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Sarrazin-Lesung: Peymann will Sarrazin wieder einladen

Poteste im Berliner Ensemble verhindern die Lesung von Sarrazin.

Poteste im Berliner Ensemble verhindern die Lesung von Sarrazin.

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Martin Klesmann

Nachdem gut 20 Störer am Sonntag im Berliner Ensemble (BE) für den Abbruch einer Diskussionsreihe mit dem umstrittenen Autor Thilo Sarrazin gesorgt hatten, hat BE-Intendant Claus Peymann das Vorgehen seines Hauses verteidigt. „Wir haben alles versucht, haben ihnen das Wort gegeben und sogar eine Deeskalationspause eingelegt“, sagte Peymann der Berliner Zeitung.

„Die wollten das halt niederschreien.“ Einen Polizeieinsatz in seinem Hause habe er aber keinesfalls zulassen wollen. „Die Gruppe wollte doch nur, dass zappelnde islamische Frauen von der Polizei rausgetragen werden.“ Solche Szenen hätten international ein falsches Bild von der Stadt Berlin vermittelt. Außerdem hätten die Protestler die Eintrittskarten regulär erworben.

Peymann: Hoffentlich schämen sich die Demonstranten

Die Aktivisten der türkischstämmigen Migrantengruppe Allmende hatten während der Veranstaltung Plakate hochgehalten, auf denen stand: „Wir sind die Kopftuchmädchen“ und „Wir schaffen Deutschland ab“, eine Anspielung auf Sarrazins Bestseller, der ihm ein später gescheitertes SPD-Ausschlussverfahren eingebracht hatte.

Mit lauten Sprechchören hatten die Störer die Veranstaltung im BE verhindert, dabei war es zu Handgreiflichkeiten mit Besuchern gekommen. BE-Direktionsmitglied Jutta Ferbers hatte die Veranstaltung schließlich abgebrochen, die Gäste und Sarrazin selbst hinauskomplimentiert. „Ich hoffe, dass sie sich nun ein bisschen schämen“, sagte Peymann mit Blick auf die Protestierer. „Dass ihnen ihr Sieg im Halse stecken bleibt.“

Sarrazin mit drei Bodyguards

Peymann bekräftigte zudem, dass er auch für solch heikle Veranstaltungen keinen privaten Sicherheitsdienst beschäftigen werde. „Das wäre auch zu teuer“, sagte der 76-Jährige. Sarrazin sei zudem mit drei Bodyguards gekommen.

Aus Peymanns Sicht spricht auch nichts dagegen, die Veranstaltung mit Sarrazin im Berliner Ensemble nachzuholen. Das hatte zuvor Alexander Marguier, Vize-Chefredakteur der Monatszeitschrift Cicero, vorgeschlagen. Das Medium veranstaltet etwa alle zwei Monate im Berliner Ensemble die „Foyergespräche“ und gibt dem traditionsreichen Brecht-Theater etwas vom Eintrittsgeld ab. Man müsse Sarrazin bei der nächsten Veranstaltung ja vielleicht nicht so herausheben, gab Peymann zu bedenken.

Persönlich halte er Sarrazin für einen Populisten, der für Millionen Menschen etwas ausspreche, was andere eher verharmlosen. „Das ist das Geheimnis seiner Wirkung“, sagte Peymann. „Dass es diese Millionen gibt, die so denken, wie Sarrazin es ausspricht, können wir ja nicht leugnen.“ Damit reagierte der BE-Intendant auch auf die vielfache Kritik, dass ausgerechnet das traditionsreiche Brecht-Theater einen Mann wie Sarrazin einlade.

Berliner Ensemble hat sich nicht entschuldigt

„Ich bin da sehr undeutsch, ich verdränge und verbiete nicht.“ Deshalb sei er zum Beispiel auch gegen ein NPD-Verbot. Er schätze die offene Debatte, sagte Peymann, der am Sonntag noch in Paris gewesen war, aber wegen des Eklats viel mit dem BE telefoniert hatte. Entschuldigt habe man sich bei Sarrazin nicht, jedoch das Vorgehen ruhig erklärt.

Aufsehen erregte in der Debatte um den geplatzten Sarrazin-Auftritt auch SPD-Landeschef Jan Stöß. Er hatte am Sonntag per Twitter mitgeteilt, das Berliner Ensemble solle Sarrazin „nicht auch noch eine Bühne öffnen“ – „wenn wir ihn schon nicht loswerden können“. Damit war das gescheiterte SPD-Ausschlussverfahren Sarrazins gemeint. Für diese Twitter-Botschaft erntete Stöß viel Kritik.