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Rechtsstreit: Schulfrei am Welthumanistentag

Beate T. zu Hause in Spandau mit ihren Söhnen Hendrik (links) und Felix.

Beate T. zu Hause in Spandau mit ihren Söhnen Hendrik (links) und Felix.

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Berliner Zeitung/Lars Reimann

Es wird vielen Leuten gar nicht geläufig sein, aber der 21. Juni ist der Welthumanistentag. Für Humanisten ist dieser Tag allerdings ein wichtiger Tag, ihr Feiertag, den sie auch entsprechend gestalten möchten. So wie Andere religiöse Feiertage begehen, verstehen sie den Tag als einen Tag der Besinnung und als Familientag, an dem Kinder auch nicht zur Schule gehen sollten. Dieser Meinung ist jedenfalls Beate T. aus Spandau, die ihre Söhne am 21. Juni 2011 nicht zur Schule geschickt hatte.

Sie hat ihnen auch keine Entschuldigung geschrieben, was ihrem älteren Sohn einen Fehltag auf dem Zeugnis einbrachte. Dagegen hat Beate T. geklagt. Sie möchte, dass der Fehltag aus dem Zeugnis ihres Sohnes verschwindet. Ein Eintrag, der keinerlei Konsequenzen hat. Aber Beate T. geht es ums Prinzip. Am morgigen Mittwoch wird der Fall vor dem Berliner Verwaltungsgericht verhandelt.

„Durch kirchliche Feiertage findet eine besondere Wertschätzung der Kirche statt“, sagt Beate T., „aber viele Sachen, die die Kirche vertritt, passen nicht in mein Weltbild. Und in das Weltbild eines Kindes passen die auch nicht. Kinder sind doch nicht katholisch, evangelisch, jüdisch oder muslimisch, sondern die sind in einem Prozess. Ich finde es ungerecht, dass Kinder, die einer Religion angehören, der Schule an Feiertagen unentschuldigt fernbleiben dürfen, während meine Kinder, die keiner Religion angehören, ein schlechtes Gewissen haben, wenn sie dasselbe tun.“

Beate T., 46, ist Wirtschaftsinformatikerin und seit der Geburt ihrer Söhne Hendrik (13) und Felix (10) zu Hause. Als ihre Kinder zur Schule kamen, begann sie sich damit zu beschäftigen, was Kirche eigentlich ist. „Ich bin aus dem Osten und sie war mir fremd, aber eigentlich sympathisch“, sagt Beate T., „ich hatte vor allem ihre sozialen Tätigkeiten in Krankenhäusern und Kindergärten wahrgenommen. Doch je mehr ich mich mit ihr befasste, umso mehr störte mich der Umgang mit Homosexuellen, die Haltung in der Sterbehilfe und in der Beschneidungsdebatte. Ich bin nicht damit einverstanden, dass Kirche unsere Gesetzgebung in dem Maße beeinflusst, wie sie es tut.“

Vor knapp zwei Jahren beschloss sie dann, dass sie den Welthumanistentag mit ihren Söhnen bewusst begehen möchte. Sie schrieb Briefe an die Lehrerinnen der Kinder, in denen sie erklärte, warum Hendrik und Felix nicht zur Schule kommen würden. „Für die Grundschullehrerin war das kein Problem, sie hat uns einen schönen Tag gewünscht“, sagt Beate T., „aber die Lehrerin im Gymnasium hat das als unentschuldigtes Fehlen gewertet.“

Wie genau sie diesen 21. Juni 2011 mit ihren Kindern verbracht hat, daran kann sich Beate T. nicht mehr erinnern. Sie hätten sich einen gemütlichen Tag gemacht, nur das weiß sie. Sie hätten vermutlich auch über Gleichberechtigung und Menschenrechte geredet, darüber rede sie am Welthumanistentag eigentlich immer mit ihren Kindern. Auch im vergangenen Jahr? „Da war der 21. Juni in den Ferien, das weiß ich wirklich nicht mehr.“

Aber welche evangelische Mutter weiß jetzt spontan noch genau, wie sie Buß- und Bettag vor zwei Jahren mit ihren Kindern verbracht hat? War sie mit ihren Kindern in der Kirche? Oder hat sie die Kinder vielleicht einen freien Tag genießen lassen und war mit ihnen im Schwimmbad?

„Ideologisch stehen wir hinter der Familie“, sagt Thomas Hummitzsch vom Humanistischen Landesverband Berlin. „Es geht darum, eine Gleichbehandlung von Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften zu schaffen und letzteren genauso zu ermöglichen, Rituale zu begehen und Traditionen einzuhalten. Dafür muss ein Christ ja auch nicht den Taufschein vorlegen.“ Die Schulverwaltung stellt dazu nüchtern fest, dass die Familie einen Antrag auf Beurlaubung hätte stellen müssen. Das stünde auch den Angehörigen aller Religionsgemeinschaften für ihre zahlreichen Feiertage zu.