Kunst am Bau und nur von oben aus zu sehen: Eingangsbereich und Straße vor dem Stasi-Museum zieren ein imaginärer „eingegangen am...“ -Stempel. Foto: Kaveh Rostamkhani
Kunst am Bau und nur von oben aus zu sehen: Eingangsbereich und Straße vor dem Stasi-Museum zieren ein imaginärer „eingegangen am...“ -Stempel. Foto: Kaveh Rostamkhani
Berlin –
Die 20 Jahre alte Stasi-Unterlagenbehörde feiert sich selbst und lädt ins sanierte Geheimdienst-Museum.
Die Pflanzen haben ein wenig gelitten, aber sie sehen aus, wie sie aussehen sollen – nach DDR. Zwar stehen einige der hoch aufragenden Blätter etwas schief, aber was macht das schon. Die dunkelgrünen Sansevierien, die im Osten massenhaft in Büros, Hotels oder Parteieinrichtungen zu finden waren und abfällig schon mal „DDR-Pflanzen“ genannt wurden, sind an ihren angestammten Platz zurückgekehrt – ins Büro des früheren Ministers für Staatssicherheit, Erich Mielke. Dort, im 2. Stock von Haus 1 auf dem Gelände des früheren Stasi-Komplexes in Lichtenberg, stehen nun drei Sansevierien wieder am Fenster, die anderen drei neben der Eingangstür. „Die am Eingang leiden immer ein bisschen“, sagt Karin Schulz bedauernd, „jeder Besucher grabbelt sie an.“
Gigantischer "Eingegangen am"-Stempel vor dem Stasimuseum.
Foto: Foto: Kaveh Rostamkhani
Die Telefontastatur von Erich Mielke.
Foto: Foto: Kaveh Rostamkhani
Eine Telefonanlage in einem Vorzimmer des original erhaltenen Büros von Stasi-Chef Erich Mielke auf dem Stasi-Gelände an der Normannenstraße in Berlin.
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Ein Schreibtisch im Vorzimmer des Büros von Erich Mielke.
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Alte DDR- und neue Schuko-Steckdosen.
Foto: Foto: Kaveh Rostamkhani
Ein Nebenzimmer des original erhaltenen Büros von Stasi-Chef Erich Mielke.
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Original erhaltener Konferenzraum von Stasi-Chef Erich Mielke.
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Die frühere Machtzentrale von Stasi-Chef Erich Mielke ist mit elf Millionen Euro aus dem Konjunkturpaket II denkmalgerecht saniert worden und soll Besuchern Einblick in das Spitzelsystem der DDR- Staatssicherheit geben.
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Schreibtische stehen in den ehemaligen Räumlichkeiten des Ministeriums für Staatssicherheit im Museum Forschungs- und Gedenkstätte Normannenstrasse im Vorzimmer des Büros des ehemaligen Ministers für Staatssicherheit.
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Blick durch die Mauer in den Eingangsbereich zu den ehemaligen Räumlichkeiten des Ministeriums für Staatssicherheit.
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Ein original erhaltenes Büro.
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Ein Arbeiter prüft eine Tür im Stasimuseum.
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Informationsschild zu Sänger Wolf Biermann - davor ein Lesestuhl.
Der Arbeitsbereich von Erich Mielke, dem Minister für Staatssicherheit der DDR, im Stasimuseum in Lichtenberg. Das Museum wird derzeit saniert und zieht um.
Karin Schulz muss es wissen: Sie ist langjährige Mitarbeiterin des Stasi-Museums und so etwas wie die Hüterin des Arbeitszimmers des letzten Stasi-Chefs. Das Museum wird vom Verein Antistalinistische Aktion Normannenstraße geführt, einem Zusammenschluss früherer Bürgerrechtler und Mitglieder des Bürgerkomitees Normannenstraße. Es ist neben der Stasi-Gedenkstätte in Hohenschönhausen die zweite museale Einrichtung über den DDR-Geheimdienst.
Im Januar 1992 konnten die ersten Bürger Einsicht in die Akten nehmen, die die DDR-Staatssicherheit über sie angelegt hatte. Das Interesse ist bis heute ungebrochen: Allein 2011 beantragen 80.000 Menschen Akteneinsicht.
Das Fest
Aus Anlass des 20-jährigen Bestehens der Stasi-Unterlagenbehörde findet am kommenden Sonnabend zwischen 11 und 18 Uhr in den Häusern 7 und 22 des früheren Stasi-Geländes ein Bürgerfest statt. Es trägt den Titel „Wissen, wie es war.“ Auch das Museum ist geöffnet.
Eröffnung
(11 Uhr, Haus 22): Der Bundesbeauftragte Roland Jahn sowie die Bürgerrechtlerinnen Vera Lengsfeld, CDU-Politikerin, und Ulrike Poppe, Stasi-Beauftragte in Brandenburg, blicken zurück auf ihre erste Akteneinsicht.
Debatte
(13 Uhr, Haus 22): Wie entstand das Stasi-Unterlagen-Gesetz, was regelt es? Rainer Eppelmann (ehemaliger Abgeordneter von Volkskammer und Deutschem Bundestag) und Dr. Hansjürgen Garstka (ehemaliger Berliner Datenschutzbeauftragter) sprechen über ein ungewöhnliches Gesetz.
Resümee
(16 Uhr, Haus 22): Die Akten bleiben offen! Joachim Gauck, Marianne Birthler und Roland Jahn sprechen über ihre Zeit als Bundesbeauftragte, die Nutzung der Stasi-Akten in der Gesellschaft und die Frage, wofür wir die Akten in Zukunft benötigen.
Akteneinsicht
In Haus 7 (Erdgeschoss) in den Räumen 005, 018, 022, 024 können Anträge auf Einsicht in die persönliche Stasi-Akte gestellt werden.
Markt der Möglichkeiten
(11–18 Uhr, Haus 7), Informationsstände des BStU, von Aufarbeitungsinstitutionen und Beratungsstellen.
Information
(3. Obergeschoss, Raum 327, Haus 7): Die bei der Stasi-Auflösung im Herbst 1989 hastig zerrissenen Akten werden seit 1995 von Hand wieder zusammengesetzt. Seit 2007 helfen Computer beim Puzzlen.
Ausstellungen und Filme
In den Seitenfluren von Haus 7 (1. bis 3. OG) werden Ausstellungen gezeigt, im Erdgeschoss (Raum 026) gibt es Filme.
Das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) war der In- und Auslandsgeheimdienst der DDR und hatte seinen Hauptsitz auf einem zwei Hektar großen Gelände an der Normannenstraße in Lichtenberg.
Das Ende
Nach Entmachtung Honeckers wird das MfS in Amt für Nationale Sicherheit umbenannt. Am 15. Januar 1990 stürmten erzürnte DDR-Bürger das Gelände um zu verhindern, dass Akten vernichtet werden.
Das Museum
Am 7. November 1990 eröffnet in den Amtsräumen des letzten Ministers Erich Mielke das Stasi-Museum, das sich auch als Forschungs- und Gedenkstätte versteht.
In den vergangenen 18 Monaten allerdings war die Mielke-Etage nicht für Besucher zugänglich: Das achtstöckige Haus 1, das 1960/1961 als Herzstück des Stasi-Areals errichtet wurde und heute das Museum beherbergt, wurde energetisch saniert. Das war auch dringend nötig: Das Dach war undicht, der Brandschutz war unzureichend, Fenster und Türen defekt.
Für 10,6 Millionen Euro saniert
Genau deshalb ist Beate Marvan im November 2010 mit einigen Kollegen von ihrem Schöneberger Büro auf das frühere Stasi-Gelände gezogen. Die 50-Jährige vom Büro „Arnold und Gladisch Gesellschaft von Architekten“ hat als Projektleiterin die Arbeiten überwacht, bis zu 400 Maler, Elektriker, Fensterbauer, Maurer, Trockenbauer, Putzer, Bodenleger, Tischler und Fliesenleger arbeiteten hier. Sie reparierten nicht nur Türen, Fenster und Einbauten, sondern stellten auch alte Grundrisse wieder her und den Anstrich in Mielkes Arbeitszimmer von 1961: in Gelb, Grau und Grün. So viel Feinarbeit hatte ihren Preis: 10,6 Millionen Euro stellte der Bund aus dem Konjunkturprogramm zur Verfügung mit der Maßgabe, dass die Arbeiten bis Ende 2011 erledigt sind.
Gestürmt: Am 15. Januar 1990 eroberten DDR-Bürger das Stasi-Gelände.
Foto: Berliner Kurier
Gestürmt: Am 15. Januar 1990 eroberten DDR-Bürger das Stasi-Gelände.
Foto: Berliner Kurier
Eine der kompliziertesten Arbeiten, sagt Beate Marvan, sei die Sanierung der Fassade gewesen. „Sie sollte ausgebessert werden, aber genauso aussehen wie vorher.“ Viel Mühe machte auch die Suche nach einem Linoleum, das den alten Bodenbelag ersetzen sollte. Probleme schuf zudem die bundesdeutsche Bürokratie: Das DDR-Treppengeländer musste durch ein zweites ergänzt werden – stabiler, höher und engmaschiger. „Das alte Geländer entsprach nicht den Vorschriften.“ Es sei seltsam gewesen, an diesem Ort zu arbeiten, sagt die im Osten aufgewachsene Frau, spannend auf der einen Seite, aber auch ein wenig beklemmend. So seien beim vorübergehenden Abbau der Holzeinbauten noch drei Wanzen gefunden worden – die Stasi bespitzelte auch die eigenen Mitarbeiter.
Kein Damenklo für die Stasi-Spitze
Museumschef Jörg Drieselmann, der mit Museum und Mielke-Interieur vorübergehend in einem Nachbargebäude untergebracht war, ist zufrieden mit der Sanierung – aber nicht nur. „Froh bin ich, weil am Haus erheblicher Reparatur-Bedarf bestand“, sagt er. Nicht ganz glücklich sei er, weil Teile der historischen Substanz der Sanierung zum Opfer fielen, etwa die alte Mielke-Küche, die für einen Fluchtweg geopfert wurde.
„Es wäre schön gewesen, die Geschichte der Küche auch weiterhin erzählen zu können“, sagt er. An ihrer Stelle habe die Stasi ursprünglich eine Damentoilette bauen wollen. „Das wurde aber nie realisiert, vermutlich weil ihnen auffiel, dass Damen in der Hierarchie nie so hoch gestiegen wären“. Nun sei die Mielke-Küche ausgebaut worden, „es gibt einfach keinen Platz für sie“. Mit mehr Zeit, so der Museumschef, hätten andere Lösungen gefunden werden können. Der historische Ort werde nun nicht mehr so leicht zu vermitteln sein wie früher. „Früher roch hier alles nach DDR“, sagt Drieselmann, „jetzt riecht es nach Farbe.“
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