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Prozess gegen Flugschüler: Gewalt-Drama über den Wolken

Ende eine Flugstunde: Diese Cessna überschlug sich am 21. Juni 2013 nach einer Notladung auf einem Acker bei Bienenwerder im Oderbruch.

Ende eine Flugstunde: Diese Cessna überschlug sich am 21. Juni 2013 nach einer Notladung auf einem Acker bei Bienenwerder im Oderbruch.

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dpa

Frankfurt (Oder) -

„Ich schaue nicht in die Taschen oder Beutel meiner Flugschüler, ich muss ihnen schließlich vertrauen können.“ Winfried G. sagt diesen Satz am Montag vor der 2. Strafkammer des Landgerichts in Frankfurt (Oder). Er ist 73 Jahre alt, 30 Jahre lang war er Offizier der Luftstreitkräfte. Und so etwas wie Angst kannte der Mann, der heute zusammen mit seiner Ehefrau eine Flugschule in Strausberg (Märkisch-Oderland) betreibt, nach eigenen Angaben bisher nicht. Bis zu jenem Junitag im vergangenen Jahr. Als sein Flugschüler Kleomenis S. in einer Tasche einen ein Kilogramm schweren Stein in die Übungsmaschine geschmuggelt und damit auf Winfried G. eingeschlagen haben soll. Schüler und Lehrer saßen zusammen in einer Cessna, die sich zu diesem Zeitpunkt in etwa 1500 Metern Höhe befand. „Ich habe nur gedacht, jetzt hat mein letztes Stündlein geschlagen“, erzählt Fluglehrer Winfried G.

Kleomenis S. ist an diesem ersten Verhandlungstag fast ganz in Schwarz gekleidet: schwarze Jeans, schwarzes Jackett, schwarze Weste über dem weißen Hemd. Der hagere Mann ist griechischer Staatsbürger, und man sieht es der weiten Kleidung des 1,85 Meter großen Mannes an, dass er einmal mehr gewogen haben muss. Zur Tatzeit soll er wesentlich kräftiger gewesen sein und um die 100 Kilogramm auf die Waage gebracht haben.

Daumen in beide Augen

Der 51-Jährige gibt an, Schuhdesigner zu sein und in Berlin, Griechenland, New York und London gelebt zu haben. Ein Lebensstil, der so gar nicht zu den Taten passen will, die ihm die Staatsanwaltschaft zur Last legt. Unter die Zuhörer haben sich an diesem Tag auch die 85-jährige Mutter des Angeklagten gemischt, die extra aus Griechenland angereist ist, und seine Schwester, die in Kanada lebt und dort Oberst der Luftwaffe ist. Für sie sitzt Kleomenis S. seit sechs Monaten unschuldig in Untersuchungshaft. „In unserer Familie gibt es keine Mörder“, sagt die Schwester.

Der Staatsanwalt geht jedoch davon aus, dass Kleomenis S. versucht hat, Winfried G. aus niederen Beweggründen und Heimtücke zu ermorden. Er wirft ihm zudem gefährliche Körperverletzung und einen Angriff auf den Luftverkehr vor. Der Angeklagte habe die viersitzige Cessna in seine Gewalt und zum Absturz bringen wollen, um sich selbst und den Fluglehrer zu töten. Er soll bei seiner zweiten Flugstunde am 21. Juni 2013 dem neben ihm sitzenden, ahnungslosen Winfried G. einen Stein mindestens dreimal gegen den Kopf geschlagen haben.

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