30.01.2012

Schmucktore an der Knorrpromenade: Herr Braun, geben Sie die 50.000 Euro für echte Schrottimmobilien

Von Karin Schmidl
Historisch, aber marode sind die Schmucktore zur Knorrpromenade.  Karsten Frank (l.) und  sein Verein KiezGestalten sammeln Geld für die Sanierung. Als Sponsor ist ihnen jeder recht, der Geld übrig haben könnte.
Historisch, aber marode sind die Schmucktore zur Knorrpromenade. Karsten Frank (l.) und sein Verein KiezGestalten sammeln Geld für die Sanierung. Als Sponsor ist ihnen jeder recht, der Geld übrig haben könnte.
Foto: Gerd Engelsmann
Berlin –  

Friedrichshainer Verein legt Ex-Senator Michael Braun nahe, sein Übergangsgeld in Höhe von knapp 50.000 Euro in echte Schrottimmobilien zu investieren.

Die Berliner sind ja berühmt für ihre recht derbe Art. Ganz unverblümt und wenig diplomatisch benennen sie, was ihnen nicht passt. Wenn zum Beispiel ein Politiker etwas macht, was nicht recht zum Anspruch an das hohe Amt passt, er sich beurlauben lässt und dann auf ein fürstliches Übergangsgeld besteht, ist der Berliner schnell empört. Begriffe wie Abzocke oder Gier machen dann die Runde.

Doch die Berliner können auch anders, wie einige Friedrichshainer zeigen. Der Verein KiezGestalten hat an den Rechtsanwalt und Ex-Senator Michael Braun (CDU) einen Brief geschrieben. Braun hatte sich nach nur elf Tagen im Amt als Justiz- und Verbraucherschutzsenator entlassen lassen, nachdem bekannt geworden war, dass er als Notar Geschäfte mit überteuerten Immobilien, sogenannten Schrottimmobilien, beurkundet haben soll. Für die Zeit als Kurzzeit-Senator steht ihm ein Übergangsgeld in Höhe von knapp 50.000 Euro zu – was juristisch nicht zu beanstanden ist, aber die Neid-Debatte in der Stadt (die da oben!) befeuerte.

Genau dort setzen die Friedrichshainer an. Ihr Verein kümmert sich – ehrenamtlich – um die Sanierung von zwei historischen, aber verfallenen Schmucktoren an der Knorrpromenade. Man sei darüber informiert worden, heißt es in dem Schreiben, dass der „Herr Senator a. D. Michael Braun auf Schrottimmobilien spezialisiert“ sei. Da sei man doch sozusagen in der gleichen Branche tätig.

Die öffentliche Anfeindungen wegen des Übergangsgeldes könne man nicht verstehen. Gesetz sei eben Gesetz: „Sie haben sich da nichts zu Schulden kommen lassen.“ Doch um Volkes Seele gnädig zu stimmen, wird Braun ein Vorschlag gemacht: Die Torsanierung soll gut 50.000 Euro kosten – in etwas die gleiche Summe wie das viel diskutierte Kurzzeit-Gehalt. „Da sagen wir doch, kommen Sie zu uns, wir nehmen Sie mit offenen Armen, und Ihr Übergangsgeld.“ Den Kritikern könne Braun es dann mal so richtig geben! „Er hat doch ein gutes Herz“, werde es heißen. „Allein bei diesem Gedanken muss Ihnen doch warm ums Herz werden.“ Später, wenn die Tore saniert und dann ein großes Fest gefeiert wird, werde man sagen: „Es ist zu Stein gewordene Reue. Geben und nehmen war sein Credo.“

Bislang hat der Ex-Senator nicht geantwortet. Ob er es überhaupt je tun wird, ist allerdings fraglich.

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