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Roboter schreibt die Tora im Jüdischen Museum

Die Installation ist von der Künstlergruppe robotlab. Foto: Daniel Bockwoldt

Die Installation ist von der Künstlergruppe robotlab. Foto: Daniel Bockwoldt

Berlin -

Er ist knallorange, sieht aus wie ein riesiger Zahnarztbohrer - und schreibt die Tora. Von diesem Donnerstag an erledigt im Jüdischen Museum ein Industrieroboter die filigrane Arbeit eines ausgebildeten jüdischen Schreibers, der sonst die ersten fünf Bücher Mose per Hand kopiert.

Die Künstlergruppe «robotlab» thematisiere mit ihrer Kunstinstallation die Beziehung zwischen Mensch und Maschine, teilte das Jüdische Museum Berlin am Donnerstag mit. Dabei vollbringe der Roboter kulturelle Leistungen, die sonst nur Menschen vorbehalten seien. Die bleiben aber nicht außen vor. In der Ausstellung «Die Erschaffung der Welt» mit hebräischen Handschriften demonstriert auch Rabbiner Reuven Yaacobov die Kunst des Tora-Schreibens im Museum.

Der Roboter ist aber schneller: In rund drei Monaten wird er lautlos und elegant 304 805 hebräische Buchstaben von rechts nach links zu Papier bringen - auf einer 80 Meter langen Rolle. Ein Rabbiner würde für diese Arbeit mehr als ein Jahr brauchen. Die Roboter-Ausgabe soll später in die Sammlung des jüdischen Museums übergehen.

Übung mit religiösen Schriften hat der orangefarbene Industrie-Roboter schon. Er brachte bereits die Lutherbibel in Schreibschrift zu Papier - sechs dicke Bände mit einem Gewicht von insgesamt 57 Kilo. (dpa)