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Razzia in Neukölln: "Reichsbürger" hortet Chemikalien

Bei einer erneuten Razzia in Neukölln wurden tonnenweise Chemikalien gefunden.

Bei einer erneuten Razzia in Neukölln wurden tonnenweise Chemikalien gefunden.

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Steffen Tzscheuschner

Berlin -

Polizisten haben erneut das illegale Chemikalienlager eines Mannes in Neukölln durchsucht. Schon seit Dienstag sind Umweltpolizei und Umweltamt dabei, auf dem Gewerbegrundstück an der Neuköllnischen Allee tonnenweise Chemikalien abzutransportieren, die der 33-Jährige gehortet hat. Eine Spezialfirma pumpt nach Angaben eines Polizeisprechers Tanks mit gefährlichen Flüssigkeiten leer.

Bereits am 25. April waren Polizei und Feuerwehr bei dem 33-jährigen Daniel S. vorgefahren, weil sie von der Steuerfahndung um Hilfe gebeten worden war.  Der 33-Jährige  betrieb dort einen Technikhandel für Feuerwerk, Chemie und Sprengungen. Seit 15 Jahren zahlte er keine Steuern, weil er sich als „Reichsbürger“ bezeichnete.

Selbsternannte „Republik Freies Deutschland“

„Reichsbürger“ sind eine Sekte aus Verschwörungstheoretikern, Esoterikern und Nazis, die glauben, dass das Deutsche Reich fortbesteht und die Bundesrepublik für ein illegales Konstrukt halten. Deshalb weisen sie sich nicht nur mit selbstgemachten Phantasieausweisen aus sondern ignorieren  auch sämtliche amtlichen Bescheide. 

Seit Anfang Mai bezeichnet sich diese Gruppierung als „Republik Freies Deutschland“, die sie nach eigenen Angaben auch bei den Vereinten Nationen als selbstständigen Staat angemeldet hat.

Sein Gewerbegrundstück betrachtet Daniel S. als exterritoriales Gebiet, das nicht zur Bundesrepublik Deutschland gehört.

Dem Finanzamt hatte er gedroht, Vollstreckungshandlungen „mit allen verfügbaren“ Mitteln zu verhindern und die Beteiligten „dauerhaft aus dem Verkehr“ zu ziehen. Deshalb das Amt ihn für gefährlich hält und die Polizei um Amtshilfe bat. Nach Angaben der Polizei wird geprüft, ob der 33-Jährige einem Amtsarzt vorgestellt wird, der seinen psychischen Zustand begutachten soll.

Gefährliche Entdeckung

Auf dem völlig vermüllten Areal des Mannes fanden die Beamten zahlreiche Fässer mit Chemikalien. In einem alten Kriegsbunker wurden zudem große Mengen an Pyrotechnik gefunden. Die Chemikalien seien geeignet für den Bau von Sprengsätzen, sagte der Polizeisprecher. Die Entsorgungsmaßnahmen werden nach seinen Worten auch bis in die nächste Woche andauern. „Wahrscheinlich muss auch noch das verseuchte Erdreich abgetragen werden“, sagte er.