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Berliner Zeitung | Projekt an Schulen: Wenn Schüler radikal werden
28. September 2015
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Projekt an Schulen: Wenn Schüler radikal werden

Salafisten berufen sich auf die radikalen Lehren der Altvorderen des Islam, die zur Zeit Mohammeds lebten.

Salafisten berufen sich auf die radikalen Lehren der Altvorderen des Islam, die zur Zeit Mohammeds lebten.

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dapd

Immer wieder berichten Lehrer von muslimischen Schülern, die sich radikalisieren, durch antisemitische Aussagen auffallen oder sich gar dem Salafismus zuwenden. Deshalb wird nun im Auftrag der Bildungsverwaltung an einer Handreichung für die Schulen gearbeitet. Darin sollen Pädagogen konkrete Tipps erhalten, wie sie mit solchen Schülern umgehen sollten.

Gut 25 Lehrer von mindestens 15 Oberschulen, die an dem neuen Projekt „Aktiv gegen Salafismus und Antisemitismus“ teilnehmen, sollen binnen zwei Jahren die Grundlagen erarbeiten. Das Modellprojekt von Bildungsverwaltung, Landesinstitut für Schule und Medien (Lisum) und American Jewish Committee startete bereits am Montag.

„Es geht darum, dass Lehrer mit festem Standpunkt die demokratischen Werte vertreten und dabei mit den betreffenden Schülern in einen Dialog treten“, sagte Michael Rump-Räuber vom Lisum. Handlungsbedarf bestehe etwa, wenn Schüler die Attentate auf die Satirezeitschrift Charlie Hebdo in Paris rechtfertigten, Mitschülerinnen auffordern, sich zu verschleiern – oder Israel das Existenzrecht absprechen. Auch gebe es Schülerinnen, die sich das archaische Frauenbild des Salafismus zum Vorbild nehmen. Hier sollen Lehrer auf die vom Grundgesetz garantierte Gleichberechtigung von Mann und Frau verweisen.

Mangelnde Geborgenheit und Akzeptanz

„Der Salafismus gilt als die am stärksten wachsende islamistische Strömung in Deutschland“, sagte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD). „Unsere Aufgabe ist es, die Lehrkräfte im Umgang damit zu stärken und Strategien für das Verhalten der Pädagogen zu entwickeln.“ Aus dem Lisum hieß es, dass der Salafismus oft Jugendliche anspreche, die in ihrem Elternhaus keine Geborgenheit und Akzeptanz erfahren würden. Gerade in der Pubertät würden Jugendliche den extremen Islamismus auch zur Identitätsfindung und zur Abgrenzung nutzen.

Die 25 Lehrer werden sich zunächst, angeleitet auch von Experten des American Jewish Committee, mit den Grundlagen des Salafismus und Präventionsmöglichkeiten beschäftigen. Es geht auch darum, Propagandafilme, die auf dem Smartphone abgespielt werden, zu erkennen. Nach zwei Jahren soll Unterrichtsmaterial an einzelnen Schulen erprobt werden, die schließlich per Handreichung auf alle Schulen übertragen werden sollen.

Die Bildungsverwaltung unterstützt auch eine Fachtagung zu „Radikalisierungstendenzen im Islam“, die am 18. November im Roten Rathaus stattfindet. Daran beteiligen sich auch die AG Kinderschutz, Familiengerichte und die Polizei.