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Rechtsextremismus in Lichtenberg: Neo-Nazis zurück im Weitlingkiez

Die Fassade des Ladens wurde offenbar mit schwarzen Farbbeuteln beworfen.

Die Fassade des Ladens wurde offenbar mit schwarzen Farbbeuteln beworfen.

Foto:

Paulus Ponizak

Berlin -

Der Besitzer des Hauses Lückstraße 58 in Lichtenberg war froh, als er das leerstehende Geschäft im Erdgeschoss unweit vom S-Bahnhof Nöldnerplatz endlich wieder vermieten konnte. Die beiden jungen Frauen, die den Mietvertrag unterzeichneten, wirkten auch ganz normal, und gegen die Nutzung des Geschäfts war auch nichts einzuwenden – man wolle in dem früheren Gardinenladen unter anderem Bildungsveranstaltungen für Jugendliche und junge Erwachsene organisieren.

Doch der Laden, den ein Verein namens „Sozial engagiert in Berlin“ gemietet hat, ist alles andere als normal: Hinter der großen Fassade, die mittlerweile voller schwarzer Farbe ist, befindet sich seit Frühjahr 2011 ein Treffpunkt für Rechtsextremisten. „Es ist allerdings weniger ein Jugendzentrum, sondern eher ein Szenetreff für autonome Nationalisten – mit Wohnzimmer-Charakter“, sagt Annika Eckel von der mobilen Beratungsstelle gegen Rechts, die den Bezirk Lichtenberg schon lange im Kampf gegen Rechtsextremisten unterstützt.

Seit die Rechtsextremen im Weitlingkiez wieder einen Treffpunkt haben, hat auch die Zahl der Zwischenfälle spürbar zugenommen. Allein für dieses Jahr listet das Lichtenberger Register des Lichtblicke-Netzwerks für Demokratie und Toleranz 17 Vorfälle im Kiez auf – angefangen bei Hakenkreuz-Schmierereien, Schriftzügen „NS jetzt“, bis hin zu Vandalismus an Stolpersteinen und einer Feier am 20. April, dem Geburtstag von Adolf Hitler.

Image als Rechten-Hochburg

Seit bekannt ist, wer in der Lückstraße 58 seinen Sitz hat, macht das Lichtenberger Bündnis für Demokratie und Toleranz mobil gegen die Rechten. „Wir wollen zeigen, dass der Weitlingkiez den Demokraten gehört“, sagt Kevin Hönicke vom Bündnis, das vor vier Jahren als Reaktion auf einen geplanten Aufmarsch von Rechten im Weitlingkiez ins Leben gerufen wurde. Man habe viel erreicht in den vergangenen Jahren, so Hönicke, umso wichtiger sei es jetzt zu zeigen, dass die Rechten im Viertel nicht willkommen seien. „Wir haben Schmierereien beseitigt, Stolpersteine gereinigt und Gegendemos organisiert.“ Das Bündnis, das eng mit Gewerbetreibenden, der Polizei, Kirchen und ortsansässigen Vereinen zusammenarbeitet, wird auch von Politikern aus dem Bezirk unterstützt – parteiübergreifend. „Schweigen kann in so einem Fall nie sinnvoll sein“, sagt Bezirksbürgermeister Andreas Geisel (SPD) – „selbst auf die Gefahr hin, dass der Treff so bekannter gemacht wird.“

Seit Anfang der 90er-Jahre hatte der Weitlingkiez ein Image als Rechten-Hochburg, nach jahrelangen Bemühungen eines großen Bündnisses hatte sich die Lage in den letzten Jahren deutlich beruhigt, die Zahl der Zwischenfälle war gesunken. „Ganz weg waren die Rechtsextremen aber nie“, sagt Annika Eckel von der mobilen Beratungsstelle.

Das Bündnis für Demokratie und Toleranz sammelt derzeit Geld, um den Vermieter zu unterstützen. Dieser hat den Rechtsextremen bereits gekündigt – eine besonders Klausel im Mietvertrag ließ das zu – doch nun ist eine Räumungsklage anhängig. „Auch wir unterstützen ihn, die Räumung gegen die Rechtsextremisten durchzusetzen“, sagt Bezirksbürgermeister Geisel.