15.02.2012

Rollbergviertel: Schneeballschlacht weitet sich zur Randale aus

Von Martin Klesmann und Lutz Schnedelbach
Eine Schneeballschlacht in der Hofpause geht – wie hier auf dem Foto – oft glimpflich aus. In Neukölln endete der Freizeitspaß jedoch mit einer Prügelei.
Eine Schneeballschlacht in der Hofpause geht – wie hier auf dem Foto – oft glimpflich aus. In Neukölln endete der Freizeitspaß jedoch mit einer Prügelei.
Foto: Sabine Gudath
Berlin –  

Eine Schneeballschlacht zwischen zwei Neuköllner Schulen ist am Dienstag derart eskaliert, dass die Polizei ein Ermittlunsgverfahren wegen Landfriedensbruch eingeleitet hat. Ein 15-jähriger Junge erlitt Hämatome.

Der Streit um ein Mädchen hat am Dienstagvormittag zu einer Randale in einer Neuköllner Schule geführt. Jungen der Kielhorn-Förderschule sowie der Zuckmayer-Sekundarschule hatten sich gegen 9.30 Uhr zur großen Pause mit Schneebällen beworfen. Beide Schulen befinden sich in einem Gebäude in der Kopfstraße. Der Komplex ist durch große Verbindungstüren aus Stahl getrennt. Während der Schneeballschlacht kam es zwischen zwei 15-Jährigen zu einem Streit, der nach Angaben von Mitschülern schon lange schwelen soll.

Lehrerin überrannt

Als die Pause zu Ende war, kehrten die Schüler der Kielhorn-Schule zurück in ihre Klassenzimmer, um den Unterricht fortzusetzen. Doch dazu kam es nicht. Denn 40 Mädchen und Jungen aus der Zuckmayer-Schule stürmten über den Flur. Die Jugendlichen schoben eine Lehrerin, die die heranstürmenden Jugendlichen aufhalten wollte, einfach beiseite. Die Polizei sprach später gar davon, dass die Frau überrannt worden sei. Kurz darauf randalierten die Angreifer in dem Klassenraum. Sie fegten Hefter, Schreibutensilien und Bücher von den Tischen. Anschließend warfen sie die Stühle und Tische um. Vier Kinder und Jugendliche stürzten sich dann auf den 15 Jahre alten Marko M. und schlugen auf ihn ein.

So schnell, wie es zu diesem Angriff gekommen war, so schnell ging er auch wieder vorbei. In kleinen Gruppen verließen die Angreifer auf unterschiedlichen Wegen das Gebäude. Zwischenzeitlich hatten Lehrer die Polizei alarmiert. Beamte nahmen die vier Haupttäter im Alter zwischen 12 und 16 Jahren mit zum Abschnitt und befragten sie. Anschließend konnten die Eltern ihre Kinder abholen. Auch Schulpsychologen kamen hinzu. Zur selben Zeit wurde Marko M. von einem Arzt behandelt. Er hatte Prellungen und Hämatome im Gesicht erlitten.

Weniger Gewalt an den Schulen

Trotz solcher Vorfälle geht die Gewalt an Berliner Schulen insgesamt weiter zurück. Das geht aus dem aktuellen Präventionsbericht hervor. So wurden im vergangenen Schuljahr rund sieben Prozent weniger Vorfälle gemeldet als 2009/10. Insgesamt erlebte aber noch immer gut jeder Dritte Schüler Gewalt oder einen Notfall an seiner Schule. „Wir müssen die Gewaltvorfälle konsequent im Blick haben“, sagte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD).

Aus Mitte wurden die meisten Gewaltvorfälle gemeldet, insgesamt 17 Prozent. Neukölln folgt mit 13 Prozent. Meist wurden schwere körperliche Gewalt, Beleidigungen und Bedrohungen angezeigt. In etwa 20 Prozent der Fälle war das Schulpersonal selbst von den Gewalthandlungen betroffen. Bei 24 Prozent handelt es sich um schwere körperliche Gewalt und bei 10 Prozent um Bedrohungen. Beleidigungen gegenüber Lehrern oder Vandalismusschäden müssen seit drei Jahren nicht mehr zwingend gemeldet werden, was die Zahl sicher auch zurückgehen ließ.

Die Schulen erhielten erst im vergangenen Jahr erneut Hinweise zum Umgang mit Gewalt- und Notfallsituationen. Die Einrichtung von Krisenteams oder die enge Zusammenarbeit mit den Präventionsbeauftragten der Polizei würden zusätzlich zur Sicherheit beitragen, so die Senatorin. Die Zuckmayer-Schule war in der Vergangenheit ohne Wachschützer ausgekommen.

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