände, droht ihnen nun ein weiterer Anstieg von Lärm, Müll, Glasscherben und pöbelnden Horden.

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  • Es gibt genug Alternativen

Das Land Berlin ist vertraglich gebunden und daher gehalten, für die ursprünglich auf dem Tempelhofer Feld stattfindende Veranstaltung einen Ausweichort zu finden. Gemeinsam mit dem Veranstalter muss also eine Lösung her, um Schadenersatzansprüche in Millionenhöhe von Berlin abzuwenden. Kurz gesagt: Es bleibt dem Land eigentlich nichts anderes übrig, als sich den Interessen der Veranstalter zu beugen. 

Bei der Suche nach einem neuen Standort hätten die Berliner Behörden eine sehr große Hilfsbereitschaft gezeigt, sagte auch Festivalprogrammgestalter Stefan Lehmkuhl. Am Ende hätten die Organisatoren sogar unter mehreren Standorten  auswählen können – "obwohl es in Berlin ja nicht so viele große Flächen gibt". Umso mehr stellt sich die Frage, warum diese Alternativen angesichts der Treptow-Gegner nicht genauer geprüft werden.

Stattdessen erhöhte das Festival erst mal die Preise. Bis vor Kurzem konnten noch alle, die 2015 dabei waren, Tickets für 99 Euro buchen. Dieses Angebot gilt jetzt nicht mehr, auch das Early-Bird-Ticket zum Vorzugspreis von 119 Euro wird nicht mehr angeboten - obwohl bis heute keine offizielle Genehmigung für einen finalen neuen Standort vorliegt. Seit Montag kosten zwei Festival-Tage 139 Euro, einzelne Tage 79 Euro. Wer später bucht, zahlt sogar noch mehr (149 bzw. 159 Euro).

Lesen Sie auf der nächsten Seite fünf Gründe, die für das Lollapalooza im Treptower Park sprechen.

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