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Riviera und Gesellschaftshaus: Wie in Grünau Traditionshäuser verrotten

Der marode Saal der Riviera. Dass hier über hundert Jahre Feste gefeiert wurden, kann man kaum noch glauben.

Der marode Saal der Riviera. Dass hier über hundert Jahre Feste gefeiert wurden, kann man kaum noch glauben.

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Berliner Zeitung/Markus Wächter

Ein Sprichwort besagt, dass gut wird, was lange währt. Im Fall der seit 25 Jahren geschlossenen ehemaligen Traditionslokale Gesellschaftshaus und Riviera in Grünau trifft dies jedoch nur partiell zu. Ob es um die ehemals prunkvollen Ausflugsorte, in denen ganze Generationen rauschende Feste feierten, jemals gut wird, bleibt ungewiss. Seit der Schließung vor 25 Jahren rotten die denkmalgeschützten Gebäude vor sich hin.

Auch seit 2007, seit die Häuser inklusive eines 12.000 Quadratmeter großen Wassergrundstücks am Langen See einer Geschäftsfrau in Ankara gehören, änderte sich daran nichts. Nur Fenster, Veranda und Dach wurden auf Druck des Bezirks Treptow-Köpenick gegen Wetter und Vandalismus geschützt. Der Bezirk hatte die Abdichtung von Fenstern und Türen mit Hilfe sogenannter Sicherheits-Anordnungen durchgesetzt.

Bezirk bleibt auf Kosten sitzen

Jedoch ist der Bezirk dabei offenbar übers Ziel hinausgeschossen. Dies lässt sich aus einem Urteil des Verwaltungsgerichts vom Donnerstag schließen. Die Eigentümerseite hatte vor Gericht gegen eine Anordnung des Bezirks von 2014 geklagt. Damals wurde sie verpflichtet, im Festsaal der Riviera ein Spezialgerüst aufzustellen. Damit sollte verhindert werden, dass das Dach einstürzt. Von dieser Gefahr hatte ein Gutachter dem Bezirk berichtet. Weil die Eigentümerin der Aufforderung nicht nachkam, ließ der Bezirk das Gerüst selbst aufstellen. Die Kosten, 112?000 Euro, wurden der Eigentümerin in Rechnung gestellt.

Der Bezirk wird auf diesen Kosten sitzenbleiben. Der Richter der 13. Baukammer, Matthias Schubert , hob die Anordnung des Bezirks am Donnerstag auf. Er folgte der Argumentation der Eigentümerseite, die sich gegen die Aufstellung des Gerüstes gewehrt hatte. Ihr Anwalt Berhard Haaß sprach von einer vom Bezirk „dramatisierten Gefahr“, Einsturzgefahr habe nie bestanden.

Das Gericht sah das ebenso. Die Anordnung sei aufgrund einer bloßen Inaugenscheinnahme getroffen worden. Die Eigentümerin hätte nur zur Einholung eines neuen Gutachtens über den Zustand des Daches verpflichtet werden können.

Tatsächlich geht aus den historischen Bauakten hervor, dass das Riviera-Dach nicht, wie lange Zeit angenommen, komplett aus Holz besteht. Der erste Gutachter von 2014, auf den sich der Bezirk bezog, hatte dies behauptet. Und strikt verboten, das Dach zu betreten. Dieses würde nässen, faulen und schließlich einstürzen. Doch dann tauchte 2015 ein neues Gutachten auf. Danach wird das Riviera-Dach mittels vier Stahlträgern gehalten. Es bestünden zwar einige Gefahrenbereiche, aber einsturzgefährdet sei es nicht.

Konkret dazu äußerte sich die Vertreterin des bezirklichen Rechtsamtes nicht. Sie versuchte die damalige Gerüst-Entscheidung zu erklären. Ein Experte, sagte sie, habe die Einsturzgefahr glaubhaft gemacht. Man habe also besonnen gehandelt. Geholfen hat die Erklärung nichts, der Richter folgte ihr nicht. Seiner Meinung nach hätte der Bezirk nicht sofort das Maximum, also das teure Spezialgerüst, anordnen und aufstellen dürfen. Vielmehr hätte erst geprüft werden müssen, ob wirklich eine Gefahr bestehe.

Appell zur Einigung

Der Richter, der die Causa Gesellschaftshaus/Riviera schon mehrfach auf dem Tisch hatte, beließ es nicht bei seinem Urteilsspruch. Er appellierte eindringlich an Bezirk und Eigentümerin, endlich einen Kompromiss zu finden. Derzeit befinde man sich in einer Patt-Situation, sagte er: „Der Bezirk kann die Gegenseite mit allerlei Verfügungen quälen, immer weiter Geld in die Gebäude zu stecken, ohne dass es was bringt.“ Eine Blockade werde den Verfall aber nicht aufhalten.

Beide Seiten sollten sich vielmehr darüber verständigen, ob wirklich beide Säle, von Gesellschaftshauses und Riviera, erhalten und ob sie wirtschaftlich betrieben werden könnten. Der Richter stellte zudem einen Vergleichsvorschlag der Eigentümerseite vor: Diese will den Riviera-Saal erhalten und einen öffentlichen Uferweg anlegen. Im Gegenzug möchte sie Baurecht vom Bezirk für den Neubau mehrerer Stadtvillen plus siebengeschossigem Turmbau auf dem Gelände.

Die Reaktion im Bezirksamt klang am Donnerstag sehr distanziert. Man gehe weiterhin von der Möglichkeit des Erhalts beider Säle aus, sagte Baustadtrat Rainer Hölmer (SPD) der Berliner Zeitung. Mit attraktiven Einbauten wie Appartements könnten sie sehr wohl wirtschaftlich sein. Der Plan mit den Stadtvillen sei im Bezirk lange bekannt, und ein Siebengeschosser sei dort unmöglich. Hölmer: „Wenn die Gegenseite endlich mal substanziell neue Vorschläge macht, sind wir jederzeit gesprächsbereit.“