09.01.2012

Rechter Terror: Mordeten Neonazis auch in Berlin?

Von Andreas Kopietz
Unbekannte zerstörten die Marmorplatte auf dem Grab von Heinz Galinski mit einem Sprengsatz.
Unbekannte zerstörten die Marmorplatte auf dem Grab von Heinz Galinski mit einem Sprengsatz.
Foto: dpa
Berlin –  

Das Berliner Landeskriminalamt prüft, ob die Zwickauer Terrorzelle auch in Morde und Überfälle in Berlin verstrickt ist. Eine eigens gegründete Informationsstelle des Staatsschutzes wertet dazu alle ungelösten Fälle zwischen 1998 und 2011 aus.

Der Täter machte offenbar keine großen Worte und tötete den Zeitungshändler mit einem Schuss in die Stirn. Nachbarn fanden die Leiche des 51-Jährigen Jugosloven Ignajtovic am Morgen des 13. März 2000 in dessen Laden an der Weddinger Eulerstraße. Nichts war geraubt worden, die Motive blieben bis heute im Dunkeln. Der Mann, der seit 30 Jahren in Deutschland lebte, war Jugoslawe – ein Ausländer. Möglicherweise war das der Grund, warum er sterben musste.

Rechter Terror ist nicht neu

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Nachdem im November bekannt wurde, dass offenbar eine rechte Terrorgruppe namens „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) aus Ausländerhass bundesweit Morde und Sprengstoffanschläge sowie Banküberfälle verübt hat, prüfen die Behörden, ob sie auch in Berlin aktiv war. Deshalb sieht die Berliner Polizei ihre Ermittlungsakten aus der Zeit zwischen 1998 und November 2011 noch einmal neu durch – jener Zeit, in der die NSU ihre Taten begangen haben soll.

Die Berliner Ermittler suchen nach Parallelen zwischen den NSU-Taten und den ungeklärten Morden, Sprengstoffanschlägen und Überfällen. Mögliche Parallelen finden sich unter anderem in den jeweiligen Vorgehensweisen der Täter. So stellten die Ermittler fest, das der Schütze bei dem Mord in Wedding ähnlich vorgegangen war wie im Fall der mutmaßlichen NSU-Morde. Eine eigens gegründete Informationsstelle des Staatsschutzes beim Berliner Landeskriminalamt wertet nun alle ungelösten Fälle zwischen 1998 und 2011 aus. „Derzeit werden 63 ungeklärte Tötungsdelikte auf den modus operandi der Täter untersucht“, sagte die amtierende Polizeipräsidentin Margarete Koppers am Montag vor dem Innenausschuss des Abgeordnetenhauses. „In einem Fall könnte theoretisch ein Zusammenhang bestehen. Konkrete Hinweise darauf gibt es aber noch nicht“, sagte Koppers.

Der Terror der Zwickauer Zelle

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In jenem einen Fall – dem von Jugosloven Ignajtovic – dürfte eine Untersuchung des sichergestellten Projektils, das ihn tötete, Gewissheit bringen, wodurch Rückschlüsse auf die Tatwaffe gezogen werden können. Dies brauche aber noch Zeit, hieß es am Montag. Die Ermittlungen zu der Terrorgruppe führt das Bundeskriminalamt. Die Polizei schließt nicht aus, dass noch weitere Fälle im Raster hängen bleiben.

Auch ungeklärte Banküberfälle in Berlin sollen auf Parallelen zu den NSU-Taten, mit denen sich die Terroristen Geld beschafften, überprüft werden. Die Polizei überprüft 190 Ermittlungsvorgänge zu 226 Einzeltaten.
Und sie prüft auch drei Sprengstoffanschläge auf den jüdischen Friedhof an der Heerstraße in den Jahren 1998, 1999 und 2002. Dabei wurden zwei Mal die Grabplatte des früheren Vorsitzenden des Zentralrates der Juden, Heinz Galinski, sowie die Feierhalle beschädigt.

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