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Radfahren erlaubt: Berlins Gehwege werden bald noch voller

Wenn sich Radfahrer und Fußgänger begegnen, sollte jeder umsichtig sein.

Wenn sich Radfahrer und Fußgänger begegnen, sollte jeder umsichtig sein.

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Berliner Zeitung/Paulus Ponizak

Auf Gehwegen könnte es bald noch voller werden. Der Bund will die Bürgersteige für Radfahrer freigeben, die radelnde Kinder begleiten – und der Senat findet das gut. „Dies sehen wir vom Grundsatz her eher positiv“, sagte Petra Rohland, Sprecherin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung.

Auf Fußgänger müsse natürlich Rücksicht genommen werden. In der Praxis funktioniert das aber schon heute nicht immer, wie eine aktuelle Bilanz der Berliner Polizei zeigt. Sie hat im vergangenen Jahr 469 Unfälle zwischen Radfahrern und Fußgängern registriert. 34 Fußgänger wurden schwer, weitere 299 leicht verletzt, hieß es. Im Vergleich zu 2014 ist das ein leichter Rückgang.

Es ist ein Thema, das täglich in Berlin für Streit sorgt. Bernd Zanke, der beim Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) für die Verkehrssicherheit zuständig ist, hat immer wieder damit zu tun. „Radfahrer fahren verbotenerweise auf dem Gehweg, Fußgänger gehen unachtsam über die Fahrbahn oder den Radweg“ – und schon kommt es zur Kollision. Es ist keine einfache Gemengelage, weiß Verkehrs-Staatssekretär Christian Gaebler.

Oft sind Fußgänger schuld

„Nicht nur Kreuzberger Kampfradler sind auf Gehwegen unterwegs, auch immer mehr Ältere – oft vermutlich dieselben, die sich gerade erst über Gehwegradler aufgeregt haben“, sagt der SPD-Politiker.

50,32 Prozent der Unfälle mit Fußgängern wurden von den beteiligten Radlern verschuldet oder mitverschuldet, teilte die Polizei mit. Das bedeutet: Nicht selten sind die Fußgänger verantwortlich. Und auch Radfahrer erlitten Schäden: 17 Radler wurden schwer, 228 leicht verletzt. Klar ist außerdem: Immer noch werden Kraftfahrzeuge Fußgängern viel häufiger gefährlich als Radler. „Radfahrer auf Gehwegen verursachen nur drei Prozent der Fußgängerunfälle“, sagt Zanke.

Doch die Dunkelziffer ist hoch, so die Polizei. Nicht jeder Unfall werde angezeigt, schon gar nicht jeder Beinaheunfall. Auch wenn die objektiven Zahlen niedrig sind, subjektiv ist es oft anders. Das Gefühl der Bedrohung ist bei vielen Fußgängern da, wenn ihnen jemand auf dem Gehweg entgegenrast. Die vom Bund geplante Änderung der Straßenverkehrsordnung wird wohl dazu führen, dass der Schonraum Gehweg weiter entwertet wird.

Derzeit ist es noch so: Kinder bis zum vollendeten achten Lebensjahr müssen, ältere Kinder bis zum zehnten vollendeten Lebensjahr dürfen mit Fahrrädern Gehwege benutzen, Erwachsenen ist es verboten. „Das führt häufig zu Problemen. Das Kind fährt auf dem Gehweg, der Erwachsene begleitet auf der Straße“, heißt es im Bundesverkehrsministerium. Künftig soll eine Aufsichtsperson ebenfalls den Gehweg benutzen dürfen. Dies erhöhe die Sicherheit der Kinder auf dem Fahrrad, so der Bund. Die Aufsichtsperson muss über 16 Jahre alt sein.

„Durch die Zulassung der Begleitung kann die Aufsichtspflicht besser gewahrt werden, dadurch wird auch die Verkehrssicherheit erhöht“, sagte Petra Rohland. „Die Eltern werden somit auch nicht dazu gedrängt, eine Ordnungswidrigkeit zu begehen. Auf zu Fuß Gehende ist laut der Vorschrift auch weiterhin besondere Rücksicht zu nehmen.“