blz_logo12,9

Sanierung von Schlössern und Gärtern: Stiftung will Gutshäuser in Brandenburg retten

Schöne Details: Auch die kunstvollen Arbeiten an den Fassaden der alten Gutshäuser – wie hier in Baruth – müssen erhalten werden.

Schöne Details: Auch die kunstvollen Arbeiten an den Fassaden der alten Gutshäuser – wie hier in Baruth – müssen erhalten werden.

Foto:

Berliner Zeitung/Gerd Engelsmann

Potsdam -

Was ist eigentlich ein Schloss, und was ist ein Herrenhaus? „In Brandenburg gibt es im Grunde genommen nur Schlösser“, sagt Sibylle Badstüber-Gröger, Vorsitzende der neu gegründeten Stiftung Schlösser und Gärten der Mark. „So ist es jedenfalls im allgemeinen Sprachgebrauch“, sagt sie. „Wenn Sie in ein kleines Brandenburger Dorf kommen und fragen: Wo ist hier Ihr Herrenhaus? Dann ist die Antwort: Wir haben kein Herrenhaus, nur ein Schloss.“

Dabei gibt es eine klare Unterscheidung: Vereinfacht ausgedrückt ist ein Schloss in der Regel ein königliches oder fürstliches Gemäuer. Herren- oder Gutshäuser sind hingegen jene Wohnstätten, in denen einst der niedere Landadel lebte oder die Gutsherren im Dorfe.

Alte Gemäuer mit Leben füllen

Am Donnerstag stellte sich die neue Stiftung Schlösser und Gärten der Mark erstmals vor. „Wir wollen, dass die vielen Gutshäuser im Land nicht nur vor dem Verfall gerettet werden, sondern auch genutzt werden, zum Beispiel für Kulturveranstaltungen“, sagte Stiftungschefin Badstüber-Gröger.

Damit ist auch die Unterscheidung zur anderen, seit 1995 existierenden Schlösserstiftung klar: Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten wird vom Bund sowie den Ländern Berlin und Brandenburg finanziert und kümmert sich um die einstigen Liegenschaften des Preußischen Königshauses wie zum Beispiel Schloss und Park Sanssouci. Sie hält mehr als 30 Häuser für das Publikum geöffnet, zählte 2014 insgesamt 1,7 Millionen Besucher und verfügte über ein Jahresetat von fast 78 Millionen Euro.

Die neue, viel kleinere Stiftung will dabei helfen, dass die restlichen Gutshäuser erhalten werden. „Davon gibt es sehr viele“, sagte Landeskonservator Thomas Drachenberg. „Insgesamt sind es 500 Gebäude im Land Brandenburg, 430 davon sind denkmalgeschützt – und davon wiederum hat etwa ein Drittel einen dringenden Sanierungsbedarf.“

Viele Häuser sind akut bedroht. „Es geht darum, sie aus dem Verfallskreislauf herauszuholen“, sagte Drachenberg. Dabei seien auch kleinere Summen nötig. Denn die Kommunen könnten zwar Fördermittel beantragen, haben aber oft kein eigenes Geld, um die nötige Ko-Finanzierung zu sichern. „Die Spenden können eine wichtige Ergänzung zur Förderung sein, denn eine solide herbeigeschaffte kleine Summe kann durch Fördergeld schnell verzehnfacht werden.“

Oft sei auch Geld nötig, um ein Haus erst einmal vor dem endgültigen Verfall zu sichern und so Zeit zu gewinnen, um einen Investor oder Nutzer zu finden.

„Wir fangen gerade erst an“

Wichtig seien kleinere Summen auch für die Restaurierung von Kunstwerken. Drachenberg erzählt von seltenen historischen Tapeten aus der Frühneuzeit, die in einem Gutshaus unbedingt erhalten werden sollen. „Wir haben zehn Jahre gebraucht, um Geld dafür zu bekommen. Da erhoffen wir uns durch die Stiftung eine Beschleunigung.“

Die neue Stiftung ist aus einem Freundeskreis hervorgegangen, den es seit 24 Jahren gibt und der derzeit etwa 480 Mitglieder hat. Das sind meist Leute, die heute älter als 65 Jahre sind, meist vor 1990 im Westteil Berlins wohnten und die sich zusammenfanden, um nach dem Mauerfall nicht nur Brandenburg zu entdecken, sondern auch die dortigen Gutshäuser zu erkunden. Sie machen Exkursionen, organisieren Vorträge und geben Bücher über die Häuser heraus – und sie sammeln Geld durch Benefizkonzerte.

Nun wurde die Stiftung gegründet, um eine langfristige finanzielle Basis für die Arbeit zu schaffen. Bislang sind 15.000 Euro in die Stiftung eingegangen. „Aber wir fangen gerade erst an“, sagte Walter Pölking vom Stiftungsrat, „und kaum jemand gibt gern Geld, bevor so eine Stiftung gegründet ist.“

„Keine Konkurrenz“

Das Ziel ist, dass in den nächsten beiden Jahren etwa 100.000 Euro zusammenkommen. Die Mitglieder stünden finanziell oft recht gut da, sie sollen spenden oder Geld stiften, sagte Pölking. „Eine Möglichkeit ist, bei Geburtstagen auf Geschenke zu verzichten und alle aufzufordern, Geld an die Stiftung zu geben.“

„Diese neue Stiftung ist natürlich keine Konkurrenz für uns“, sagte Frank Kallensee, Sprecher der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten. Sie sei vielmehr eine Bereicherung und Ergänzung. „Wir verwalten vornehmlich die ehemaligen königlichen Liegenschaften, da ist es umso wichtiger, dass es eine Stiftung gibt, die sich auch um den Erhalt und vor allem die Nutzung der kleineren Häuser kümmert.“