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Berliner Zeitung | Proteste Tunnelraub Steglitz: Bank soll Fundstücke herausgeben
14. January 2014
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Proteste Tunnelraub Steglitz: Bank soll Fundstücke herausgeben

Tunnelraub von Steglitz: Die geschädigten Kunden werfen der Volksbank Versäumnisse vor.

Tunnelraub von Steglitz: Die geschädigten Kunden werfen der Volksbank Versäumnisse vor.

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Christian Mang

Berlin -

Wer immer schon mal wissen wollte, wie Menschen aussehen, die in ihrer zweiten Lebenshälfte das erste Mal auf eine Demonstration gehen, der konnte sich am Dienstag ein Bild davon machen. Rund 30 Personen, viele davon jenseits der 60, demonstrierten vor der Filiale der Berliner Volksbank an der Schlossstraße in Steglitz. Die war genau vor einem Jahr von Räubern heimgesucht worden, die dafür einen Tunnel bis unter den Tresorraum gegraben und dort 309 Schließfächer aufgebrochen hatten.

Nein, sagte Demo-Anmelderin Sigrid Sieben mit einer Tüte voller Trillerpfeifen in der Hand, sie sei tatsächlich noch nie auf einer Demonstration gewesen. Aber jetzt.

Es geht um Geld. Ihr eigenes. Sigrid Sieben gehört zu jenen 80 Prozent Schließfachinhabern, die keine separate Versicherung dafür abgeschlossen hatten und deswegen noch nicht entschädigt wurden. 1 500 Fundstücke wurden nach dem Raub gefunden, viele waren durch ein Feuer zerstört. Hinzu kommt eine nicht genannte Menge an Münzen und Bargeld. All dies wurde den nicht versicherten Besitzern bisher nicht zurückgegeben. Man könne ja nicht wissen, wem was gehöre, sagt das Management.

„Wir fordern die Herausgabe der Fundstücke und des Bargeldes“, stand auf einem Transparent, „Wir fordern endlich Entschädigung“, auf einem anderen. Vor allem aber habe man „genug vom Schweigen und der Ignoranz“ der Bank. Man wolle Lösungsvorschläge sehen.

Zuvor hatte ein Rechtsanwalt allerlei rhetorische Fragen gestellt. Sei es nicht so, dass die Bank es vielfach versäumt habe, ihre Kunden auf eine Schließfach-Versicherung hinzuweisen? Habe der Sicherheitsdienst nicht vielleicht seine Sorgfaltspflichten verletzt, als am Sonnabend vor Auffliegen des Raubes ein Alarm ausgelöst wurde, der Sicherheitsmann dem aber nicht engagiert genug nachgegangen sei? Bekanntlich hatten die Räuber das Wochenende lang Zeit, die Fächer aufzumachen – erst am Montagmorgen wurde der Coup entdeckt. Gebe es vielleicht Lücken im Sicherheitssystem der Bank, fragte der Anwalt. Oder sei es wirklich Zufall, dass die Gangster nur an einer offenbar nicht adäquat gesicherten Stelle des Tresorraums geplündert hätten? Viele Fragen und kaum Antworten.