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Prozess wegen Tötung in Klosterruine in Mitte: Israeli starb an massiver Kopfverletzung

Fation D. sitzt seit April in Untersuchungshaft und nun vor Gericht.

Fation D. sitzt seit April in Untersuchungshaft und nun vor Gericht.

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Berliner Zeitung/Katrin Bischoff

Als Yosi D. am frühen Ostersonntag des vergangenen Jahres in der Ruine der Franziskaner-Klosterkirche in Mitte gefunden wurde, wies seine Leiche schwerste Kopfverletzungen auf. Das Schädeldach des 22-jährigen Israeli war zerstört. Die Gerichtsmediziner stellten später zudem einen Berstungsbruch an der Schädelbasis und eine massive Verletzung des Hirn- und Schlagadersystems fest. Der Unterkiefer und das Jochbein waren gebrochen, die Ohren nicht mehr vollständig. So erzählt es die Pathologin an diesem Dienstag am Landgericht. Die Medizinerin schließt weitestgehend aus, dass solche Verletzungen von einem Sturz herrühren. Sie spricht von massiver stumpfer Gewalt, von Tritten gegen oder Sprünge auf den Kopf. Damit widerspricht sie klar der Aussage von Fation D. zum Tathergang, der das Opfer nach einem Angriff lediglich niedergerungen haben will.

Der 28-jährige Albaner Fation D. muss sich wegen Totschlags vor Gericht verantworten. Er soll laut Anklage am 4. April dieses Jahres in Tötungsabsicht auf den am Boden liegenden Israeli eingetreten haben.

Der Koch hat in einer Stellungnahme, in der er sich an diesem Dienstag über seinen Anwalt erstmals zu den Vorwürfen geäußert hat, Tritte oder Schläge gegen das Opfer bestritten. Der Mann, der seit frühester Jugend in den USA gelebt hatte, verlor 2013 nach einer Trunkenheitsfahrt seine Greencard und wurde nach Albanien zurückgeschickt. Er erzählt, dass er am 3. April wegen eines Jobangebots nach Berlin gekommen und in einem Hostel am Alexanderplatz abgestiegen sei – im selben Zimmer wie Yosi D., der angegeben habe, Brasilianer zu sein.

"Bin in Panik geraten"

Nach Angaben des Angeklagten trank man am nächsten Tag auf dem Alexanderplatz Bier und Schnaps. Yosi D. soll dann den Vorschlag gemacht haben, in die Ruine zu gehen, um dort ungestörter weitertrinken zu können. Als die Flaschen leer waren, will der Angeklagte vorgeschlagen haben, in eine Kneipe weiterzuziehen. Doch Yosi D. habe kein Geld gehabt und ihn aufgefordert, für beide zu bezahlen. Der Angeklagte will das abgelehnt haben. Daraufhin soll Yosi D. ihn plötzlich angegriffen und am Hals gepackt haben.

Fation D. gibt an, in Panik geraten zu sein. Wie beim Wrestling habe er den Widersacher an der Taille gepackt und sich mit ihm nach hinten fallen lassen. „Ich kam auf dem Rücken zu liegen“, so der Angeklagte. Er habe Yosi D. von sich geschoben und dabei ein Knacken gehört. Der Mann habe verrenkt dagelegen, und er habe in Panik seinen Cousin in Tschechien angerufen. „Ich bedaure zutiefst, dass der junge Mann ums Leben gekommen ist“, sagt der Angeklagte. Er sei kein gewalttätiger Mensch, konnte bisher jeden gewalttätigen Streit vermeiden. „Nur dieses eine Mal nicht.“

Kein Motiv für die Tat erkennbar

Fation D. floh nach der Tat nach Tschechien, wo er sechs Tage später festgenommen wurde. Die Ermittler vermuteten zunächst einen homophoben Hintergrund, worauf das abgehörte Telefonat mit dem Cousin hingedeutet haben soll. Yosi D. war homosexuell. Das Gericht erklärte jedoch zu Prozessbeginn, es gebe noch kein Motiv für die Tat. Der Angeklagte selbst machte keine Angabe dazu, ob er von der Homosexualität des Opfers wusste.

Yosi D. hatte bei seinem Tod weit über zwei Promille Alkohol im Blut und zuvor offenbar auch Ecstasy und Kokain konsumiert. Er stammte, so heißt es, aus einer streng religiösen israelischen Familie und fühlte sich, so geht aus der Aussage eines Zeugen aus Mannheim hervor, zunehmend allein.

Von seiner Familie hat sich bisher niemand gemeldet, um als Nebenkläger am Prozess teilzunehmen.


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