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Rechtsextreme Unterwanderung: Neonazis als Wachschützer

Zehn Prozent der 1150 in Brandenburg aktiven Neonazis sollen nach Schätzung der Märkischen Allgemeinen Zeitung im Wachschutz arbeiten. Die Zahl bestätigte das Ministerium nicht.

Zehn Prozent der 1150 in Brandenburg aktiven Neonazis sollen nach Schätzung der Märkischen Allgemeinen Zeitung im Wachschutz arbeiten. Die Zahl bestätigte das Ministerium nicht.

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dpa

Potsdam -

Neonazis sollen vor allem in Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern, aber auch in Teilen Brandenburgs in Wachschutzfirmen arbeiten. „Das ist ein ernstzunehmendes Problem und wir begrüßen, dass es nun öffentlich diskutiert wird“, sagte Geert Piorkowski, Sprecher des Potsdamer Innenministeriums. „Es ist ein besorgniserregendes Phänomen.“

Zehn Prozent der 1150 in Brandenburg aktiven Neonazis sollen nach Schätzung der Märkischen Allgemeinen Zeitung im Wachschutz arbeiten. Die Zahl bestätigte das Ministerium nicht. „Belastbare Zahlen für das gesamte Land gibt es nicht“, sagte Piorkowski. Aber in einigen Gebieten sei der Prozentsatz von Neonazis in den Firmen recht hoch.

„Dieser hohe Anteil ist ein weiterer Hinweis auf eine schleichende, rechtsextreme Unterwanderung verschiedener gesellschaftlicher Bereiche“, sagte Ursula Nonnemacher von der Landtagsfraktion der Grünen. Ähnliches gelte für Kampfsportvereine und Fußball-Fanclubs.

Schutz vor dubiosen Wachschützern

Wenn 115 Neonazis unter den 7200 Brandenburger Wachschützern sind, sind es etwa 1,6 Prozent. „Da kann zwar nicht von einer Unterwanderung gesprochen werden, aber es ist eine echte Herausforderung“, sagte Oliver Arning vom Bundesverbandes der Sicherheitswirtschaft. Der Verband kritisiert, dass potenzielle Wachmänner nur eine 40-stündige Schulung bei der IHK absolvieren müssen und ein polizeiliches Führungszeugnis benötigen, um eine Genehmigung zu bekommen. „Sicherheitsbehörden müssten ihre Bedenken vor der Erteilung der Genehmigung mitteilen.“

Der Schutz vor dubiosen Wachschützern ist möglich. „Kommunen sollen Firmen mit Neonazis nicht für die Bewachung ihres Stadtfestes buchen“, sagt Dirk Wilking vom Mobilen Beratungsteam gegen Rechtsextremismus in Brandenburg. Die Gemeinden sollten sich die Unterlagen zu den Mitarbeitern der Firmen vorher vorlegen lassen.

Große Firmen gelten als selten belastet. Problematisch können vor allem kleine Firmen sein, die sonst Fußballspiele, Kampfsport-Veranstaltungen der Halbwelt bewachen oder Konzerte. Experten gehen davon aus, dass Neonazis in der recht schlecht bezahlten Branche arbeiten, um überhaupt Arbeit zu haben. Anders sieht es oft bei Rockern in der Türsteherszene aus. Denen geht es oft um einen kriminellen Aspekt, denn sie kassieren ihren Anteil beispielsweise von Drogengeschäften in den Läden, die sie bewachen.



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