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Radler-Autobahn von Zehlendorf bis zum Gleisdreieck: So könnte der Fahrrad-Highway in Berlin aussehen

Zukunftsmusik: Die Simulation eines Fahrrad-Schnellwegs ins Berlin.

Zukunftsmusik: Die Simulation eines Fahrrad-Schnellwegs ins Berlin.

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CDU Steglitz-Zehlendorf/Staubach + Kuckertz Architekten

Die CDU Steglitz-Zehlendorf unterstützt den Plan, einen Fahrrad-Highway vom Potsdamer Platz in den Südwesten Berlins zu bauen. Doch dabei sollte es nicht bleiben, sagte Thomas Heilmann, Kreisvorsitzender und Berliner Justizsenator, am Mittwoch. Er präsentierte ein Konzept, das entlang der Route auch bewachte Fahrradparkhäuser und Servicestationen vorsieht. Mit der Gestaltung des Projekts betraut sind die Architekten von Staubach und Kuckertz.

Für den kreuzungsfreien Radschnellweg soll die stillgelegte Stammbahn neben der S 1, auf der einst Züge nach Potsdam fuhren, genutzt werden. Die Möglichkeit, die Strecke in Zukunft wieder in Betrieb zu nehmen, soll dabei erhalten bleiben, so Heilmann. Auch der Senat und die Bahn unterstützen das Projekt, das im Innovationszentrum für Mobilität und gesellschaftlichen Wandel konzipiert worden ist. Bis Lichterfelde West könnte der Fahrrad-Highway 2020 fertig sein.

Ein Fahrrad-Schnellweg für Berlin
Berlin, 23. September 2015: Justizsenator Thomas Heilmann stellt das Konzept einer Fahrrad-Autobahn im Berliner Süd-Westen vor.

Wo genau soll die Strecke gebaut werden? Auf der sogenannten Stammbahn. Diese wurde am 22. September 1838 als erste Eisenbahnstrecke Preußens zwischen Potsdam und Zehlendorf eröffnet. Nach dem Reichsbahnerstreik vom September 1980 wurde der Verkehr eingestellt. Der Radweg würde entlang der alten Schienentrassen vom S-Bahnhof Zehlendorf über Lichterfelde West, die Feuerbachstraße in Steglitz, die Schöneberger Crellestraße, den Wannseebahngraben über die Yorckstraße bis hin zum Gleisdreieck führen.

Was soll genau gebaut werden? „Ein kreuzungsfreier und sicherer Highway für Radfahrer, vor allem attraktiv für Berufspendler“, so Justizsenator Thomas Heilmann. Er stellte als Vorsitzender des ansässigen CDU-Kreisverbandes am Mittwoch das Projekt vor. Die Idee für den Fahrradschnellweg stammt vom Innovationszentrum für Mobilität und gesellschaftlichen Wandel (InnoZ), das auf dem EUREF- Campus am Schöneberger Gasometer ansässig ist.

An der beleuchteten Strecke, für die Brücken über Schienen und Straßen errichtet werden müssten, sollen auch Servicestationen mit Toiletten, Rad-Werkstätten, Verleihstationen, Umkleiden, Duschen und Cafés gebaut werden. An S-Bahnhöfen neben der Bahn soll es Ladestationen für die wachsende Zahl der Elektroräder geben.

Was kostet das Projekt? Angedacht ist eine Privatfinanzierung. Die Grundinfrastruktur, also die Strecke an sich, soll nach Heilmanns Vorstellungen mit dem Stadtwerbevertrag 2018 ausgeschrieben werden. Heißt: Ein großer Außenwerber wie Stroer, die Wall AG oder JCDecaux würden die Rad-Tangente finanzieren und dafür große Werbetafeln neben der Bahn errichten dürfen. Die Reinigung oder Schneebeseitigung im Winter würde aus den Mieteinnahmen der Gewerbetreibenden an der Straße refinanziert.

Was passiert mit der Stammbahn? Ob sie kommt, steht in den Sternen. Eine Sanierung der Anlagen und Inbetriebnahme kommt nicht vor 2030 in Frage und würde die Deutsche Bahn mehrere Millionen Euro kosten. Jens Klocksin von der Bürgerinitiative Stammbahn ist dennoch überzeugt, dass eine „Zwischennutzung“ durch den Bau der Rad-Trasse die Option auf späteren Bahnverkehr zunichtemachen würde.

Was bringt der Radweg? Heilmann: „Eine Entlastung der S-Bahn und der Straßen. Ich verspreche: Über die Strecke wird man in Zukunft per Rad schneller am Potsdamer Platz sein als mit dem Auto.“