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Rentner beenden Besetzung: Seniorentreff Stille Straße bleibt

Pankower Rentner besetzten seit Monaten ein Seniorenheim in der Stillen Straße, um dessen Schließung zu verhindern. Mit Erfolg.

Pankower Rentner besetzten seit Monaten ein Seniorenheim in der Stillen Straße, um dessen Schließung zu verhindern. Mit Erfolg.

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Gerd Engelsmann

Die rüstigen Rentner im Seniorentreff Stille Straße 10 in Pankow können es noch nicht richtig glauben. Seit 111 Tagen halten sie ihre Einrichtung besetzt, jetzt haben sie ihr Ziel erreicht: Der Rentnertreff bleibt erhalten. Der Sozialverband Volkssolidarität wird den Rentnerclub übernehmen.

So steht es in einem internen Antrag von SPD und Grünen, über den die Bezirksverordneten des Finanzausschusses am Donnerstagabend abstimmen werden. Beide Parteien bilden die Mehrheit, es gilt als sicher, dass der Antrag angenommen wird. „Der Einsatz der Senioren hat sich gelohnt“, sagt der Ausschussvorsitzende Cornelius Bechtler (Grüne).

Im Seniorentreff reagierten die Besetzer am Mittwoch mit großer Freude auf die angekündigte Entscheidung der Bezirkspolitiker. „Die Stimmung ist super“, sagte Elli Pomerenke. Die 74-Jährige gehört zum Kreis der Aktivisten, die Ende Juni den Freizeittreff für Senioren besetzten. Der Bezirk Pankow hatte zuvor beschlossen, die Einrichtung aus Kostengründen zu schließen. Für einen Weiterbetrieb und die anstehende Sanierung der alten Villa fehle dem Bezirk das Geld, hieß es zur Begründung.

Über 100 Nächte auf Feldbetten

Damit gaben sich die Senioren aber nicht zufrieden. Sie besetzten das Haus überraschend, blieben Tag und Nacht darin, schliefen auf Feldbetten. Tausende Unterstützer kamen ins Haus, Politiker der Linkspartei kochten für die Senioren und versprachen Hilfe, Schauspieler lasen Texte, Chöre traten auf. Das Kursangebot lief indes weiter. Internationale Fernsehsender und Zeitungen berichteten über die Besetzer.

Der Bezirk reagierte und suchte einen freien Träger, der die Einrichtung unter Beteiligung der Senioren weiterführen könne. Die Volkssolidarität zeigte als einzige Interesse und wird den Klub künftig als Mehrgenerationenhaus weiterführen. Von einer „selbstverwalteten Lösung“ ist die Rede.

In den vergangenen Wochen haben sich Bezirk und Volkssolidarität auf das weitere Vorgehen verständigt. Vorerst bekommt der Sozialverband einen einjährigen Mietvertrag. Bis Ende 2013 soll es dann einen Erbbaurechtsvertrag geben. Damit bleibt das Gebäude eine soziale Einrichtung, der Liegenschaftsfonds kann es nicht meistbietend verkaufen.

Die Senioren-Besetzer kündigten am Mittwoch an, ihre Besetzung nach vier Monaten zu beenden, sobald der Antrag beschlossen ist. „Dann haben wir erreicht, was wir wollten“, sagt Elli Pomerenke.



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