14.02.2012

Qualifizierung von Arbeitslosen: Berlin arbeitet am Job-Wunder

Von Jan Thomsen
Die Berliner Arbeitssenatorin Dilek Kolat (SPD) will durch Qualifizierung die Zahl der Langzeitarbeitslosen senken.
Die Berliner Arbeitssenatorin Dilek Kolat (SPD) will durch Qualifizierung die Zahl der Langzeitarbeitslosen senken.
Foto: dpa
Berlin –  

Die Berliner Arbeitssenatorin Dilek Kolat (SPD) will die Zahl der Langzeitarbeitslosen senken. Dabei setzt sie auf Qualifizierung statt Beschäftigungsmaßnahmen.

Das Land Berlin will in enger Zusammenarbeit mit dem Bund seine Arbeitsmarktpolitik komplett umstellen und die verfestigte Dauerarbeitslosigkeit in der Hauptstadt sukzessive auflösen. „Wir müssen umdenken“, sagte die neue Arbeitssenatorin der rot-schwarzen Landesregierung, Dilek Kolat (SPD), im Interview mit der Berliner Zeitung. Statt teurer Beschäftigungsmaßnahmen wie noch unter der rot-roten Vorgängerregierung, etwa beim öffentlich geförderten Beschäftigungssektor, setze sie auf „zielgenaue, intelligente Qualifizierung“, sagte Kolat. Ihre Behörde arbeite dazu ein Konzept namens „Berlin Arbeit“ aus, dass voraussichtlich im April vorgestellt werden soll.

Berlin hat nach jüngsten Zahlen mit 13,2 Prozent zwar immer noch die zweithöchste Arbeitslosenquote unter den Bundesländern. Allerdings liegt die Hauptstadt damit erstmals seit langem vor Mecklenburg-Vorpommern mit 14,0 Prozent. Der Bundesdurchschnitt liegt bei 7,3 Prozent.

Für Langzeitarbeitslose Perspektiven schaffen

Eines der bereits angelaufenen gemeinsamen Arbeitsmarktprojekte von Land und Bund ist die „Berliner Job-Offensive“, die im Juni vorigen Jahres begann: Für rund 65.000 Arbeitslose mit guten Chancen auf einen regulären Job wurden die Vermittlungsbemühungen massiv in den Jobcentern der Regionaldirektion Berlin-Brandenburg verstärkt. So wurden 350 neue Arbeitsvermittler eingestellt und die Betreuungsquote für die Zielgruppe mehr als verdoppelt: Ein Arbeitsvermittler kümmert sich im Rahmen der Job-Offensive nur um rund hundert statt um 200 bis in Spitzenzeiten 250 Erwerbslose. Der Erfolg ist beachtlich: Knapp 28.000 ehemalige Hartz-IV-Empfänger konnten in den ersten acht Monaten in den ersten Arbeitsmarkt vermittelt werden. Die Job-Offensive, die bis 2013 läuft, kostet 48 Millionen Euro. Berlin zahlt davon 15 Prozent.

Senatorin Kolat kritisierte die massive Kürzung der Bundesmittel für Berlins Arbeitsmarktpolitik von 677 auf 418 Millionen Euro in nur zwei Jahren als „Kahlschlag“. Dennoch wolle sie auch für sogenannte marktferne Langzeitarbeitslose Perspektiven auf reguläre Jobs schaffen, erklärte sie.

Auch Initiativen für Schulabgänger

Länger als ein Jahr erwerbslos sind in der Hauptstadt derzeit 75.000 Menschen, mit sinkender Tendenz. Kolat sagte, sie verhandele mit dem Bundesarbeitsministerium von Ursula von der Leyen (CDU) und der Bundesarbeitsagentur derzeit über 7000 neue Beschäftigungsmaßnahmen mit einem Schwerpunkt auf „echte Qualifizierung“, wie die Senatorin betonte. Zu 30 Wochenstunden gemeinwohlorientierter Arbeit für einen Lohn von 7,50 Euro sollen zehn Stunden Qualifizierung kommen, die die Chancen auf dem ersten Arbeitsmarkt erhöhen müsse. „Dazu braucht man eine genaue Analyse, welchen Bedarf es gibt und wer dafür in Frage kommt“, sagte Kolat. Zudem müsse es künftig für absolvierte Fort- und Weiterbildung „zertifizierte Abschlüsse“ geben, mit denen sich die Menschen dann auf dem ersten Arbeitsmarkt bewerben. Als Beispiel nannte Kolat den steigenden Personalbedarf etwa in Kindertagesstätten und in Altenpflegeeinrichtungen.

Auch für Berlins Schulabgänger und für junge Menschen ohne Ausbildungsplatz kündigte Kolat Initiativen an. Sie wolle in Unternehmen „Klinken putzen gehen“, um für mehr Lehrstellen zu werben. Gerade für die rund 20.000 unter 25-Jährigen, die teils seit Jahren ohne Lehrstelle sind, werde sie sich einsetzen: Etwa durch das Angebot an kleine und mittlere Betriebe, arbeitslose Jugendliche von Mentoren betreuen zu lassen, wenn sie im Gegenzug einen Ausbildungsplatz erhalten.

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