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Projekt 4531km EU: Wenn Berlins Kreative durch Europa reisen

Wieder zurück in Berlin, beim Kaffee in Mitte: Andreas Gebhard ist einer der kreativen Multiplikatoren der Stadt.

Wieder zurück in Berlin, beim Kaffee in Mitte: Andreas Gebhard ist einer der kreativen Multiplikatoren der Stadt.

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Markus Wächter

Herr Gebhard, Sie sind mit anderen Kreativen aus Berlin in einem Nightlinerbus unter dem Motto 4531km durch Europa gereist. Wie kam es zu diesem Projekt?

Die Idee von 4531km EU ist, unbekannte Orte, Städte und Personen in Ost- und Südosteuropa kennenzulernen – die Idee ist im Frühjahr diesen Jahres aus der Frage heraus entstanden, wie man interessante Orte wie Thessaloniki, Warna oder Bukarest auf kultureller Ebene miteinander verknüpfen kann. Wir haben Start-ups besucht, Museen, temporäre Kulturzentren, uns um Kulturelles aber auch um Digitalwirtschaftliches gekümmert.

Wer hat die Orte ausgewählt?

Eigentlich war der Plan, die Achse „Berlin – Thessaloniki“ zu bereisen, das haben wir im vergangenen Jahr schon mal für die Berliner Clubszene gemacht. In der Planungsphase ist uns aber klar geworden, dass wir in Berlin eine tolle und uneingeschränkte Möglichkeit haben, Dinge zu tun und kreativ zu sein und dabei andere Orte in Europa häufig ausblenden, die aber ganz eigene Szenen haben und unheimlich inspirierend sind. Wir haben auch ein bisschen eine Bringschuld, weil in vielen Ländern, in denen wir waren, der Frust gegen die EU und gegen Deutschland sehr stark zu spüren war.

Haben Sie da etwas gutzumachen?

Ich glaube schon, dass man die osteuropäischen EU-Länder seit ihrem Beitritt einfach links liegen gelassen hat. Von Schuld würde ich aber nicht sprechen wollen – mehr von ungenutzten Potenzialen.

Griechenland kann man da aber nicht dazurechnen.

Na ja, jedes Land ist anders. Das haben wir auf der Reise noch mal deutlich gesehen. Die Leute, die wir auf der Tour getroffen haben, haben sich auch sehr gefreut, dass wir uns für sie und ihre Arbeit interessieren. Wenn wir aber auf das Thema EU zu sprechen kamen, gab es fast überall große Skepsis bis hin zur Ablehnung. Das politische Konstrukt ist vorhanden, aber ich finde es wichtig, dass man sich mehr mit den Menschen vernetzt auf einer kreativen und gesellschaftlichen Ebene und wir wiederum diese Kontakte in unsere Lebens- und Arbeitswelt aufnehmen. Das ist doch schließlich auch der Grundgedanke der Europäischen Union. Wir wollen auch so viele Leute wie möglich nach Berlin einladen im Frühjahr 2015 wenn wir den Dokumentarfilm, den wir auf der Tour gedreht haben, vorstellen werden.

Den man ja auch im Stream live sehen konnte.

Genau. Aber nur in Ausschnitten. Wir haben viel spannendes Material, das die Tour noch mal in einen anderen Zusammenhang setzt. Ich bin sehr gespannt auf das Ergebnis.

Wer ist mitgefahren?

Zum Beispiel Ansgar Oberholz, der Betreiber des St. Oberholz, Johanna Wallenborn, die den temporären Space „Lehrter 17“ betreibt. Andreas Krüger, der viel in der Stadt unterwegs ist, was Nutzung und Raumkonzepte angeht. Dann verschiedene Leute aus dem Co-Working-Bereich, zum Beispiel der Entrepreneur Pedro Jardim, die Designerin Claudia Brückner, mit der ich mir die Tour ausgedacht habe, die Modedesignerin Schrüppe Macintosh, die auf ihrem Gebiet, dem Re- und Upcycling viele Kontakte hat, und Alice Grindhammer, die sich mit der Abfallwirtschaft beschäftigt.

Sind das alles Themenbereiche, die in den anderen Städten, in denen Sie waren, ebenfalls eine so große Rolle spielen wie in Berlin?

Ja, das war nicht so exotisch. Bukarest hat zum Beispiel den Anspruch für sich, das neue Berlin zu sein, aber mit einer Pariser Verwaltung – sprich viel Bürokratie. In Städte wie dem rumänischen Cluj, ehemals Klausenburg, haben wir gesehen wie wichtig Kulturorte als Anziehungspunkt für Städte sind. Da gab es sehr hochwertige Kunst, aber das ist da natürlich anders als in Bukarest etwas sehr Besonderes weil es keine so große Stadt ist.

Sie sind zurück seit rund drei Wochen, wie geht es jetzt weiter?

Wir stellen die Dokumentation fertig, die wir im Frühjahr vorstellen. Wir müssen die Situation erstmal sacken lassen und werden dann natürlich die geknüpften Kontakte auffrischen und demnächst schon etwas präsentieren können. Wir haben in Bukarest tolle Musik gehört – rumänischen Gangster-Rap – der wird nun hier in Berlin für ein Filmprojekt verwendet. Das sind ganz einfach Sachen die wir in unsere Arbeit integrieren. Aber wir wollen auch auf anderen Gebieten Sachen miteinander verknüpfen. Das war ein super Projekt und hat auch toll funktioniert. Es lief alles sehr problemlos und ging wirklich schnell vorüber. Am Ende der Reise haben wir uns alle gefragt, wo die Zeit geblieben ist. Wir haben zudem im Vorfeld der Tour eine Software entwickelt, mit der wir die Social Media Aktivitäten der Tourteilnehmer gesammelt und auf unserer Webseite www.4531km.eu veröffentlicht haben. Hier kann man genau sehen, was wir wann gemacht haben. Dieses Wordpress-Plugin stellen wir auch in Kürze als Open Source Software der Allgemeinheit zur Verfügung.

Wer hat das eigentlich finanziert?

Wir waren in der glücklichen Lage, dass uns das MIZ (Medien Innovations Zentrum Babelsberg) unterstützt hat und einzelne Sponsoren.

Interview: Marcus Weingärtner



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